Ab 2017 keine Geburten mehr im Barbara-Hospital

Rechsanwalt Martin Löbbecke hat die Hebammen seit dem Sommer in ihrem Kampf um den Erhalt der Arbeitsplätze unterstützt.
Rechsanwalt Martin Löbbecke hat die Hebammen seit dem Sommer in ihrem Kampf um den Erhalt der Arbeitsplätze unterstützt.
Foto: Frank Oppitz
  • Die KKEL-Geschäftsführung begründet Entscheidung mit Wirtschaftlichkeit
  • Die Politik wundert sich über unterschiedlich hohe Defizitzahlen im Juni und jetzt
  • Elf Hebammen werden gekündigt und sind ab Januar freigestellt

Ab Januar 2017 werden im Barbara-Hospital keine Kinder mehr geboren. Die Geburtshilfeabteilung schließt definitiv zum 31. Dezember. Diese Nachricht erhielten gestern Nachmittag die elf Hebammen und Mitarbeiter der Abteilung von KKEL-Geschäftsführerin Dr. Ulrike Ellebrecht (Kath. Kliniken Emscher-Lippe) und dem Vorsitzenden des Aufsichtsrats, Werner Philipps. „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, es geht um die Zukunftssicherung der KKEL und den Erhalt der 1600 Mitarbeiter“, erklärte Philipps im Gespräch mit der Presse und Vertretern der Fraktionen von SPD, CDU und Linke. Die elf Hebammen, die seit dem Sommer mit vielen Unterstützern um den Erhalt der Geburtshilfe und ihre Arbeitsplätze gekämpft haben, erhalten die Kündigung zum Juni 2017. Ab Januar sind sie freigestellt.

Unterschiedlich hohe Defizitzahlen erstaunen die Politik

Die Geschäftsführung begründet die Entscheidung mit Wirtschaftlichkeit. „Sowohl die Gynäkologie als auch die Geburtshilfe arbeiten seit Jahren defizitär“, erläuterte Dr. Ellebrecht Aktuell betrage das Defizit 1,3 Mio Euro im Jahr, wovon auf die Geburtshilfe 850 000 Euro entfielen. Diese Zahlen vernahm die Politik mit Erstaunen. Waren doch im Juni, vom damals noch amtierenden Geschäftsführer Bertold Grunenberg, im Hauptausschuss andere genannt worden. Er hatte der Gynäkologie sogar einen Einnahmeüberschuss von 1,6 Mio Euro bescheinigt, das Defizit der Geburtshilfe mit 337 145 Euro angegeben.

Auf die Fragen der Politiker Jörg Baumeister und Volker Musio (SPD), Olaf Jung (Linke) und Andreas Willmes (CDU), wie es zu den unterschiedlichen Aussagen komme, hatten Geschäftsführung und Aufsichtsrat keine Erklärung. Sie seien immer von höheren Defiziten ausgegangen, betonten sie.

Geburtshilfe rechnet sich erst ab 800 Geburten

Grundsätzlich sei es aber so, dass „eine Geburtshilfe sich erst ab 800 Geburten und mehr rechnet“, erklärte Dr. Ellebrecht. Im Barbara-Hospital, wo im Jahr nur rund 500 Kinder geboren werden, komme erschwerend hinzu, dass es keine angeschlossene Kinderklinik wie im Sankt-Marien-Hospital in Buer oder im Bottroper Marien-Hospital gebe. „Dies wird von Eltern gewünscht und ist aus ärztlicher Sicht wichtig für die Sicherheit“, so Dr. Ellebrecht. Auch für das Krankenhaus sei es aus Haftungsgründen von Bedeutung. Mit den umliegenden Kliniken in acht, bzw. fünf Kilometern Entfernung hätten Eltern ein gut zu erreichendes Angebot.

Nur noch bis zum 23. Dezember können Schwangere inSt. Barbara gebären

Schwangere, die im Barbara-Hospital gebären wollten, können dies nur noch bis zum 23. Dezember tun. Alle anderen werden über die Angebote in der Umgebung informiert. Das Pflege- und Arztpersonal der Geburtshilfeabteilung wird auf andere Stationen verteilt. Den elf Hebammen würden alternative Arbeitsplätze angeboten, allerdings nicht ihrer Qualifikation entsprechend.

Ob die Elternschule im Barbara-Hospital -- ein wichtiges Angebot der Hebammen für Mütter vor und nach der Geburt ihres Kindes -- weitergeführt wird, ist fraglich. Die Geschäftsführung wäre dazu zwar bereit, würde aber die Kosten nicht übernehmen. „Da könnte vielleicht die Stadt einspringen“, hieß es.

Initiative will den Bischof um Hilfe bitten

„Wir sind entsetzt, mit welcher Härte hier eine kirchliche Gesellschaft ausschließlich wirtschaftliche Interessen verfolgt.“ So lautet die erste Reaktion der Elterninitiative zu dem jetzt verkündeten Beschluss. Sie führen ihrerseits Zahlen an: Danach habe die KKEL in 2014 einen Gewinn von über 2,1 Mio Euro erwirtschaftet, das Bistum Essen verfüge über ca. 256 Million Vermögen. „Wir verstehen nicht, warum die Kirche selbst sich gar nicht anden ihrer eigenen Einrichtung beteiligen will“, schreibt Rechtsanwalt Löbbecke. Jetzt will die Initiative Bischof Overbeck mit einem Brief um Hilfe bitten.

Stadt drückt Bedauern aus: „Ein Verlust für Gladbeck“

Auch die Stadt Gladbeck „bedauert die Schließung der Geburtshilfe ausdrücklich“. Bürgermeister Roland: „Dies ist ein Verlust für das St. Barbara Hospital und damit auch für die Stadt. Ich bedauere daher, dass die Träger des Krankenhauses hierzu keine Alternative sehen. Rainer Weichelt, Erster Beigeordneter, betont, dass die Stadt bisher mit der Geburtshilfe hervorragend im Bereich der frühkindlichen Prävention zusammengearbeitet habe. „Selbstverständlich werden wir im Interesse der jungen Familien versuchen, die Zusammenarbeit mit den Geburtshilfestationen in Bottrop und Gelsenkirchen so erfolgreich wie bisher fortzusetzen

 
 

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