Vorzeigeprojekt Kanaluferpark in Gelsenkirchen eingeweiht

Auf einer ehemaligen Industriebrache wächst das neue Stadtquartier Graf Bismarck in unmittelbarer Nähe zum Rhein-Herne Kanal heran. Zahlreiche Baukräne zeugen von den bauaktivitäten. Erste Häuser sind bezogen.
Auf einer ehemaligen Industriebrache wächst das neue Stadtquartier Graf Bismarck in unmittelbarer Nähe zum Rhein-Herne Kanal heran. Zahlreiche Baukräne zeugen von den bauaktivitäten. Erste Häuser sind bezogen.
Foto: WAZ FotoPool
Im neuen Quartier Graf Bismarck stehen die ersten Häuser. NRW.Urban präsentierte das Terrain jetzt der „Allianz für die Fläche“ und weihte gleichzeitig den Kanaluferpark ein.

Gelsenkirchen.. Noch kahle Spitzahorn-Bäume flankieren die Straße in dichtem Abstand. Die Pflanzlöcher sind frisch. In ein paar Jahren wird die Johannes-Rau-Allee im lichten Schatten liegen. Als Hauptachse durch das künftige Wohn- und Gewerbeviertel Graf Bismarck wurde sie angelegt.

Noch für längere Zeit endet die Allee in einer Bau-Brache. Kräne drehen sich über Rohbauten. Pioniere im Neuland haben ihre Grundstücke eingefriedet, Gartenmöbel und Grill aufgestellt. Dienstag treibt der kalte Wind rundum Baustaub über den Asphalt – das künftige Wohn- und Gewerbequartier ist Aufbaugebiet. Und Feierort.

Zwischen Rhein-Herne-Kanal und Hafenbecken steht ein Festzelt auf Schottergrund. NRW Urban eröffnet mit der Stadt und 30, 40 Gästen offiziell den Kanaluferpark. Zwei Staatssekretäre und eine Delegation der „Allianz für die Fläche“, Dienstag gemeinsam im Bus auf Info-Tour durchs Land, sind zum Start vorgefahren. Graf Bismarck ist schließlich Vorzeigefläche, ein beispielhafter Projektstandort. Wie sich wiederaufbereitete, alte Industriezone in ein neues, attraktives Quartier wandelt, wird hier exemplarisch zu sehen sein.

Verhandlungen laufen

Lang hat es gedauert bis zu diesem Tag, der Bürgermeisterin Gabriele Preuß genauso freut „wie der gesamte Prozess“. Von 1936 bis 1979 war die 88 Hektar große Fläche Kraftwerksstandort. In den 1990ern wurden hochtrabende Pläne für eine „World-Trade-Center-Dependance“ geschmiedet. Doch letztlich, stellt NRW-Wirtschafts-Staatssekretär Dr. Günter Horzetzky fest, habe sich 21 Jahre lang nichts getan – bis erst die LEG und in der Folge NRW.Urban ins Spiel kamen. Seit 2001 wird das Gelände entwickelt, 2008 begann die Erschließung, seit 2010 läuft die Vermarktung.

Mit Erfolg, wie Dr. Rolf Heyer, Geschäftsführer von NRW.Urban aufzählt. Von den im ersten Bauabschnitt vermarktbaren 80 Grundstücken für Einfamilienhäuser sind 26 verkauft, auf rund 20 Grundstücken wird gebaut, einige Häuser sind bereits fertig. Weitere sieben sind im Baugenehmigungsverfahren, für weitere 35 läuft die konkrete Planung. Grund für Doppelhaushälften, freistehende Einfamilienhäuser und zwei Bungalows ist in der aktuellen Phase noch zu verkaufen. Auch für zwei Gewerbegrundstücke laufen Verhandlungen. Eine Besonderheit: Das Quartier soll laut Heyer „weitgehend ohne fremde Energie auskommen.“

1,1 Millionen Euro wurden bislang investiert

1,1 Mio Euro wurden bislang in die Erschließung investiert. Realisiert wurden Straßenverläufe, geschaffen wurde eine 250 Meter lange Stufenanlage und 400 Quadratmeter rote Klinkermauer, gepflanzt wurden 93 Bäume, angeknüpft wurde das Terrain ans Radwegenetz. In Kürze bekommt die Hafenmauer zudem noch eine neue Spundwand verpasst.

„Erfahrungsgemäß werden über 30 Gewerbebetriebe mit 700 Arbeitsplätzen und rund 500 Wohneinheiten auf solch einer Fläche entstehen“, glaubt Horzetzky und ist sicher: „Es wird neues, modernes städtisches Leben einkehren.“ Insgesamt 116.000 Quadratmeter für Gewerbe und 113.000 Quadratmeter für die Wohn-Nutzung bietet Graf Bismarck. Übrig bleiben 60 % Freiflächen. Viel – und ganz im Sinne der städtischen Wirtschaftsförderung: „Wir haben schon einen recht grünen Standort produziert.“

Täglich werden in NRW 15 Hektar Fläche verbraucht

In der „Allianz für die Fläche“ wirken seit sechs Jahren Ministerien, Bezirksregierungen, Institutionen und Verbände mit. Ziel ist, bei Entscheidungsträgern das Bewusstsein für Flächenverbrauch zu schärfen. „Fläche ist kein Gut, dass wir vermehren können“, so Umwelt-Staatssekretär Udo Paschedag. Täglich werden in NRW 15 Hektar bebaut, versiegelt, verbraucht. „Deutlich zu viel. Wir wollen auf 5 Hektar kommen.“

 
 

EURE FAVORITEN