Gelsenkirchen

„Wir hatten Angst um unser Leben“ – Jugendlicher wird in Gelsenkirchen vor den Augen seiner Freundin (18) von Männern verprügelt und verfolgt

Eine Gruppe junger Männer verfolgte ein Paar in Gelsenkirchen. (Symbolbild)
Eine Gruppe junger Männer verfolgte ein Paar in Gelsenkirchen. (Symbolbild)
Foto: 7aktuell.de | Marc Gruber / imago/7aktuell
  • Ein Paar in Gelsenkirchen wurde brutal angegriffen
  • Laura (18) musste mit ansehen, wie ihre Freund verprügelt wurde
  • Die Polizei hat die Angreifer noch nicht gefunden
  • Im Gespräch mit DER WESTEN erzählt sie, was genau passiert ist

Gelsenkirchen. Eine Woche ist seit dem brutalen Angriff auf ein Pärchen aus Gelsenkirchen vergangen. Doch die Wunden, die nach dem Angriff entstanden sind, sind noch lange nicht verheilt - sowohl die körperlichen, als auch die seelischen.

Das Paar hat seit dem Angriff Angst. Angst davor, dass die Täter nicht geschnappt werden und sie weiterhin nicht sicher sein können, dass die Hetzjagd wieder von vorne losgeht. Die beiden wurde von fünf Männern angegriffen und verfolgt. Bis sie es schafften, sich vor ihnen im Gebüsch zu verstecken.

Angreifer pöbeln Paar an: „Was guckst du so, hast du etwas gesagt?“

Passiert ist das am vergangenen Freitag, das Paar wartetet an der Haltestelle in Gelsenkirchen-Horst auf die U11. „Wir wollten abends nur nach Hause fahren.“ Doch wie Laura (Name von der Redaktion geändert) erzählt, suchten die Angreifer offenbar Streit. „Was guckst du so, hast du etwas gesagt?", habe einer der beiden auf Arabisch geschrien.

Angreifer kommt schnurstracks auf das Paar zu und schlägt dem Freund ins Gesicht

Lauras Freund ist aus Syrien geflohen, er versteht die Sprache und die unterschiedlichen Dialekte. Denn der 17-Jährige hat auf seiner Flucht aus Syrien ein Jahr in der Türkei gelebt, deswegen wisse er genau, dass die drei Typen auch türkisch gesprochen haben. Er antwortet den Männern auf arabisch: „Beruhigt euch.“

Laura und ihr Freund gehen schnell weiter und an den aggressiven Jugendlichen vorbei. Noch sind die pöbelnden jungen Männer zu viert. Dann bekommt Laura mit, dass einer der drei Männer telefoniert und wohl Verstärkung holt. Denn kurz darauf kommt ein weiterer Jugendlicher zur Haltestelle.

„Er kam schnurstracks auf uns zu und hat uns angeschrien: 'Ich ficke dein Land und Assad', hat er gerufen. Dann hat er ihm schon direkt mit der Faust ins Gesicht geschlagen“, erzählt Laura weiter. Dass ihr Freund aus Syrien stammt, hätten die Angreifer vielleicht anhand seines arabischen Dialekts erkannt, mutmaßt Laura.

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„Geh lieber weg, sonst kriegst du auch noch etwas ab“

„Geh lieber weg, sonst kriegst du auch noch etwas ab“, sagte der Angreifer zu Laura, die die Drohung ernst nahm. Schnell zückte sie ihr Handy und rief die Polizei. Sie sah noch wie ihr Freund mit dem Angreifer ein Stück um die Kurve ging. Dann sah sie, wie ihr Freund stolperte und zu Boden ging. „Mein Freund lag auf dem Boden und sie haben ihm bewusst gegen den Kopf getreten“, erzählt Laura, immer noch deutlich mitgenommen.

Dann habe ein Angreifer mitbekommen, dass sie mit der Polizei spreche. „Ich dachte, sie würden meinen Freund totschlagen, wenn ich nichts unternehme“, so die 18-Jährige. Ein Jugendlicher aus der Gruppe habe schon ein Messer gezogen. „Ich hatte Todesangst, wir hatten Angst um unser Leben“, sagt sie weiter.

Laura: „30 Zeugen haben uns nicht geholfen“

„An der Haltestelle standen 30 Zeugen, die uns alle nicht geholfen haben“, erzählt die 18-Jährige. Erst später habe sie von der Polizei erfahren, dass mehrere Notrufe bei ihr eingegangen seien.

Einer der Angreifer habe eine Maske bei sich getragen. „Eine Maske mit weißen Zacken-Zähnen“, erinnert sich Laura. Er müsse die Maske schon bei sich gehabt haben, denn urplötzlich sei er vermummt gewesen. Doch dann gelang es dem Paar gemeinsam die Flucht zu ergreifen. „Wir sind um unser Leben gerannt, die Typen riefen, dass sie uns kriegen werden - es war schrecklich.“

Laura und ihr Freund verstecken sich im Gebüsch

Die Angreifer verfolgten das Paar minutenlang. Es soll eine Hetzjagd gewesen sein. Dann versteckte sich Laura mit ihrem Freund im Gebüsch. Von dort aus telefonierte sie mit der Polizei. Nach Minuten habe die Polizei sie aus der Situation befreien können.

Ihr Freund habe nicht ins Krankenhaus gehen wollen. Obwohl er eine Beule im Gesicht und blaue Flecken davon getragen hat. „Er sah tagelang übel zugerichtet aus“, sagt Laura. „Er durchlebt das ganze immer wieder, schlafen können wir kaum noch und wir haben Alpträume“, erklärt Laura.

„Wir meiden die Haltestelle und fahren Umwege“

Momentan fühle sich die Situation schlimm an, weil die Polizei die Täter noch nicht schnappen konnte. „Wir meiden die Haltestelle, wir fahren Umwege und wenn ich abends später aus der Uni komme, lasse ich mich mit dem Auto abholen“, erklärt Laura.

Sie und ihr Freund hoffen sehr, dass die Täter bald gefunden werden.

 
 

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