Zahme Raubkatzen und mutige Artisten im Gelsenkirchener Weihnachtscircus

Nicolas Westerholt
Sie ist wieder da: Stephanie Probst feierte nach zweijähriger Abwesenheit ihr Comeback mit einer furiosen Pferdenummer.
Sie ist wieder da: Stephanie Probst feierte nach zweijähriger Abwesenheit ihr Comeback mit einer furiosen Pferdenummer.
Foto: Funke Foto Services
Die Premiere des 19. Gelsenkirchener Weihnachtscircus im Revierpark sorgte bei den Zuschauern für Begeisterung. Rückkehrerin Probst: „Weihnachten und Gelsenkirchen gehören für mich zusammen.“

Gelsenkirchen. „Endlich bin ich wieder zu Hause“, sagte Stephanie Probst nach der Premierenvorstellung des 19. Gelsenkirchener Weihnachtscircus am Donnerstagabend. „Zu Hause in Gelsenkirchen und in der Manege.“

Zwei Jahre lang hatte die 28-Jährige zuletzt gefehlt. „Die Leute waren enttäuscht, dass sie nicht mehr dabei war“, berichtet Circus-Sprecher Sven Rindfleisch. Und auch Probst hatte den Weihnachtscircus vermisst. „Weihnachten und Gelsenkirchen, das gehört für mich einfach zusammen.“

Ihr Auftritt fiel furios aus. Zeitweise tobte sie mit sieben Pferden und drei Dromedaren durch die Manege, in einer anderen Nummer lenkte sie auf dem Rücken zweier Pferde stehend am langen Zügel ein Gespann von bis zu acht Pferden.

Später zeigte Dresseur Tomas Ringel, dass er sechs ausgewachsene Löwen komplett im Griff hat. Die Raubkatzen zeigten zwar schon mal ihre Zähne oder fauchten ihn an, präsentierten sich aber insgesamt sehr verschmust. Zum Ende seiner Nummer legte der wagemutige Ringel eins der 150 Kilogramm schweren Tiere wie einen Schal um seinen Hals.

„Von Herzen begeistert“

„Ich bin von Herzen begeistert“, sagte Elke Schneider, die extra mit ihrer Enkeltochter Jaqueline aus Willich angereist war. „Es ist einfach faszinierend, was der Circus heute geboten hat.“

Regelrecht zum Kreischen brachte die Premierenbesucher das Artistenduo „Los Ortiz“. Auf dem sogenannten „Todesrad“ – zwei sich immer schneller drehenden Laufkesseln – zeigten sie halsbrecherische Stunts. Immer, wenn man dachte, gefährlicher geht’s jetzt nicht mehr, legten die Kolumbianer noch einen drauf. Als einer der beiden auf seinen Kessel stieg und bei voller Fahrt Seilchen zu springen begann, jaulte das Publikum auf, als der junge Mann mehrere Meter im freien Fall verbrachte. „Da stockte einem fast das Herz“, sagte Frank May, der mit seiner Frau, seinen beiden Kindern und deren Großeltern da war. Unmittelbar nach der Vorstellung hat er den Circus mittels eines Smartphone-Messengers mehreren Freunden weiterempfohlen. „Es war bombastisch, einfach ein Mordsspaß“, fasste May seinen Eindruck des Abends zusammen.

Auch auf dem Hochseil konnte das kolumbianische Duo bei seinem zweiten Auftritt glänzen. Zu lateinamerikanischen Klängen tanzten sie leichtfüßig auf dem dünnen Seil, als wäre es das Parkett einer Tanzbar. „Die Sache mit dem Todesrad ist schon eine riskante Nummer“, erklärte Sprecher Sven Rindfleisch, „aber die Nummer auf dem Seil ist auch nicht ohne.“ Bedenken hat Rindfleisch dabei keine: „Die beiden wissen, was sie tun.“

Dafür, dass im sehr gut gefüllten Zelt während der Umbauarbeiten zwischen den Nummern keine Langeweile aufkam, sorgten die Clowns der Stoilarov Family. Vor allem bei den vielen Kindern unter den fast 1200 Zuschauern sorgten sie mit ihrem Klamauk für Begeisterung.

Weitere Höhepunkte des über zweistündigen Programms: Eine große Vogelshow mit Tauben, Hühnern, einem Kakadu und einem Truthahn. Außerdem sorgen bei dieser Nummer noch ein Fuchs, drei Katzen und zwei Hunde für viel Gewusel in der Manege. Später zeigt Dresseur Jochen Träger noch laufende Gänse und dressierte Schweine.

„Die Vorstellung war sensationell, einfach perfekt“, strahlte Annika Hörne am Ende des Abends. Die Tierfreundin lobt den Circus Probst vor allem auch für seine Tierhaltung. „Bei Nummern mit Tieren bin ich immer sehr skeptisch“, sagte Hörne, „aber hier sieht man, dass es den Tieren gut geht.