Gelsenkirchen

Gelsenkirchen: Warum Ückendorf nicht das neue Berlin-Kreuzberg ist

Im Pott hasse nun mal auch die besten Kneipen, Liebelein! Im Jägerhof in Ückendorf lernst du bestimmt immer jemanden kennen.
Im Pott hasse nun mal auch die besten Kneipen, Liebelein! Im Jägerhof in Ückendorf lernst du bestimmt immer jemanden kennen.
Foto: Jana Gilfert

Ückendorf ist einer der Problemstadtteile Gelsenkirchens

Finanzielle Förderungen und ein junges Künstler- und Studentenkollektiv nutzen die Leerstände

Ein Viertel im Umbruch - aber nicht das neue Berlin-Kreuzberg

Gelsenkirchen. „Ückendorf ist tot“, sagen Nadine (25) und Clara (25). Und das aus dem Mund von zwei Gelsenkirchenerinnen. Sie sind sich einig: Es gibt keinen Grund, nach Gelsenkirchen-Ückendorf zu ziehen. Buer wäre noch hip, Ückendorf nicht.

Der Künstler Roman Pilgrim (31) ist da ganz anderer Meinung: „Gelsenkirchen-Ückendorf ist ein lebendiges Kreativ.Quartier mit Zukunft.“

No-Go Area oder hippes Szeneviertel? Vom Ghetto bis zur Galerie

Doch nicht nur die Gelsenkirchener sind da geteilter Meinung – auch die öffentliche Meinung ist gespalten: Entweder ist Ückendorf eine No-Go Area, in der du ausgeraubt wirst oder es ist das neue Berlin-Kreuzberg.

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Ückensdorfs traurige Außenfassade

Die Probleme des Stadtteils sind erst unübersehbar: Leerstehende Ladenlokale und Häuser, deren barocke Außenfassaden nur noch an die prunkvolle Vergangenheit erinnern.

Hier leben Menschen aus 35 verschiedenen Nationen – viele davon in einer schwierigen sozialen Lage. Schlagzeilen über Polizei-Razzien und eine hohe Arbeitslosenquote helfen dem Image Ückendorfs nicht.

Leerstehende Bruchbuden oder Lebens(t)raum?

Doch hinter der heruntergekommen Fassade verstecken sich verborgende Möglichkeiten. Ückendorf ist zentral in Bahnhofsnähe gelegen. Der Wissenschaftspark in direkter Nachbarschaft schafft Raum für Start-Ups.

Und die Leerstände bieten Platz für Ideen. Künstler aus der ganzen Welt haben sich hier schon vor Jahren niedergelassen.

Roman sowie andere Kreative organisieren sich aber darüber hinaus. Der Verein Insane Urban Cowboys hat zum Beispiel in dem ehemaligen Stadttheater „Exodus“ auf der Bochumer Straße eine Party mit dem ironischen Namen #NoGoArea veranstaltet.

Auch die bäuerliche Künstlersiedlung Halfsmannshof ist ein Anlaufpunkt für Künstler – mitten in der Stadt.

50 Millionen Euro für Ückendorf

Das Land NRW glaubt an Ückendorf. Seit der Initiative von RUHR.2010/ecce wird das Viertel gefördert. Nordrhein-Westfalen unterstützt das Kreativ.Quartier. Bis 2025 werden hier 50 Millionen Euro investiert.

Das meiste fließt in die Bochumer Straße. Das Justizzentrum wurde neu errichtet, der Carl-Mosters-Park wird neu gestaltet, die Nahversorgung wird ausgebaut und der Neubau einer Kindertagesstätte ist geplant.

Ückendorf ist Ückendorf – und das ist auch gut so!

Ückendorf ist nicht Berlin-Kreuzberg, denn Biolimo schlürfende Hipster in veganen Trendcafés findest du hier nicht. Aber bestimmt auch kein Ghetto. Sondern ein spannendes Viertel im Umbruch.

Hier verschmelzen Welten: Der hippe Künstler lebt neben der rumänischen Großfamilie – zu erschwinglichen Mieten. Und das soll auch so bleiben. Wer will schon wie Berlin sein? Genau, wir nicht!

 
 

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