Anlaufstelle für Geheimnisträger

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Wenn Lehrer, Ärzte, Ehrenamtler Verdacht auf Kindswohlgefährdung haben, hilft ein Beratungsangebot bei der Klärung und gibt Rat zu weiterem Vorgehen

Gladbeck.  Kevin, der kleine Junge aus Bremen, starb 2006, weil seine Vernachlässigung und Misshandlung nicht frühzeitig erkannt wurde. Seit Kevins tragischem Tod sind Jugendämter in ganz Deutschland alerter, sind auch Lehrer aufmerksamer, Ärzte, Sozialarbeiter, ehrenamtliche Sporttrainer sensibilisierter für eine mögliche „Gefährdung des Kindeswohls“, die sich in Vernachlässigung, Verwahrlosung, Misshandlung und Missbrauch eines Kindes zeigen kann. Und nach dem neuen Bundeskinderschutzgesetz kommt ihnen sogar eine besondere Rolle zu: Sie gelten als „Geheimnisträger“, da sie in ihrem beruflichen Umfeld mit Situationen der Kindswohlgefährdung in Berührung kommen.

Nicht jeder Verdacht bestätigt sich

Aber nicht immer bestätigt sich ein Verdacht als ein tatsächlicher Fall, und daher schreckt so mancher „Geheimnisträger“ vor der offiziellen Meldung ans Jugendamt zurück. Genau dafür hat der Gesetzgeber ein verpflichtendes Beratungsangebot ins neue Gesetz geschrieben, das es nun auch in Gladbeck gibt: Wer einen Verdacht hat, kann sich vor der Meldung ans Jugendamt erst einmal Rat holen bei kompetenten Kinderschutzfachkräften. Awo, Caritas, Ev. Dienst für Erziehungshilfe, Gemeinnützige Jugendhilfe und Junikum kooperieren dabei und bieten gemeinsam jeden ersten Donnerstag eine Beratung an. Über eine Telefonnummer des Kinderschutzbundes sind die Kinderschutzfachkräfte auch an allen anderen Tagen erreichbar.

„Jeder Fall bleibt anonym und von uns wird keine Meldung gemacht“, betont Sonja Hotz den Beratungscharakter des Angebots. Die Fachkräfte sprechen eine Empfehlung aus, raten zu möglichen weiteren Schritten. „Es gibt viele Graubereiche. Die Meldung ans Jugendamt kann der letzte Schritt sein, es geht darum, eine Gefährdung abzuwenden“, sagt Ruth Rosing-Große-Kreul. Wenn eine Meldung nötig erscheint, muss der „Geheimnisträger“ diesen Schritt selbst tun. Und er muss ihn gehen, denn es gilt: „Kindesschutz geht vor Datenschutz“. Wer die Meldung unterlässt, macht sich der unterlassenen Hilfeleistung schuldig.

Sprechstunde jeden ersten Donnerstag

Das Team bietet jeden ersten Donnerstag im Monat von 14 bis 16 Uhr eine Sprechstunde beim Kinderschutzbund, Kirchplatz 8, 1. Etage, an. Mindestens drei Fachkräfte werden dann zugegen sein. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich


Die Beratungsstelle ist unter 27 65 66 erreichbar, es wird zeitnah ein Termin vereinbart

 
 

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