Wie die Schachtzeichen Menschen verbinden

Patrick Schleu und Melanie Meyer
Foto: WAZ Fotopool

Gelsenkirchen.  Das Projekt Schachtzeichen ist keineswegs weit entfernt vom Bürger. Im Gegenteil. Hunderte Gelsenkirchener beteiligten und beteiligen sich nämlich aktiv an der Aktion.

Die Veranstaltungen zur Kulturhauptstadt sind abgehoben? Für die Aktion Schachtzeichen, einem der Leitprojekte von Ruhr.2010, gilt das uneingeschränkt.

Nicht, dass es zu Verwechslungen kommt: Das Projekt ist keineswegs weit entfernt vom Bürger. Im Gegenteil. Viele hunderte Gelsenkirchener beteiligten und beteiligen sich nämlich aktiv an der Aktion. Und viele Tausende wollten am Samstag beim Auflassen der 25 Ballons, die an ehemalige Bergbauschächte erinnern, um Punkt 12 Uhr live dabei sein. Abgehoben waren am Ende nur die gelben Ballons in 80 Metern Höhe.

Ich bin überzeugte Gelsenkirchenerin und musste nicht lange überlegen, als ich gefragt wurde, ob ich beim Schachtzeichen mitmache“, so Doris Eichert-Eck. Die 51-jährige sorgte mit ihrer Trommelgruppe „Banda Peso Pelodum“ am Samstag für Stimmung rund um den Melanchthonplatz in Heßler. Gleichzeitig ist sie eine von vielen „Ballon-Paten“ , die sich um die Sicherheit der Heliumkugeln kümmern. Die Ballons werden überall dort, wo sie nicht eingezäunt sind, nachts eingeholt und festgebunden. Alle Paten haben eine Schulung hinter sich und sind mit der Rufnummer der Deutschen Flugsicherung ausgestattet. Sollte sich ein Ballon lösen, muss die Flugsicherung direkt informiert werden. Der Ernstfall trat nicht ein, gemeinsam mit über 200 Nachbarn aus Heßler wurde die gelbe Kugel nach dem Aufblasen zum eigentlichen Bestimmungsort in die Wohnsiedlung „Große Hauwe“ getragen, um dort an den Schacht Wilhelmine-Victoria 2/3 zu erinnern. An dem bunten Umzug beteiligten Schulen, Kindergärten und Vereine.

Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“ - um kurz vor 12 Uhr besingen die Menschen an der Magdeburger Straße den Aufstieg des Ballons, der den Schacht Consol 2/7 markiert, mit Reinhard Mey. Bei Flamenco, orientalischen Tänzen und Live-Musik feiern die Besucher sich und ihren Stadtteil. „Ganz viele Einrichtungen aus Schalke machen mit“, so Nina Schadt von der Arbeiterwohlfahrt.

Auf dem Gelände rund um den ehemaligen Schacht Bismarck 1/4 an der Uechtingstraße hat der Tagesstättenverband des Sozialwerks St. Georg nach dem Aufstieg des Ballons zu einem großen Kunst- und Trödelmarkt eingeladen. Wo früher bis zu 10 000 Bergleute das Grubengold zu Tage förderten, kümmert sich das Sozialwerk heute um Menschen mit Behinderungen. „Uns ist wichtig, dass die Menschen, die hier leben und arbeiten, über die Historie des Geländes informiert werden“, so Mitorganisatorin Doris Trimborn. Dazu gab es nicht nur Infotafeln, sondern auch Geschichten aus erster Hand. Karl-Heinz Galle, einer der letzte Bergleute auf Graf Bismarck, berichtet von seiner Arbeit und über die einzelnen Gebäude auf dem großen Areal.

Konkurrenz zu den Drachen

Das Bismarck-Schachtzeichen war vom Consol-Gelände aus direkt zu sehen. Neben Schacht 9 wurde hier der Ballon gehisst. Hoch oben konkurrierte er dann mit den Drachen des Drachenfestes. Zur Eröffnung sang man hier traditionell das Steigerlied und lud danach in das Bergbaumuseum in der alten Maschinenhalle ein. Dieses wird vom Initiativkreis Bergwerk Consolidation betreut.

Am Wissenschaftspark traten im Schatten des Ballons auf dem Dach des Gebäudes Kinder zum ersten „Rheinelbe-Schachthüpf-Wettbewerb“ an. Auf gelben Hüpfbällen mussten die Kinder einen Parcours in möglichst kurzer Zeit absolvieren. Zu gewinnen gab es wiederum die Hüpfballons. Letztere halten übrigens länger als die großen Ballons über den alten Schächten. Nur bis Sonntag erinnern die Schachtzeichen an vergangene Tage.