Von wegen politisch uninteressierte Gelsenkirchener Jugend

Etwa 130 Jugendliche diskutierten in Form von „Speeddating“ mit den Gelsenkirchener OB-Kandidaten.
Etwa 130 Jugendliche diskutierten in Form von „Speeddating“ mit den Gelsenkirchener OB-Kandidaten.
Foto: WAZ FotoPool
Junge Menschen kommunalpolitisch zu aktivieren, das hat sich der Jugendring Gelsenkirchen zur Aufgabe gemacht. Bereits zum siebten Mal bot er beim Politbistro Heranwachsenden die Möglichkeit, im Austausch mit Politikern ihnen wichtige Themen zu diskutieren. Etwa 130 kamen zum Austausch auf Augenhöhe vorbei.

Gelsenkirchen..  Junge Menschen kommunalpolitisch zu aktivieren, das hat sich der Jugendring Gelsenkirchen zur Aufgabe gemacht. Bereits zum siebten Mal bot er beim Politbistro Heranwachsenden die Möglichkeit, im Austausch mit Politikern ihnen wichtige Themen zu diskutieren. Mit dabei: fünf der Oberbürgermeisterkandidaten – Frank Baranowski, SPD; Werner Wöll, CDU; Ingrid Wüllscheidt, Grüne; Ingrid Remmers, Linke, und Jürgen Hansen, Piraten, sowie der Ratskandidat Christoph Klug von der FDP.

Kurz, knackig und laut

Vorab: Wer behauptet, das junge Gelsenkirchener politisch uninteressiert seien, der war am Donnerstag im Fritz-Steinhoff-Haus nicht dabei. In den, von den Falken gestellten, Raum quetschten sich an die 130 junge Leute zwischen elf und 27 Jahren.

An sechs Tischen wurde zu Themen aus dem jugendlichen Umfeld diskutiert: Jugendarbeit und Freizeit, Stadt-Umbau/-Erneuerung, Finanzen, Kultur/Sport, Schule/Studium/Ausbildung, Integration und Zuwanderung. Dort hatten die OB-Kandidaten immer zehn Minuten, um mit den Jugendlichen ihre Position zu diskutieren und Fragen zu beantworten. Zudem mussten sie drei kurze Statements zum jeweiligen Themenkomplex innerhalb von 30 Sekunden verfassen. So wie das beim Speeddating halt üblich ist – kurz und knackig.

Sowieso ging hier alles „zack-zack“. Die Vorstellungsrunde erfolgte nach dem Prinzip „Kurze Frage – kurze Antwort“: Die OB-Kandidaten beantworteten zum Beispiel, seit wann sie in der Partei sind, ob sie lieber „chillen“ oder Sport machen oder welchen Berufsabschluss sie haben.

Fragen über Fragen an die Politiker

Dann ging es los. Fragen über Fragen prasselten auf die Politiker nieder. Die wiederum hatten damit zu kämpfen, ihre Sachverhalte für alle verständlich zu formulieren. Positiv überraschte hier mit ihrer lockeren Art Ingrid Remmers. Neben Frank Baranowski, der von seinem Bekanntheitsgrad profitierte, zählte sie zu den Meistgefragten. Akustisch tat sich Werner Wöll schwer. Viele seiner Antworten gingen im Stimmengewirr unter.

Abschließend erfolgte die offene OB-Wahl – mit Klebepunkten an Stellwänden. Diese gewann Baranowski vor Remmers. Jedoch, und das betont die Jugendring-Vorsitzende Susanne Franke ginge es „hier nicht um das Wahlergebnis. Dieses ist vielmehr als Rückmeldung für die Politiker gedacht und deswegen auch öffentlich gehalten. Uns geht es vor allem darum, junge Menschen und Politiker zusammen zu bringen und ihnen einen gemeinsamen Rahmen zu bieten. Jugendliche sollen hier die Möglichkeit bekommen, Ideen und Kritik aus ihrem direkten Lebensumfeld zu äußern.“

Somit profitierten am Ende beide Seiten vom Politbistro. Die möglichen Oberbürgermeister, weil sie mit neuen Anregungen nach Hause gingen – wie sie alle in der Abschlussrunde beim 30-Sekunden-Fazit bekundeten – und die Jugendlichen, weil sie wie Lisa-Marie Kapschinski (17, Schülerin) nun sicherer sind, „wen ich nächste Woche Sonntag wählen werde. Ich habe heute die Möglichkeit genutzt, noch ein paar gezielte Fragen zu stellen und mich so zu vergewissern, dass ich auch die für mich richtige Wahl tätige.“

 
 

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