Asylbewerberheim - Zigarettenkippen lösten den Brand aus

Silvio Vizor (re.) und weitere Asylbewerber berichten von den Erlebnissen in den frühen Morgenstunden.
Silvio Vizor (re.) und weitere Asylbewerber berichten von den Erlebnissen in den frühen Morgenstunden.
Foto: WAZ FotoPool
37 Bewohner wurden am frühen Morgen aus dem zweigeschossigen Containerbau An der Boy evakuiert. Notquartier an der Gesamtschule eingerichtet.

Gladbeck. Noch jetzt ist einigen der asylsuchenden Männer der Schrecken ins Gesicht geschrieben. In Kartons und Plastiktüten schaffen sie am Mittwochvormittag hastig wichtigste Habseligkeiten aus dem Wohncontainer An der Boy. Die zweigeschossige Unterkunft für Asylbewerber ist jetzt unbewohnbar, da in den frühen Morgenstunden ein Feuer in der Küche gewütet hat. Die gute Nachricht: nur zwei der 37 Bewohner wurden durch Rauchinhalation leicht verletzt.

Gegen vier Uhr in der Frühe sei er im Zimmer im Obergeschoss wach geworden und habe zur Gemeinschaftstoilette gehen wollen, berichtet Silvio Vizor (25), „da war der ganze Flur voller Rauch“. Kurz darauf hätten auch die Rauchmelder gepiept. Er habe an die Türengeschlagen, um die Zimmernachbarn zu wecken. Sein Kumpel Daniel habe via Handy die Polizei angerufen. Im Untergeschoss sind die Bewohner derweil auch bereits in heller Aufruhr.

Aus dem Tiefschlaf gerissen

Das Piepen der Rauchmelder und Alarmrufe hätten ihn als Ersten im Zimmer, in dem er mit drei weiteren Syrern wohnt, aus dem Tiefschlaf gerissen, berichtet Abdulkarim Darwish (30). „Ich war total verwirrt, habe einen Riesenschrecken und Angst bekommen.“

Man habe realisiert, dass irgendetwas passiert sein muss, „wir wussten aber ja zuerst gar nicht, was genau los ist“, ergänzt Mitbewohner Mohammad Alobeid (25). Die Polizei sei dann schnell da gewesen, und alle Bewohner aufgefordert worden, ins Freie zu eilen.

Die zwischenzeitlich alarmierte Feuerwehr trifft mit 25 Einsatzkräften und acht Fahrzeugen, darunter die Freiwilligen Löschzüge Rentfort und Zweckel, am Asylbewerberheim ein. Aus dem Küchenfenster an der Rückseite des Gebäudes im Erdgeschoss quillt Rauch. Die Bewohner erzählen den Rettern aufgeregt, dass noch ein Mann vermisst wird. Der Einsatzleiter beordert umgehend vier Feuerwehrleute mit Atemschutz zur Personensuche ins Gebäude. Im Untergeschoss wird der vermisste Mann schnell in einem Zimmer aufgefunden und ins Freie geführt. Bei der weiteren Absuche im Gebäude wird im Obergeschoss ein noch schlafender Mann entdeckt und gerettet. Das Feuer selbst ist auf die Küche beschränkt, die Löscharbeiten sind schnell erfolgreich.

Die Kriminalpolizei nimmt die brandtechnischen Ermittlungen auf und informiert später: Glimmende, in den Mülleimer gekippte Zigarettenstummel haben den Brand ausgelöst. Der Containerbau ist ohne intakte, teils verbrannte Elektroinstallation zurzeit nicht bewohnbar.

Notunterkunft in der Turnhalle der Gesamtschule 

Noch während der Löscharbeiten fuhr ein angeforderter Bus der Vestischen am Containerbau An der Boy vor, um die evakuierten Asylbewerber ins Warme aufzunehmen.

Elf der zumeist jüngeren Männer konnten später bei Freunden oder Verwandten im Stadtgebiet unterkommen, für die weiteren 26 Containerbewohner wurde eine Notunterkunft in Rentfort-Nord geschaffen.

Ein Unterrichtsraum, sowie die kleine Turnhalle im Mehrzweckhallengebäude der Ingeborg-Drewitz-Gesamtschule wurden als Quartiere mit Notbetten hergerichtet. „Hier besteht auch die Möglichkeit, die Verpflegung der Asylbewerber über die nahe Schulmensa sicherzustellen“, informiert Rainer Böddeker,

der Leiter des Sozialamtes.

Der Sportunterricht von Schule oder Vereinen sei dadurch nicht beeinträchtigt, da die große Dreifachsporthalle nach wie vor zur Verfügung stehe. Mit Wohnungsbauunternehmen wie der Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft Gladbeck (GWG) habe die Stadt umgehend Gespräche aufgenommen, so Böddeker weiter, „um Wohnraum anzumieten und die vom Feuer betroffenen Asylbewerber dezentral im Stadtgebiet unterzubringen“. Er sei zuversichtlich, dass dies so schnell wie möglich in den nächsten Tagen gelingt.

Mittelfristig will die Stadt, wie bereits angekündigt, neue zentrale Großunterkünfte zur Unterbringung der wohl weiter ansteigenden Zahl der Asylbewerber schaffen. Dies könnte durch Nutzung städtischer, oder über angemietete Immobilien realisiert werden.

 
 

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