Viele gut ausgebildete Frauen am Schrubber

Zum Tag der Gebäudereinigung ziehen sieben weibliche Mitglieder der IG BAU mit einer Pferdekutsche von der Trabrennbahn zum Büro des SPD-Unterbezirks.
Zum Tag der Gebäudereinigung ziehen sieben weibliche Mitglieder der IG BAU mit einer Pferdekutsche von der Trabrennbahn zum Büro des SPD-Unterbezirks.
Foto: Foto: Martin Möller / Funke Fot
An der Trabrennbahn wurde eine Pferdekutsche „aufgerüstet“ mit der verkleidete Reinigungsengel später durch die Stadt fuhren.

Gelsenkirchen. Nein, zaubern können sie nicht. Aber: Ja, sie haben Wünsche. Und die setzten gewerkschaftlich organisierte Reinigungskräfte der IG Bau Emscher-Lippe Aa um deren Vorsitzende Susanne Neumann jetzt öffentlichkeitswirksam in Szene: An der Trabrennbahn wurde eine Pferdekutsche „aufgerüstet“ mit der die verkleideten Reinigungsengel später durch die Stadt fuhren.

Turboputzen, Ketten-Verträge, 450-Euro-Status, befristete Arbeitsverträge – und das mit kaputten Knochen und drohender Altersarmut. Themen, die Susanne Neumann in Wallung bringen. Und damit die Frau, deren Wort seit ihrem legendären Auftritt mit SPD-Chef Siegmar Gabriel Gehör findet.

Apropos SPD: Mit Kutsche und etwa 15 Frauen im Gefolge ging es anlässlich des Tages der Gebäudereinigung auch zur Gelsenkirchener Parteizentrale an der Gabelsbergerstraße. Und dort entlockte Neumann der Parteichefin und Landtagsabgeordneten Heike Gebhard eine Zusage. „Heike Gebhard hat gesagt, sie setzt sich dafür ein, befristete Arbeitsverträge ohne Sachgrund abzuschaffen.“ Das sei doch mal ein Wort. In Zeiten, in denen Kolleginnen sogar unbezahlte Überstunden machten, um das wachsende Arbeitspensum zu schaffen. „Die Leute haben uns schon bemerkt“, schätzt Susanne Neumann die Wirkung der Gesamtaktion ein. Allerdings habe sie Gelsenkirchen noch nie so leer gesehen, wie bei diesem fürchterlichen Regen am Samstag. Aber: Das Grillgut beim geselligen Beisammensein an der Trabrennbahn schmeckte trotzdem.

Ursprung liegt im Jahr 1990

Der Internationale Tag der Gebäudereinigung geht auf das Jahr 1990 zurück. Amerikanische Reinigungskräfte hatten drei Wochen lang das Geschäftszentrum von Los Angeles (Century-City) bestreikt. Sie forderten Gerechtigkeit für ReinigerInnen. Am 15. Juni 1990 griffen Polizeikräfte eine Demonstration von rund 400 Menschen an. Etliche Reinigungskräfte und ihre Sympathisanten wurden dabei verletzt.

„Zwei schwangere Frauen haben durch Polizei-Schläge ihre Babys verloren“, sagt Neumann. Und das, weil sie für die Aufnahme in eine Krankenversicherung protestiert hatten. Der Streik wurde mit einer 25-prozentigen Gehaltserhöhung und der Einführung betrieblicher Krankenversicherungsleistungen beendet. Der 15. Juni wurde fortan als „Justice for Janitors Day“ begangen. Nach und nach wurde dieser Tag zum globalen Aktionstag. In Deutschland hat die IG Bau den 15. Juni „Tag der Gebäudereinigung“ genannt. Er wurde hier erstmals 2006 ausgerufen.

Immer dabei: Susanne Neumann und ihre aktiven Mädel. Darunter, sagt sie, „habe ich ganz viel gut ausgebildete Frauen am Schrubber“.