Auf Tour mit dem Bücherbus

Der Bücherbus, hier Margret Kaiser und Fahrer Dieter Schlieker Foto: Franz Meinert / WAZ FotoPool 9.6.2011
Der Bücherbus, hier Margret Kaiser und Fahrer Dieter Schlieker Foto: Franz Meinert / WAZ FotoPool 9.6.2011
Foto: WAZ FotoPool

Gladbeck. Eigentlich gebührt ihm schon fast ein Oldtiomer-Kennzeichen. In Vier Jahren überschreitet der die magische 30-Jahre-Grenze. Doch der Lesestoff im Inneren des Bücherbusse ist immer auf dem neuesten Stand.

26 Jahre ist das gute Stück schon alt, manchmal hustet es ein wenig und die neuesten Abgasvorschriften erfüllt es wahrscheinlich auch nicht mehr. Aber für einen Oldtimer ist er immer noch bestens in Form. Aber es gibt wohl auch nur wenige Oldies, die nur 104 000 Kilometer auf der Uhr haben. Im täglichen Stadtverkehr kommt halt nicht viel zusammen – für den städtischen Bücherbus. Fünf Mal in der Woche klettert Dieter Schlieker auf den Fahrersitz und manövriert das 15-Meter-Gefährt durch Gladbecker Wohnstraßen zu den vorgeschriebenen Haltestellen. Eigentlich ist Schlieker ja ZBG-Mitarbeiter, ausgeliehen an die Bücherei. Bevor er Bücherfahrer war, war er Müllfahrer.

Viele Stammkunden

An zwei Tagen in der Woche zwängt sich Margret Kaiser auf die Sitzbank neben Schlieker. Beinfreiheit? Fehlanzeige. Aber andere Sitzplätze gibt es nicht. Nur Regale voller Bücher, Zeitschriften, DVDs und Hörspiele. 5500 Medien fahren Schlieker und Kaiser spazieren. Von einer Haltestelle zur nächsten, von einem Bücherwurm zum nächsten.

Heute steht Rentfort auf dem Fahrplan. Langsam rollt der Bücherbus über die Straßen. Schneller als 35 Stundenkilometer fährt Schlieker nicht. Zwar sind die Regale schräg nach hinten geneigt, so stehen die Bücher einigermaßen sicher, trotzdem: Bei allzu forscher Fahrweise würden sie trotzdem durch den Bus purzeln. So bleiben die „Sachbücher für Erwachsene“ das Sorgenkind“. Die stehen nämlich an der Rückwand des Busses. Muss Schlieker kräftig in die Eisen gehen, fallen die Koch- und Bastelbücher, die Medizin- und Psychologie-Ratgeber zu Boden. Diesmal geht alles gut. Sogar die Bücherstapel, die Margret Kaiser hinten im Bus aufgetürmt hat, stürzen nicht um. Um die kümmert sie sich nun, wenn der Bus steht. Denn Leser sind weit und breit noch nicht zu sehen. Zeit also, die Regale wieder aufzufüllen. Service für den Leser – und gut für die Sicherheit: „Je voller die Regale, desto fester stehen die Bücher.“

Aus den Nachbarstädten

Dass an der Haltestelle Ingeborg-Drewitz-Gesamtschule nicht viel los ist, damit hatte Margret Kaiser schon gerechnet. So gut kennt sie ihre Route. Und nicht nur die. Auch die Leser und ihre Vorlieben hat sie in über zehn Jahren Bücherbus kennen gelernt. Kaum hat sie das erzählt, klettert eine Stammkundin die vier Stufen hinauf. Ein bekanntes Gesicht – aber die falsche Haltestelle. Margret Kaiser stutzt, bis sie erfährt, dass die Besucherin jetzt unregelmäßige Arbeitszeiten hat. Trotzdem reist sie lieber dem Bücherbus hinterher anstatt die Hauptstelle aufzusuchen. Dabei ist sie noch nicht einmal Gladbeckerin. Sie komme aus Kirchhellen, erzählt sie. „Aber der Service im Bücherbus ist einfach super. Viel besser als in der Zweigstelle der Bottroper Bücherei in Kirchhellen.“

Im Bus hat sie feste Anlaufpunkte. Vom Bestseller-Regal über die Koch- und Backbücher bis hin zu den Sachbüchern führt ihre Route. So auch heute. Nicht alles, was sie haben will, ist auch da. Aber kein Problem. Margret Kaiser tippt schon auf dem Bibliothekslaptop – die drahtlose Internetverbindung funktioniert zum Glück endlich – und schon sind die beiden Bücher von Glenn Meade reserviert. Bei der nächsten Tour in einer Woche sind sie an Bord. „Das ist Super-Service“, lobt die Kundin noch schnell, bevor sie verschwindet.

Denn Dieter Schlieker lässt den Motor an, drängt zum Aufbruch. Nächste Haltestelle: Albert-Einstein-Straße. Hier im Neubaugebiet, bei den vielen jungen Familien, werden Kaiser und Schlieker jedes Mal sehnlichst erwartet. Die neunjährige Katharina klettert zuerst an Bord, leert eine Tasche aus und geht sofort auf die Suche nach neuem Lesestoff. Nur soviel verrät sie noch: „Am liebsten leihe ich hier Hörspiele aus.“

 
 

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