Amerikanische Wohnmobile gleiten durch Gladbeck

Heute ein König: Helmut Bartmann li.aus Siegen an seinem Winnebago von 1999 mit seinen Stellplatznachbarn v.l.: Karina Zöllner aus Schwalbach und Gabi Söntgen aus Bergheim mit Ehemann Peter.
Heute ein König: Helmut Bartmann li.aus Siegen an seinem Winnebago von 1999 mit seinen Stellplatznachbarn v.l.: Karina Zöllner aus Schwalbach und Gabi Söntgen aus Bergheim mit Ehemann Peter.
Foto: WAZ FotoPool
Rund 40 Wohnmobile amerikanischer Bauart trafen sich zum zweiten Mal in Gladbeck. Aus ganz Deutschland kamen die großen Vehikel – gleiten statt fahren war das Motto. Auch Ausflüge in die Umgebung standen auf dem Programm der Reisemobilisten.

Gladbeck.  Es sind Individualisten, die mit einem Wohnmobil aus US-amerikanischer Produktion durch die Lande reisen. Das hat mehrere Gründe, und alle lassen den Normalbürger mit dem Kopf schütteln. „Es ist kein Fahren, sondern ein Gleiten, wenn man mit einem 30 Jahre alten Ford auf große Reise geht“, weiß Hartmut Bach. Er hat sich Fahrzeugen der General Motors Company verschrieben.

In den „Amis“, wie die Besitzer ihre riesigen Wohnmobile nennen, werkelt meist ein gusseiserner Achtzylinder in V-Form. Ein Triebwerk, das jeden Tankwart motiviert, eine Wimpelkette als Willkommensgruß an seiner Tanke zu hissen, wenn so ein Dinosaurier des Automobilbaus an die Zapfsäule rollt. „So um die 30 Liter gurgeln schon mal gerne durch den riesigen Vergaser“, sagt Heinz Fölz vom Gladbecker Reisemobilclub.

Groß, durstig, unmodern

Zu groß, zu durstig und einfach unmodern: so die Vorurteile, die die rollenden Paläste umgeben. Aber wenn man so ein Mobil betritt, dann haucht einen der American Way of Life an. Küche, Esszimmer, Wohnzimmer und in etlichen Modellen sogar ein Wannenbad: Das ist schon einen Extra-Schluck Sprit wert.

Die Besitzer dieser Mobile sind samt und sonders Schrauber. Sie kennen ihre „Babys“ genau und lieben sie. Natürlich ist ein modernes Wohnmobil wie das von Heinz Fölz der Vernunftkauf: Sparsamer Dieselantrieb, Partikelfilter und eine ausgeklügelte Raumergonomie stehen in Konkurrenz mit Plüsch und opulenten Polstern. Scheckheft-gepflegte Qualität mit Mobilgarantie steht gegen zickige Technik aus den 1970er Jahren. „Genau das macht den Reiz aus. Entschleunigung ist das Stichwort“, philosophiert Heinz Fölz.

An der 40 Meter langen Tafel auf dem Wittringer Stellplatz wurde in der Nacht zum Sonntag lange gefachsimpelt und es wurden auch Lieder von Fahrten in den Sonnenuntergang gesungen, die natürlich mit dem Wohnmobil unternommen wurden. „Wir sind schon irgendwie Cowboys der Landstraße und die Jungs mit den US-Mobilen sind das erst recht. Sich treiben lassen, da bleiben, wo es einem gefällt und fremde Gegenden erforschen. Ich bin jetzt bald 70 Jahre alt und ich hoffe, dass ich noch lange mit meiner Frau auf Touren gehen kann“, sagt Heinz Fölz. Auf das Heck seines Wagens hat er mit Klebebuchstaben das Motto seiner Passion sichtbar gemacht: „Wir fahren um die Welt und verjubeln unser Geld.“

Auch ein riesiges Ami-Sondermobil steuerte aus dem Saarland Gladbeck an. „Kostet mit allem drum und dran 500 Euro so ein Wochenende. Ich habe mir eine Gasanlage ins Auto gebaut. Dann habe ich ein H-Kennzeichen, weil mein Auto älter als 30 Jahre alt ist. So rechnet sich meine Badewanne mit 300 PS“, sagte der strahlende Besitzer. So sind halt Oldtimer-Enthusiasten: Am Ende stimmt die Rechnung immer.

 
 

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