Abzocke statt erhofftem Gewinn

Gladbeck. Heribert Jäger ist sauer, stocksauer. In seinem Briefkasten landete ein Brief, der sich als Einladung zur Kaffeefahrt entpuppte. Der ehemalige stellvertretende Leiter der Fröbelschule will andere davor warnen. „Gerade Ältere fallen sicherlich schneller auf solche Schreiben herein“, ärgert sich der 70-Jährige.

Dabei sah alles auf den ersten Blick seriös aus. Rechts oben in der Briefecke erweckt der in grün gehaltene Schriftzug „Schon BEZahlt. Danke.“ den Eindruck, als ob es sich um ein Schreiben der Gebühreneinzugszentrale (GEZ) handele. Die wirbt mit dem Slogan: „Schon GEZahlt? Danke.“ Ein anderer Buchstabe und ein anderes Satzzeichen machen hier den großen Unterschied.

Es wird vorgegaukelt, der Empfänger habe den 1. Preis (2500 Euro) gewonnen. Ein Absender ist nicht aufgeführt. Nur eine Kundenbetreuung via Postfach im Landkreis Cloppenburg ist angegeben. Dazu Irene Müller als Kundenbetreuerin.

Vor dem Trugschluss, gewonnen zu haben, warnt unter anderem der Lahn-Dill-Kreis seine Bewohner: „Im Betreff heißt es nur, dass der 1. Preis aus 2500 Euro besteht. Allerdings ist nirgends zu lesen, dass der Empfänger auch der Gewinner des 1. Preises ist, im Gegenteil: ,Sie werden es nicht glauben Herr . . ., unter anderem wurde auch Ihr Name gezogen’, heißt es weiter. Man ist also einer unter Vielen.“

Auch den versprochenen Fernseher erhielten der Teilnehmer nicht kostenlos, so der Lahn-Dill-Kreis. „Als Kundenprämie wird ein LCD-Fernseher versprochen. Kunde ist nach der Lesart der Kaffeefahrten-Branche aber nur, wer etwas heillos Überteuertes kauft und das drittklassige Fernsehgerät damit mehr als mitbezahlt.“

„Oft werden Adressen aus dem Telefonbuch genommen, die älter klingende Vornamen haben“, sagt Anette Plawecki von der Verbraucherzentrale Bottrop. Auch seien häufig Menschen betroffen, die früher an Gewinnspielen teilgenommen hätten. In vielen Fällen hätten die Menschen dabei zugestimmt, dass die Daten für andere Zwecke genutzt werden dürften. „Der Datenhandel im Internet ist ein sehr lukratives Geschäft“, so die Verbraucherschützerin.

Doch nicht nur die richtige Adresse und Telefonnummer von Heribert Jäger steht auf der beigefügten Rückantwort-Karte. Sogar das Geburtsdatum stimmt. Der 70-Jährige ist richtig sauer: „Woher haben die Leute das?“

Die kostenlose Abholung soll durch Schuster Reisen UG aus Stedingsmühlen (Landkreis Cloppenburg) geschehen. „Wenn kann es sich dabei höchstens um eine Briefkastenfirma handeln, ein alteingesessenes Unternehmen ist es auf jeden Fall nicht“, heißt es im zuständigen Gemeinde-Rathaus von Molbergen.

In einschlägigen Internetforen wird vor Schuster Reisen UG als „Postfach sowie nicht existierende Firma“ gewarnt. Dadurch, so der Lahn-Dill-Kreis, wollten die Betrüger verhindern, auf den Gewinn verklagt zu werden. Oder Ärger mit Polizei und Ordnungsamt zu bekommen.

 
 

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