Zu Besuch an Schalker Gräbern in Gelsenkirchen

Olivier Kruschinski (links) leitete die Tour mit dem Titel „Die Gräber der Götter“, hier gerade auf dem Altstadt-Friedhof. Er referierte an den Ruhestätten ehemaliger Schalker über die Geschichte des Stadtteils und des Vereins.
Olivier Kruschinski (links) leitete die Tour mit dem Titel „Die Gräber der Götter“, hier gerade auf dem Altstadt-Friedhof. Er referierte an den Ruhestätten ehemaliger Schalker über die Geschichte des Stadtteils und des Vereins.
Foto: Michael Korte
Eine Mythos-Tour der besonderen Art: Fan und Veranstalter Olivier Kruschinski führte eine Gruppe zu den letzten Ruhestätten legendärer S04-Spieler.

Gelsenkirchen..  Um die Gegenwart zu verstehen, muss man die Vergangenheit kennen. Getreu diesem Motto haben 20 Teilnehmer eine ganz besondere „Mythos-Tour“ rund um Spieler und Legenden des FC Schalke 04 erlebt: „Die Gräber der Götter“ lautet der Titel der Führung von Macher und Vollblutfan Olivier Kruschinski (Oli4) am Sonntag. Ziel waren die letzten Ruhestätten derer, die Schalke und damit den Mythos der Knappen nachhaltig geprägt haben.

Start der gut vierstündigen Tour war das Quartiersbüro auf der Schalker Meile. Mit einem extra gemieteten Bus ging die Reise zunächst zum Altstadtfriedhof. Dort folgten die Besucher – manche hatten eigens ein Schalke-Trikot angezogen als Zeichen ihrer tiefen Verbundenheit – auf kleinen Schotterwegen Tourleiter Olivier Kruschinski. Dieser hatte jede Menge zu erzählen: Anekdoten über die verstorbenen und noch lebenden Spieler, über den früheren Arbeiter- und heutigen, international agierenden Profi-Verein, Auszüge aus der bewegten Geschichte Gelsenkirchens, den Bergbau und die Ströme von Zuwanderern, die auf der Suche nach Arbeit in die ehemalige Stadt der 1000 Feuer kamen. Auch persönliche Erlebnisse im Zusammenhang mit Schalke sprach er an. Drei Legenden des Fußballvereins standen an diesem Tag besonders im Mittelpunkt: „Stan“ Libuda (geboren am 10. Oktober), Rolf Rüssmann (geboren am 13. Oktober) und Ernst Kuzorra (geboren am 16. Oktober). Alle hätten gerade Geburtstag gehabt. Weiße Rosen und kleine Blumensträuße legten die Teilnehmer auf die Gräber . „Dadurch, dass wir sie nicht aus unseren Köpfen streichen und vergessen, leben sie weiter“, sagte der Herzblut-Schalker Olivier Kruschinski, nachdem sich die Fußballfans um ein Grab versammelt hatten. Er betonte: „Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen.“

Schalker Kurve als sozialer Kit

Hanne Büscher war für die Tour und die „Gedenkfeier“ von Ernst Kuzorra „90 Minuten – ein Abend unter Schalkern“ aus Gladbeck angereist. Sie sagte: „Ich gehe gerne auf Friedhöfe. Ich finde es wichtig, die Geschichte zu kennen.“

Eine weitere Station war der Ostfriedhof in Bulmke-Hüllen. Selbst den Personen, die normalerweise nicht viel Zeit auf Friedhöfen verbringen, schien die großzügig bepflanzte Anlage zu gefallen. Der Tourguide wies darauf hin: „Die Bestattungsmethoden ändern sich. Einäscherung oder anderweitig kulturelle Beerdigungen gibt es immer häufiger, Grabflächen werden leer.“ Und damit die Anlage grüner.

Auch die letzte Ruhestätte der Familie Schalke war eine Station der Götter-Tour. „Viele wissen gar nicht, dass der Stadtteil nach einer Familie benannt ist“, so Olivier Kruschinski. Gerade im Zusammenhang mit dem Thema Zuwanderung erwähnte er immer wieder, dass Fußball ein „sozialer Kitt“ sei. „Schalke ist typisch für den Zusammenhalt. In der Kurve sind alle gleich, egal aus welchem Land sie stammen, ob jung, alt, groß oder klein.“

Eher spätsommerlich denn herbstlich präsentierte sich passend zum Anlass auch das Wetter. Angenehm warm schien die Sonne auf die Erde hinab. „Selbst der Himmel ist heute Königsblau“, stellte eine Teilnehmerin freudig fest. Und Schalkefan Achim Rettler ergänzte: „Ich arbeitete selbst 15 Jahre lang bei Schalke. Rolf Rüssmann und Charly Neumann kannte ich dadurch persönlich. Viele Menschen kenne ich eigentlich nur durch Schalke.“ Der 47-Jährige fasste die Mythos -Tour knapp aber treffend zusammen: „Informativ, berührend und beeindruckend.“

 
 

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