Wo die Energie künftig herkommt

Friedhelm Pothoff
Die Gelsenwasser AG ist noch im Spiel, wenn es um die künftige Energieversorgung der Stadt Gelsenkirchen geht. Foto: Martin Möller
Die Gelsenwasser AG ist noch im Spiel, wenn es um die künftige Energieversorgung der Stadt Gelsenkirchen geht. Foto: Martin Möller
Foto: WAZ FotoPool

Gelsenkirchen. Im besten Beamtendeutsch steht zu lesen: „Neuordnung der Energieversorgung. Grundsatzentscheidung über ein künftiges Engagement der Stadt Gelsenkirchen im Bereich der Versorgungswirtschaft (1. Lesung).“ Stadtwerke oder nicht, lautet die auf Schlichtheit reduzierte Frage, mit der sich der Rat am Donnerstag, 5. Juli, ab 15 Uhr in seiner Sitzung an der Emscher-straße beschäftigen wird – im nichtöffentlichen Teil.

Zwei Modelle wurden zuletzt gehandelt und in einem Lenkungskreis diskutiert. Da wäre ein ähnliches Abkommen wie es aktuell besteht, also mit der ELE und im Verbund mit Bottrop und Gladbeck. Dabei, so heißt es, sollen die Anteile der Städte (derzeit jeweils 7 Prozent) bis auf 49 Prozent erhöht werden, doch die entscheidende Mehrheit behält sich RWE als der energieversorgende Partner vor. Die Erhöhung selbst wäre also am Ende fast nicht mehr als ein Schönheitsfleck für das Unternehmen, das in entscheidenden wirtschaftlichen Fragestellungen die Hoheit behalten könnte.

Weniger Pacht als bisher

Auch klar scheint dies: Das Energieunternehmen zahlt künftig nicht mehr die 15,01 Millionen Euro an die GEW, die Gesellschaft für Energie und Wirtschaft, die eine hundertprozentige Tochter der Stadt Gelsenkirchen ist und der das lokale Energienetz gehört. Das Delta, die Finanzlücke, wird offiziell in der Politik nicht kommentiert, soll aber dem Vernehmen nach durchaus zwei bis drei Millionen Euro erreichen können. Das, so ist weiter zu hören, sei schon ein politisch motiviertes Angebot der RWE, um im Geschäft zu bleiben und das nach außen dokumentieren zu können. Im betriebswirtschaftlichen Alltag würde sie einen solchen Betrag nicht bezahlen. Nur so ist es zu erklären, dass außer RWE und der Gelsenwasser AG alle anderen (auch angefragten).

Damit kommt die Gelsenwasser AG ins Spiel. Sie wirft ihren Hut aus einer ähnlichen Motivlage wie RWE in den Ring. Als Versorger und Partner der Stadt wäre es ein außerordentliches Referenzprojekt, mit dem man an anderen Stellen werben könnte. Wäre das nicht so, würde auch das Unternehmen mit Hauptsitz in Gelsenkirchen kein Angebot in der Höhe von gut 12 bis 13 Millionen Euro diskutieren.

GEW ist nicht gefährdet

Wie die Verhandlungen enden werden: Die Stadt wird nicht mehr einnehmen, was sie bisher erhielt – und das wird sie zu spüren bekommen. Das Überleben der GEW, sagte SPD-Fraktionschef Dr. Klaus Haertel unlängst, sei nicht gefährdet, und er meinte das durchaus positiv. Was er in dem Zusammenhang nicht ausdrücklich ansprach, sind die Einschnitte, die drohen. Denn die GEW ist der klassische Quersubventionierer. Die Bäderlandschaft (minus 7,58 Mio. Euro im Jahr 2011) ist nur haltbar, weil die Verpachtung des Energienetzes viel Geld in die Kasse spült. Sicherlich gibt es ein paar andere „schicke Töchter“ (Gelsen-Net, Gelsen-Log.), die Gewinne einfahren, doch das reicht nicht, um die Defizite auszugleichen. Denn neben der Bäderlandschaft (Ausnahme: das Sportparadies) macht auch „das“ Aushängeschild Zoom Erlebniswelt ein dickes Minus (in 2011 lag es bei 5,204 Mio. Euro).

Gewollte Freizeitangebote

Allerdings ist nicht anzunehmen, dass sich die Stadt von dieser Marke, von diesem positiven Imageträger trennen wird. Sie investiert ja sogar antizyklisch, um den Zoom aufzupeppen. Heißt: Sie baut die Asien-Welt aus, integriert ein Tigergehege, um noch mehr Menschen anzulocken. Das tun die Bäder nicht. Oder nur eines. Unter dem Strich diskutiert der Rat bei der Frage der zukünftigen Energieversorgung und -partnerschaft nicht nur über Ökostrom und Nachhaltigkeit, er redet direkt auch über die bisher politisch gewollten Freizeitangebote der Stadt.