Absolute Top-Liga

Steffen Bender
Sonic Suite beim Konzert am Samstagabend in der Stadthalle.
Sonic Suite beim Konzert am Samstagabend in der Stadthalle.
Foto: WAZ FotoPool

Gladbeck.  Es ist 20.08 Uhr, als das Sextett von „Sonic Suite“ die Bühne betritt. Die A-Capella-Kombination zieht bereits mit ihrem ersten eigenkomponierten Song „Northern Life“ die Zuschauer in ihren Bann. Das Konzert am Samstag war voller stimmlicher Höhepunkte mit vielen Gänsehaut-Momenten.

Wenn Sonic Suite in Gladbeck auftritt, ist das etwas ganz Besonderes. Nicht nur, dass die Musiker eine richtige Hausnummer in der Szene sind und sogar mit DJ BoBo zusammenarbeiten. Vielmehr ist es für Sängerin Maike Lindemann ein Heimspiel. Denn die Wahl-Berlinerin ist in Gladbeck groß geworden und hat sich einen Traum erfüllt: Sie hat ihre Stimme zum Beruf gemacht. Und das kann sich hören lassen. „Ich glaube, ich freue mich ein wenig mehr hier zu sein, als die anderen Mitglieder der Band“, gab Lindemann auf der Bühne zu.

„Rhythm’n Voice.“ So heißt die Musik von „Sonic Suite.“ Auf der Bühne sucht man vergebens die Instrumente, obwohl sie überall zu hören sind. Kein Schlagzeug, keine Gitarre. „Sonic Suite“ macht alles mit dem Mund. Die sechs Protagonisten sind wahre Künstler, wahre Zungenakrobaten und sie haben atemberaubende Stimmen.

Das Repertoire der Band am Samstagabend ist riesig. Von Soul zu Pop über R’n’B haben sie alles zu bieten. Allen voran Maike Lindemann und Melissa Muther. Wenn die beiden hübschen Frauen zum Mikrofon greifen, wird es soulig, oder besser gesagt, einfach traumhaft. Ob „Valerie“ von Amy Winehouse, Sugababes‘ „Overload“ oder Alicia Keys‘ „A Woman’s Worth”: Maike Lindemann sollte recht behalten, als sie sagte. „Es gibt Songs, die sind einfach gut und müssen gesungen werden.“

Nach einem über zweistündigem Konzert ist es noch einmal an der Zeit auf die zwei Höhepunkte des Abends zu blicken. Beatboxer Indra Tedjasukmana sorgte mit seiner Solonummer erst für Atemstillstand und dann für grenzenlosen Applaus. Über fünf Minuten beatboxte er in allen Facetten und Exzentrik und stellte jedes Schlagzeug dieser Welt in den Schatten. In Erinnerung wird auch die Solonummer von Lewin Blümel bleiben. Erst holte sich der Blondschopf Unterstützung vom Publikum und brachte dann mit „Black or White“ von Michael Jackson die Stimmung zum Überkochen.

„Bitte öfter in Gladbeck“

Das Konzert wurde vom Verein für Jazz und improvisierte Musik (JiM) organisiert. Der Vorsitzende Michael Tack zeigte sich beeindruckt von den Künstlern: „Das ist absolute Top-Liga, was uns hier geboten wurde.“ Ein Wehrmutstropfen bleibt aber: Mit knapp 150 Zuschauern ist die Stadthalle nur sehr sparsam gefüllt. Die großartigen Künstler hätten ein größeres Publikum verdient gehabt. Und interessierte Gladbecker, die nicht in der Stadthalle waren, können sich sicher sein, etwas verpasst zu haben.

„Es ist unglaublich, was die Sänger auf der Bühne dem Publikum geboten haben“, sagt Arnold Schmidt. „Überall hört man Instrumente, aber sie sind einfach nicht da.“ Kurt Winter hofft auf ein Wiedersehen mit der A capella Kombination: „So etwas brauchen wir viel öfter in Gladbeck. Schade, dass das Publikum nur so rar vertreten war. Ansonsten hätten wir die Stadthalle zum Abheben gebracht.“ Gerda Schiering konnte ihre Bewunderung gar nicht in Worte fassen: „Ich habe es gerade mal versucht, selber solche Töne zu kreieren. Das ist schlichtweg unmöglich.“