Wie die Stadt Gelsenkirchen ihr Image aufpolieren will

Ulf Meinke
Mit mehr als 500 Großflächenplakaten hat Gelsenkirchen in 14 deutschen Städten Werbung in eigener Sache gemacht.
Mit mehr als 500 Großflächenplakaten hat Gelsenkirchen in 14 deutschen Städten Werbung in eigener Sache gemacht.
Foto: Stadt Gelsenkirchen
Für eine Image-Kampagne hat sich die finanzschwache Stadt Gelsenkirchen Hilfe von Unternehmen geholt. Das Projekt könnte Vorbildcharakter haben.

Gelsenkirchen/Essen. Es war ein betont selbstbewusster Auftritt. „An Gelsenkirchen kommt man in den 14 größten deutschen Städten in diesen Tagen nicht vorbei“, verkündete kürzlich die Pressestelle der Stadt. Mit mehr als 500 Großflächenplakaten wollte Gelsenkirchen bundesweit auf sich aufmerksam machen – in Berlin-Mitte, am Münchner Flughafen oder in den Innenstädten von Hamburg, Leipzig und Stuttgart zum Beispiel. Hinzu kamen Anzeigen in der überregionalen Wirtschaftspresse und eine Werbekampagne mit Hilfe großer Online-Medien.

Unterstützung hatte sich die notorisch finanzschwache Stadt aus dem Ruhrgebiet von Betrieben aus der Region geholt. Rund 470.000 Euro kostete die Kampagne, 150.000 Euro davon steuerte die private Wirtschaft bei. Beteiligt haben sich Unternehmen wie der Küchenhersteller Küppersbusch, die Großbäckerei Prünte, der Eiswaffel-Hersteller Oexmann, der Schlauch-Produzent Masterflex und der Verschlüsselungsspezialist Cryptovision. Auch der Fußballclub FC Schalke 04 machte mit.

„In Gelsenkirchen hat sich in den letzten Jahren unglaublich viel getan. Nur wissen das noch viel zu wenige“, sagt Wirtschaftsförderer Christopher Schmitt. „Hier sind eine ganze Reihe von wirtschaftlichen Erfolgsgeschichten zu Hause. Es war einfach an der Zeit, damit auch mal selbstbewusst und offensiv umzugehen.“ Der Titel der Kampagne ist entsprechend forsch: „Mit uns wird’s was.“

Gesprächsbereitschaft bei Deichmann, RWE und Thyssen-Krupp

Auch der Aral-Mutterkonzern BP Europa war mit von der Partie. In Gelsenkirchen befindet sich die bundesweit größte Raffinerie des Konzerns. Die gemeinsame Kampagne von Stadt und Unternehmen habe Vorbildcharakter für die Region, urteilt Stefanie Hansen, die Kommunikationschefin von BP Europa. „Dieser gemeinsame Ansatz war auch bei der Kulturhauptstadt Ruhr 2010 ein großer Erfolg, wenn auch leider nicht so nachhaltig, wie es wünschenswert gewesen wäre.“ Mit Blick auf eine neue gemeinsame Image-Kampagne für die Region haben mehrere große Unternehmen nun Gesprächsbereitschaft signalisiert – darunter Deichmann, Hochtief, Kötter, RWE und Thyssen-Krupp.

Tatsächlich arbeitet der Regionalverband Ruhr (RVR) an einer Standort-Kampagne. Unlängst kündigte der RVR an, für das Projekt eine Marktstudie in Auftrag zu geben. Ziel sei es, die Metropole Ruhr „national und international als bedeutenden und dynamischen Wirtschaftsstandort zu positionieren“, erklärte der RVR.

Haniel-Kommunikationschef zeigt sich skeptisch

Dietmar Bochert, Kommunikationschef des Duisburger Mischkonzerns Haniel, ist allerdings skeptisch. „Das große gemeinsame Potenzial des Ruhrgebiets als starke und größte Metropole Deutschlands lässt sich derzeit über eine Image-Kampagne nicht heben“, sagt er. Die mehr als 50 Städte und Gemeinden der Region sollten sich vor allem auf gemeinsame Ziele einigen: einheitliche Gewerbesteuersätze, abgestimmte Förderinitiativen und Infrastrukturprojekte, einen echten Nahverkehrsverbund und eine vernetzte Arbeitsvermittlung. Damit könne dann „im Schulterschluss für ein starkes Ruhrgebiet“ geworben werden.

Beim Essener Baukonzern Hochtief ist man grundsätzlich offen für eine Image-Kampagne. „Hier schlägt nicht nur das Herz des Fußballs. Leider hat sich das von Kiel bis München noch nicht überall herumgesprochen“, betont ein Hochtief-Sprecher. „Hier könnte auch eine Image-Kampagne helfen.“ Noch mehr als reine Werbung benötige das Ruhrgebiet aber finanzielle Unterstützung, wie sie die ostdeutschen Bundesländer viele Jahre erhalten haben.