Verlässlicher Partner sein

Radio-Moderator Lennart Hemme (li.) und Rotarier Ivo Holdefleiss (hinten Mitte) überbringen die Spenden an die Jugendlichen Joana (v.l.), Sophie, Sohail und Steven sowie Gruppenleiter Frank Borchert.
Radio-Moderator Lennart Hemme (li.) und Rotarier Ivo Holdefleiss (hinten Mitte) überbringen die Spenden an die Jugendlichen Joana (v.l.), Sophie, Sohail und Steven sowie Gruppenleiter Frank Borchert.
Foto: WAZ FotoPool
Im evangelischen Kinder-und Jugendhaus an der Grimmstraße in Gelsenkirchen-Heßler betreuen fünf Erzieher und eine Hauswirtschaftskraft 13 Jugendliche. Sie helfen ihnen, in ein geregeltes Leben zurück zu kehren

Gelsenkirchen. Festschmaus, Geschenke, eine gesellige Runde, vielleicht noch ein Kirchgang zu Mitternacht – so oder ähnlich stellt man sich gemeinhin Weihnachten vor. Als Stelldichein der Familie, die ein paar Stunden ohne trübe Gedanken und Sorgen verbringt. Was aber ist, wenn tiefe Gräben das Familienleben durchziehen, Eltern und Kinder getrennt den Heiligabend verbringen oder aus der gemütlichen Runde höchstens eine Stippvisite wird?

Davon wissen Frank Borchert und Peter Vorndamme zu berichten. Borchert ist Gruppenleiter in der Jugendwohngemeinschaft an der Grimmstraße in Heßler, Vorndamme Gesamtleiter des ev. Kinder- und Jugendhauses, einer Jugendhilfeeinrichtung des Diakoniewerks für Gelsenkirchen und Wattenscheid.

„Vor Weihnachten kochen die Emotionen besonders hoch“, sagt Borchert. Gerade hat er für die 13 Mädchen und Jungen (10-17.J.) eine Rad- und Trikotspende entgegen genommen. Die Gabe freut, klar, bietet sie den Jugendlichen mehr Möglichkeiten, sich in ihrem alternativen Zuhause zu entfalten in ihrer Freizeit.

Beziehung und Vertrauen

Doch noch vielmehr interessiert die Jugendlichen, „den Halt wiederzufinden“, sagt Peter Vorndamme. „Und jemanden an ihrer Seite zu wissen, der verlässlich ist“, ergänzt Frank Borchert. Ein Trikot mag da ein Puzzleteilchen sein, wieder zu einer Gemeinschaft dazu zu gehören; ein strukturierter Alltag ,wie ihn die Einrichtung bietet, das Korsett, um auf eigenen Beinen stehen zu können. Denn die Wohngruppen entstammen oftmals aus Verhältnissen, in denen Trennung, Sucht, Gewalt und Ähnliches zur Orientierungs- und Haltlosigkeit der Kinder (und Eltern) führten.

Das Kinder- und Jugendhaus ist den Jugendlichen zur Zuflucht geworden. Hier nehmen sie fünf Erzieher und eine Hauswirtschaftskraft rund um die Uhr an die Hand, helfen, sich zu berappeln. „Das fängt mit simplen Dingen an“, erklärt Frank Borchert. Etwa mit dem „Aufstehen morgens und dem Schulbesuch, es geht weiter über Hausaufgaben (betreut) und endet mit Waschen, Putzen oder gemeinsamem Kochen.“

Konflikte sind vorprogrammiert

Hört sich einfach an, bietet jedoch „viel Konfliktpotenzial“, denn der mitunter immer wieder kehrenden Verweigerungshaltung in den Köpfen der Schutzbefohlenen ist mit Worten nicht so einfach beizukommen. Die Betreuer brauchen, um im vorweihnachtlichen Bild zu bleiben, eine Engelsgeduld. „Kinder fordern Führung und feste Strukturen in gleichem Maße ein, wie sie versuchen, diese Grenzen zu durchbrechen“, sagen Frank Borchert und Peter Vorndamme.

Eine Sisyphusarbeit, der sich das Team gerne stellt.

 
 

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