Verschuldeter MiR-Mitarbeiter bei RTL blamiert

Lars-Oliver Christoph
Das Musiktheater spielte in „Raus aus den Schulden“ eine Hauptrolle. RTL schilderte auf zweifelhafte Weise den Fall eines völlig überschuldeten MiR-Bühnenbauers.Foto: Martin Möller
Das Musiktheater spielte in „Raus aus den Schulden“ eine Hauptrolle. RTL schilderte auf zweifelhafte Weise den Fall eines völlig überschuldeten MiR-Bühnenbauers.Foto: Martin Möller
Foto: WAZ FotoPool

Gelsenkirchen. Ein verschuldeter Mitarbeiter des Gelsenkirchener Musiktheaters im Revier (MiR) ist jetzt in der RTL-Sendung „Raus aus den Schulden“ aufgetreten – und dabei regelrecht vorgeführt worden. Das MiR habe dem Mann mit der Sendung helfen wollen, hieß es.

„Ein außergewöhnlicher Fall!“ So pries RTL am Mittwochabend seine Sendung „Raus aus den Schulden“ an. Und außergewöhnlich war es wirklich, wie hier ein Mitarbeiter des Musiktheaters im Revier vorgeführt wurde.

Mit dem Musiktheater in Gelsenkirchen habe sich zum ersten Mal ein Arbeitgeber an den RTL-Schuldnerberater Peter Zwegat gewandt, um einem Mitarbeiter zu helfen, so hieß es zu Beginn in „Raus aus den Schulden“. Was folgte, war an Peinlichkeit kaum zu überbieten – wurden das persönliche Versagen und die Schwächen eines 52-jährige Bühnenbauers des Musiktheaters doch eine Stunde lang schonungslos dem Millionenpublikum vorgeführt.

Teile des Gehalts gepfändet

Auf Anfrage wies das Musiktheater am Donnerstag allerdings zurück, direkt bei RTL vorstellig geworden zu sein: „Das ist so nicht richtig“, sagt Geschäftsführer Dieter Kükenhöner. Eine „rührige Mitarbeiterin“ aus der Lohnbuchhaltung (die in der Sendung zu Wort kam) habe sich der Sache angenommen, um dem Bühnenbauer zu helfen. Hintergrund: Seit Jahren muss das MiR als Arbeitgeber Teile des Gehalts pfänden, um es ans zuständige Amtsgericht Gladbeck weiterzuleiten. Die Verteilung der Gelder durch das Gericht an die zahlreichen Gläubiger geriet allerdings ins Stocken.

Im Stile eines Krimis inszenierten RTL und Zwegat u.a. auch vor und im Musiktheater den Fall. Der mit seiner finanziellen Situation offensichtlich völlig überforderte Bühnenbauer gestand vor der Kamera schließlich ein, vor Jahren bei Gericht wohl selbst mal ein Veto gegen die Weitergabe der Mittel an die Gläubiger eingelegt zu haben. Und dann präsentierte RTL auch noch ein „dickes Ende“ – erhöhte sich der Schuldenstand doch „plötzlich“ um 15.000 Euro. Mit dieser Summe steht der Bühnenbauer beim Sozialamt in Gladbeck in der Kreide, weil er seit seiner Scheidung vor zweieinhalb Jahren so gut wie keine Unterhaltszahlungen für seine beiden minderjährigen Kinder gezahlt hat.

Verbraucherinsolvenz

Und was sagt das MiR nach der Ausstrahlung? Er hoffe, dass nun zumindest Klarheit herrsche für den Mitarbeiter, so Geschäftsführer Dieter Kükenhöner. Aber: „In der Sache ist ihm durch die Sendung wohl nicht geholfen“, räumt er ein.

Das Musiktheater habe versucht, den Bühnenbauer zu unterstützen, sagt Kükenhöner. Aber: „Er hat gewusst, worauf er sich einlässt.“ Es sei das Prinzip solcher Sendungen, Menschen bloßzustellen. Immerhin habe das Musiktheater ein positives Bild abgegeben. „Wir versuchen, immer ein offenes Ohr für unsere Mitarbeiter zu haben“, betont der Geschäftsführer. Das sei in der Sendung auch so rübergekommen. Die „rührige Lohnbuchhalterin“ wollte sich nicht mehr zu der Darstellung ihres Kollegen in „Raus aus den Schulden“ äußern.

Der Bühnenbauer hat sich noch nicht entschieden, ob er, wie vom RTL-Schuldnerberater empfohlen, in die Verbraucherinsolvenz geht.