Vollrausch – kein Vergewaltigungsversuch im Badezimmer

Foto: Kerstin Kokoska
  • Sexuelle Anzüglichkeiten und Schläge am Ende einer fröhlichen Feier
  • Opfer und Täter hatten vorher noch gemeinsam Alkohol getrunken
  • Durch das Würgen fürchtete die Frau zeitweise um ihr Leben

Die Anklage hatte auf versuchte sexuelle Nötigung und gefährliche Körperverletzung gelautet. Doch zum Schluss war keine Rede mehr von einer Sexualtat. Die VII. Essener Strafkammer verurteilte den 49 Jahre alten Gelsenkirchener wegen vorsätzlichen Vollrausches zu sechs Monaten Haft mit Bewährung. Außerdem muss er 80 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Mit dem Urteil können beide Seiten offenbar gut leben. Staatsanwältin Katharina Küpper verzichtete auf Rechtsmittel, aber auch der Angeklagte und sein Verteidiger Heinz-Walter Lindemann akzeptierten die Entscheidung.

Der Angeklagte hatte im Prozess geschwiegen, auch zu seinem Lebenslauf wollte er nichts sagen. Zweieinhalb Monate hatte er im Frühjahr in Untersuchungshaft gesessen, bevor das Gericht ihn wieder frei ließ.

Laut Anklage hatte er am 13. Februar mit zwei Frauen gemeinsam in seiner Wohnung gefeiert, Alkohol floss reichlich, darunter Cognac. Irgendwann an diesem Abend macht er sich Hoffnungen auf eine der Frauen, versucht sie zu küssen und fängt sich eine Ohrfeige ein. Später, als die Frau gegen 22.30 Uhr zur Toilette geht, soll auf einmal der Angeklagte im Bad gestanden haben, nur noch mit einer Unterhose bekleidet. Die Aufmachung unterstreicht den Wunsch, den er äußert. Doch die Frau lehnt ab, sie will keinen Sex mit ihm.

Angeklagter schlief bei der Tat ein

Er beginnt sie zu schlagen. Sie schreit um Hilfe. Doch die andere Frau im Wohnzimmer hört die Rufe durch die geschlossene Tür bei lauter Musik nicht. Der Angeklagte soll weiter geschlagen und die Frau gewürgt und in den Oberarm gebissen haben. Als er auf ihr liegend einschläft, gelingt ihr die Flucht.

Das Opfer ist am Montag auch vor Gericht noch sichtlich bewegt von der Tat. Um ihr Leben habe sie gefürchtet, sagt die Frau, „Todesangst verspürt“.

Das Gericht hat wenig Möglichkeiten, alle Angaben nachzuprüfen. Die üblen Verletzungen am Körper der Frau unterstreichen ihre Angaben. Aber da gibt es auch die Aussage der Rettungssanitäter, die das wahre Ausmaß des Zechgelages deutlich machen: „Zuerst einmal mussten wir die Anwesenden wecken.“ Richter Nils Feldhaus, der das Urteil der Kammer begründet, verweist auch auf die 2,9 Promille, die der Angeklagte intus hatte.

 
 

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