3000-Seelen-Dorf Oberau setzt Maßstäbe in der A52-Diskussion

„Oberau sagt Danke, Alex!“ So sehen glückliche Bayern aus: Minister Dobrindt (Mitte) und Gemeindevertreter beim Spatenstich  am 1. September für die Ortsumgehung in Oberau.
„Oberau sagt Danke, Alex!“ So sehen glückliche Bayern aus: Minister Dobrindt (Mitte) und Gemeindevertreter beim Spatenstich am 1. September für die Ortsumgehung in Oberau.
Foto: Bayerischer Rundfunk (BR)
Kruzifix! Seit dem Wochenende ist Oberau (Bayern) in Gladbeck in aller Munde. Das 3000-Seelen-Dorf prägt derzeit die A 52-Debatte.

Gladbeck / Oberau.. „Bürgermeister Ulrich Roland fordert Gleichbehandlung mit Bayern“ - viel Aufmerksamkeit fand der WAZ-Bericht von Samstag zum Thema A 52.

Dass im Wahlkreis von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) in Oberau für 200 Millionen Euro eine vom Bund finanzierte, 4,2 Kilometer lange Ortsumgehung entsteht, drei Kilometer davon im Tunnel, setzt derzeit neue Maßstäbe auch in der Gladbecker A-52-Diskussion. „Was in Oberau möglich ist, muss auch in Gladbeck möglich sein“, sagt Roland (SPD).

„Der Ball liegt im Feld von Dobrindt“

Das bayerische Dorf Oberau ist nun seit dem Wochenende in Gladbeck in aller Munde. „Für uns Gladbecker ist dies eine glückliche Fügung“, meint zum Beispiel A 52-Kritiker Matthias Strehlke. „Der Ball liegt jetzt im Feld von Herrn Dobrindt. Entweder wir erhalten in Gladbeck eine vergleichbare Lösung (was ich persönlich nicht glaube) oder Herr Roland und die Ratsmehrheit werden praktisch dazu gezwungen sein, die Straßenbaulast für die B 224 zu beantragen, um geeignete Maßnahmen zum Schutz der Gladbecker Bevölkerung durchzusetzen.“

Was der Fall Oberau auf jeden Fall zeigt: Die Uhren der Verkehrswegeplanung und- verwirklichung ticken in Bayern offenbar anders als in NRW. „Oberau sagt Danke, Alex!“ T-Shirts mit dieser Aufschrift trugen die Gemeindevertreter Anfang September beim Spatenstich für das Tunnelprojekt gemeinsam mit dem Bundesverkehrsminister. Das entsprechende Foto spiegelt bestes Einvernehmen unter tiefblauem bayerischen Himmel.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt würdigte laut Bayerischem Rundfunk (BR) in seiner Ansprache vor Ort den jahrzehntelangen Einsatz der Bürger von Oberau, vor allem den der Bürgerinitiative VEO (Verkehrsentlastung Oberau). Laut BR kamen rund 200 Menschen zum Festakt an der Baustelle.

Im März 2014 kündigte Dobrindt an: Es wird gebaut

In dem BR-Bericht finden sich weitere Details, die durchaus zeigen, dass die Verkehrssituation in Oberau mit der in Gladbeck vergleichbar ist (allerdings abgesehen davon, dass Gladbeck etwa 72 000 Einwohner mehr hat): Bereits seit den 1970er-Jahren hatte das Dorf für eine Ortsumfahrung gekämpft. Als sich Garmisch-Partenkirchen mit München um die Olympischen Winterspiele 2018 bewerben wollte, sei plötzlich alles ganz schnell gegangen, so der BR.

Doch dann sei das Aus für Olympia gekommen, die Ortsumfahrung Oberau sei auf der Prioritätenliste wieder nach hinten gerutscht. Im März 2014 folgte dann die Überraschung: Dobrindt verkündete in seinem Wahlkreis, die Ortsumfahrung Oberau werde gebaut.

CDU zeigt sich irritiert über das Vorgehen des Bürgermeisters

Von Oberau zurück nach Gladbeck: Unterdessen meldeten sich am Wochenende Fraktionschef Peter Rademacher und Parteichef Christian Enxing für die CDU in Gladbeck zu Wort und zeigten sich „irritiert über das Vorgehen des Bürgermeisters“ in Sachen A 52 und über dessen Forderung nach einer Gleichbehandlung mit Bayern.

„Nachdem im Rat einvernehmlich besprochen wurde, die Broschüre des Bürgerforums zur Kenntnis unter anderem an das Bundesverkehrsministerum zu übersenden, um weitere Aspekte für den Termin in Berlin zu haben, scheint sich Bürgermeister Roland nun vom Bürgerforum treiben zu lassen. Der Vergleich mit Oberau hinkt und ist sehr politisch“, formulieren die beiden CDU-Politiker mit Blick auf den Brief von Roland an Dobrindt.

In Bayern werde der Tunnelbau schon seit über 40 Jahren vorangetrieben. Dort sei man sich offenbar auch schon lange sehr einig in dieser Frage. Es helfe nicht weiter, nun völlig verschiedene Orte gegeneinander auszuspielen. Rademacher und Enxing unterstreichen: „Auch in Gladbeck könnten wir schon weiter sein. Nun gilt es, als TEAM (!) nach Berlin zu fahren und die ausgestreckte Hand des Bundes zu ergreifen, um das Beste für Gladbeck zu erreichen. Hierzu ist vorab eine intensive Kommunikation seitens des Bürgermeisters mit allen Eingeladenen nötig. Die bisher erfolgreiche neue Initiative unseres Bundestagsabgeordneten Sven Volmering darf nicht gefährdet werden!“

 
 

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