Gladbeck

Atomgegner spüren Aufwind

Steffen Bender
Foto: WAZ FotoPool

Gladbeck. . „Atomkraft, nein Danke!“ Während die Lage im Atomkraftwerk Fukushima in Japan immer noch unklar ist, hat sich das Stimmungsbild auf den Straßen Gladbecks offenbar deutlich in eine Richtung entwickelt. Ob am Stand des Kaffeehändlers oder vor dem Metzger. Im Moment läuft es auf die Antwort hinaus: Atomausstieg sofort!

Der Stand der Jusos am Samstagmorgen in der Innenstadt passte genau in dieses Bild. Die jungen Sozialdemokraten verteilten Flugblätter und informierten über die aktuelle Kernenergiedebatte. „Wir fordern den schnellstmöglichen Ausstieg aus der Atomenergie. Die Schrottreaktoren müssen sofort für immer abgeschaltet werden – und nicht nur bis zur nächsten Landtagswahl“, steht auf dem Papier gegen den aktuellen Kurs der Bundesregierung. Und wenn man anschließend in die Runde hörte, sind viele Gladbecker mittlerweile der gleichen Meinung. „Diese Reaktoren sind unbeherrschbar“, fürchtet Melanie Danz. Rüdiger Holtbein hingegen muss zugeben, dass bei ihm selber erst durch die Geschehnisse in Japan das Thema wieder aktuell wurde: „Solche Katastrophen halten einem ja erst vor, wie gefährlich Atomenergie ist. Wir müssen weg von dieser Energieform“, fordert der Rentner.

Dass die Jusos gerade jetzt diese Flugblatt-Aktion starteten, kommt allerdings nicht bei allen Bürgern gut an. Es gibt auch einige, die kopfschüttelnd am Stand der Sozialdemokraten vorbeigingen. „Ich find es unmöglich, dass die Katastrophe in Japan hier zum Wahlkampf genutzt wird“, kritisiert Hilde Wlotz, die jedoch ebenfalls den Ausstieg aus der Atomenergie fordert. „Wir sollten jetzt in erster Linie den Menschen in Japan helfen und nicht auf unser Land schauen“, so Frau Wlotz.

Leif Knape hingegen verteidigt genau diese Marschroute: „Wir müssen die Atompolitik der Bundesregierung jetzt zum Thema machen. Das Moratorium von Frau Merkel ist ein Witz. Wenn in drei Monaten die Landtagswahlen vorbei sind, gehen die AKWs wieder ans Netz und alles ist wie vorher“, so der Juso, der die Gladbecker wachrütteln möchte: „Das Ganze ist nicht nur ein lokales, sondern ein bundesweites Thema an dem sich alle beteiligen müssen.“

Aber nicht nur die Flugblatt-Aktion der Jusos stößt ein wenig auf Kritik. Manche Bürger hätten sich zu diesem brisanten Themen auch Informationen und eine Stellungnahme der CDU gewünscht. Die Kehrtwende der Bundes-CDU hatte auch bei vielen Gladbecker Christdemokraten für Verwirrung gesorgt. „Ich muss zugeben, dass ich den Kurs der Partei nicht ganz verstehe. Die Laufzeitverlängerung wurde wirklich unschön im Parlament durchgebracht, und jetzt dieser Rückzieher“, wundert sich Barbara Supilz.

Dass die Aktion der Jusos allerdings nicht nur Dagegen-Politik ist und der sofortige Atomausstieg womöglich auch wirtschaftlich verträglich gestaltet werden könnte, zeigen die Alternativ-Ideen, die bei der Aktion zu Tage kommen. Mit von der Partie am Samstagmorgen war auch die IGBCE Mitte. Deren Sprecher Walter Hüßhoff fordert einen „gesunden Energiemix“, um die Wirtschaft nicht zu gefährden: „Wir müssen schnellstmöglich von der Kernenergie weg. Der Weg dorthin ist aber nicht einfach. Wir brauchen einen Mischung aller Energieträger - nicht nur für Deutschland, sondern für ganz Europa“, so der Gewerkschaftler, der Europa zukunftssicherer machen möchte. „Der Mensch muss im Mittelpunkt stehen, vor allen Risiken.“

Auch bei der Unterschriftenaktion, die Samstag gleichzeitig durchgeführt wurde, zeigte sich, dass die Meinung der Gladbecker in eine Richtung geht: Über 100 Unterschriften gegen Atomenergie und für die Förderung von erneuerbaren Energien wurden in der City gesammelt.