Wie der Gelsenkirchener Polizeihund Moses ausgebildet wird

Polizeihauptkommissar Christian Winter (38) übt mit dem angehenden Polizeihund Moses das Überwinden von Hindernissen.
Polizeihauptkommissar Christian Winter (38) übt mit dem angehenden Polizeihund Moses das Überwinden von Hindernissen.
Foto: Irene Stock
Moses soll ein Polizeihund werden. Dafür trainieren der zweijährige Malinois (belgische Schäferhundrasse) und sein Herrchen hart. Das Herrchen ist Polizeihauptkommissar Christian Winter (38). Die Redaktion begleitete das Duo an einem Trainingstag auf dem Gelände der Landesausbildungsstätte der Polizei in Schloss Holte-Stukenbrock.

Gelsenkirchen. „Person sichern hinter einem Schrank“, lautet der Befehl von Polizeihauptkommissar Christian Winter (38). Moses spurtet los (ist aber sicherheitshalber an einer 5m-Leine) und platziert sich laut bellend vor dem vermeintlichen „Täter“.

Als der einen Schritt nach vorne tut, springt der Hund hoch und verbeißt sich in den Armschutz des „Täters“. Noch ist das eine Übung. Im realen Einsatz wird Moses später so beispielsweise einen Einbrecher stellen, der sich versteckt hat.

Clicker bestätigt richtiges Verhalten

„Alles richtig gemacht“, lobt Ralf Kamp, Lehrtrainer im Diensthundewesen. Über einen Clicker, auf den der Hund konditioniert wurde, erhält Moses die Freigabe und verbeißt sich in die Jacke des „Täters“. Diese „Beute“ ist ein Eckpfeiler in der Ausbildung zum Schutzhund, erläutert Jörg Schunig, Trainer im Diensthundewesen. „Das Training des Hundes funktioniert nicht über Zwang oder Strafe, sondern über eine positive Bestätigung.“

Das Training findet auf dem Gelände der Landesausbildungsstätte der Polizei in Schloss Holte-Stukenbrock statt. Für Moses und sein „Herrchen“, Polizeihauptkommissar Christian Winter, beide aus Gelsenkirchen, ist heute Ausbildungstag 24. Kein besonderer Tag. Eher ein gewöhnlicher Arbeitstag für einen Vierbeiner, der zum Schutzhund ausgebildet wird. Die Ausbildung erstreckt sich über insgesamt 70 Werktage. Moses ist einer von fünf Hunden, die aktuell diese Ausbildung durchlaufen. Sie wird von den angehenden Hundeführern und den Hunden gemeinsam absolviert. So lernen sie einander kennen und werden ein zusammengeschweißtes Team.

Menschenschutz, Gehorsam und Nasenarbeit

Vor vier Wochen wurde Moses bei einem Pressetermin im Polizeipräsidium Gelsenkirchen vorgestellt. Inzwischen ist der Vierbeiner (2 Jahre) kompakter geworden, hat mehr Muskelmasse bekommen und wiegt 32,75 Kilo. Er habe sich nicht nur äußerlich verändert, er sei auch selbstbewusster geworden, sagt Winter. Wenn man Moses sieht, ist es kaum vorstellbar, dass er auch nur einer Fliege etwas zuleide tun könnte. Er ist verspielt, tobt mit seinem „Herrchen“ herum und lässt sich gerne kraulen. Lieblingsstellen? Überall.

Der Malinois (belgische Schäferhundrasse) zeigt, was er in Sachen Menschenschutz, Gehorsam und Nasenarbeit gelernt hat. Die Basisfähigkeiten eines Polizeihundes also. Auf Kommando überspringt er Hürden (Gehorsam), findet Dinge, die ein „Täter“ auf der Flucht weggeworfen hat (Nasenarbeit). Selbst lautes Geschrei in der Ferne irritiert den Hund nicht. Moses blickt konzentriert auf „Herrchen“. Wann geht’s los? „Er ist im Suchmodus“, weiß Winter. Zwischen den Übungen muss der Schäferhund stets eine Pause einlegen, damit sich das junge Tier nicht überanstrengt.

In den nächsten Tagen werden die Inhalte und Aufgaben für Moses schwieriger: Die Räumlichkeiten werden größer, die Einsatzzeiten länger, er trainiert im Dunkeln. „Der Hund wird an die Realität angepasst“, sagt Jörg Schunig.