Werkschau in Gelsenkirchen erinnert an Robert Baretti

Elisabeth Höving
Realisierten die Baretti-Schau:  Leane Schäfer (l., Leiterin des Kunstmuseums Gelsenkirchen,  und  Dr. Elisabeth Gedeon, die Tochter des Künstlers.
Realisierten die Baretti-Schau: Leane Schäfer (l., Leiterin des Kunstmuseums Gelsenkirchen, und Dr. Elisabeth Gedeon, die Tochter des Künstlers.
Foto: Martin Möller / Funke Foto Serv
Robert Baretti hat ein breit gefächertes Werk hinterlassen. In der Sparkasse erinnert eine Ausstellung zum 100. Geburtstag an den 2012 gestorbenen Künstler.

Gelsenkirchen. Zu seinen Lebzeiten ein renommierter und viel beachteter Künstler, geriet Robert Baretti nach seinem Tod 2012 in der Kunstszene ein wenig in Vergessenheit. Den Fokus auf das umfangreiche und überaus facettenreiche Oeuvre richtet nun die Sparkasse Gelsenkirchen, die dem Maler zum 100. Geburtstag mit weit über 70 Arbeiten eine Retrospektive widmet.

Der Mensch und die Natur standen zeitlebens im Zentrum des Schaffes des Künstlers und Kunstpädagogen, allerdings in stets wechselnden Stilen, Formen und Formaten. Szenen, mal in hellem, lebensfrohen Licht, mal düster, melancholisch, zeitkritisch.

Zustande kam die von Museumschefin Leane Schäfer begleitete Werkschau durch die Tochter des 1915 in Buer geborenen Künstlers. Dr. Elisabeth Gedeon, Verwalterin des über 1200 Arbeiten umfassenden Nachlasses, konzipierte bereits im letzten Jahr eine Retrospektive am Bodensee, dem Alterssitz Robert Barettis.

Nun also die Heimatstadt, „die mein Vater nie vergessen hat“, wie die Tochter, selbst Fotografin, betont. Noch bis kurz vor seinem Tod war Baretti Mitglied im Bund Gelsenkirchener Künstler. Geboren in Buer begann er früh mit beachtlicher Sicherheit zu zeichnen. Davon zeugen in der Ausstellung erstaunlich reife Arbeiten des 15-Jährigen. Akademiejahre an der Kunstakademie Düsseldorf und der Berliner Hochschule sind dem akademisch-klassischen Motiv- und Stilkanon verpflichtet. Die dunklen Jahre während des Naziterrors bremsten auch diesen Künstler aus, die Werke nach dem Krieg zeichnete eine schwermütige Dunkelheit aus. Als metaphorisch-zeitkritischer Kommentar auf dem Krieg liest sich die Serie „Unter dem Kreuz“, aus der Beispiele in der Ausstellung zu sehen sind.

Die Ausstellung spannt den Bogen bis zum Spätwerk 2005

Den Weg der jungen Avantgarde nach dem Krieg Richtung Abstraktion wollte Baretti zunächst mitgehen, schloss sich der Recklinghäuser Künstlergruppe „junger westen“ an und erkannte bald: Das ist nicht mein Weg. Baretti blieb weitgehend gegenständlich, aber experimentierfreudig. Seine Arbeiten dokumentieren Einflüsse des deutschen Expressionismus, der Kubismus zeigt seine Auswirkungen ebenso wie die zahlreichen Reisen in das flirrende Licht des Südens.

Die Ausstellung spannt mit ihren Zeichnungen, Ölgemälden, Linolschnitten, Aquarellen und Hinterglasbildern den Bogen über alle Schaffensphasen Robert Barettis bis zum Spätwerk 2005, als die Arbeiten dann doch zunehmend reduzierter, abstrakter gerieten.

Kriegstraumata, Krankheiten, der Tod seiner Frau: „Nein, ein einfaches Leben hatte er nicht, mein Vater, aber ein reiches und erfülltes“, schreibt Tochter Elisabeth Gedeon im Ausstellungskatalog. Ein „Leben im Licht der Farbe“.

Die Ausstellung ist bis zum 27. November in der Sparkasse am Neumarkt zu sehen.