Verein Raduga holt Tschernobyl-Kinder für Ferien nach Gelsenkirchen

Der Hilfsverein Raduga holt 34 Kinder aus Tschernobyl für die Ferien nach Gelsenkirchen. Es werden noch Gastfamilien gesucht. Foto: Martin Möller
Der Hilfsverein Raduga holt 34 Kinder aus Tschernobyl für die Ferien nach Gelsenkirchen. Es werden noch Gastfamilien gesucht. Foto: Martin Möller
Foto: WAZ FotoPool
Vier Wochen Auszeit von der Katastrophe: Die Tschernobyl-Hilfe Raduga ermöglicht 34 Kindern aus dem Katastrophengebiet ein paar erholsame Ferien-Wochen in Gelsenkirchen. Für 20 Jugendliche und zwei Betreuer werden noch Gastfamilien gesucht.

Gelsenkirchen.. Tschernobyl: der Name steht für den bisher größten GAU der Menschheitsgeschichte. Dienstag vor 25 Jahren ging der Meiler hoch. Mit den Folgen der radioaktiven Katastrophe müssen die Menschen in der Ukraine und Weißrussland über Generationen leben.

Kindern eine kleine Auszeit zu verschaffen, hat sich der Verein Raduga zum Ziel gesetzt. Er holt Mädchen und Jungen zwischen zehn und 14 Jahren zu Ferien nach Gelsenkirchen. 34 Kinder mit Begleitern werden vom 1. bis 30. Juli in der Stadt zu Gast sein. Für 20 Jugendliche und zwei Betreuer (eine Lehrerin und der Direktor der Schule, mit denen der Verein in Weißrussland kooperiert) sucht Raduga noch Gastfamilien.

Ein paar unbeschwerte Wochen bescheren

„Durch die Reaktorkatastrophe in Fukushima ist das Thema leider wieder hochaktuell geworden. Aber vielleicht hilft uns das ja auch bei der Suche, so traurig das ist“, sagt der Raduga-Vorsitzende Ralf Theune. Raduga ist das russische Wort für Regenbogen „und für uns ein Symbol für Licht und Schatten, aber auch für den Brückenschlag, für Hoffnung und Geborgenheit“. Die Kinder, sagt Theune, „liegen uns dabei ganz besonders am Herzen“. Ihnen will der Verein ein paar unbeschwerte Wochen bescheren – auch weil „nach medizinischer Erfahrung ein mehrwöchiger Aufenthalt in gesunder Umgebung nebst vitaminreicher, gesunder Ernährung hilft, das Immunsystem zu stärken.“

Fahrt in die „Verbotene Zone“

Ein Gang durch die Geisterstadt Pripjat

Fünfundzwanzig Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl herrschen in der evakuierten Stadt Leere und Zerfall. An einigen Stellen sind noch immer radioaktive Stoffe zu messen. Auch in den geplünderten Wohnungen lauern Gefahren: der Staub ist kontaminiert.
Ein Gang durch die Geisterstadt Pripjat

Zu einer Schule in der 125 000 Einwohner-Stadt Mosyr und zu Einrichtungen in zwei benachbarten Dörfern hält Raduga Kontakte. 120 Kilometer Luftlinie trennen die Stadt vom GAU-Meiler. „Jetzt, eine Generation nach dem Super-Gau, zeigen sich die Langzeitfolgen. Unfruchtbarkeit, Fehlgeburten und Missbildungen nehmen zu. Schon Kinder leiden an Kreislauferkrankungen. Und eigentlich ungefährliche Infektionen können einen gefährlichen Verlauf nehmen“, sagt Petra Theune, die mit ihrem Mann wieder zwei Kinder aus der Region aufnehmen wird. Auch bei anderen Familien, wissen die Theunes, „sind Freundschaften entstanden. Sie haben Kinder erneut eingeladen.“

Andere bewerben sich mit bunten Briefen. Da kleben Bären- und Schmetterlingsaufkleber auf dem Papier, umranken Blumen kurze Sätze zu Familie, „Lieblingsessen“, „Hobbys“. Und da steht immer wieder dieser eine Satz: „Ich bin gesund“. Zumindest äußerlich. „Mit erkennbaren Krankheiten dürfen die Kinder nicht einreisen“, so Theune, der auch diesmal wieder die Visa-Formalitäten erledigt hat. Ein bis zweimal pro Jahr ist er in der Tschernobyl-Region, war auch bereits in der „Verbotenen Zone“. Die Gefahr, weiß er, sei präsent. „Aber natürlich leben die Menschen mit den Folgen.“

Unterkunft und Verpflegung

Sarkophag für die Atomruine

So könnte der Schutzmantel um den Unglücksreaktor in Tschernobyl aussehen.
Sarkophag für die Atomruine

Raduga hat einen Bus gechartert, um die Gruppe nach Gelsenkirchen zu holen. Zudem trägt er die Versicherungskosten und sorgt für das Programm: „Die Arena, Hof Holz oder die Feuerwehr laden uns immer ein“, sagt der Vorsitzende. Die Gastfamilien kommen für Unterkunft und Verpflegung auf. Die Kinder sprechen etwas Deutsch, Dolmetscher sind in der Gruppe dabei. 6000 Euro hat der Verein für die Freizeit aufgebracht. „So wie es derzeit aussieht, werden wir 2012 keine Fahrt bieten können, weil die finanziellen Mittel fehlen.“

Spendenkonto und Kontakt

Kontakt: 63 95 83 (Theune) oder 20 99 28 (Modersohn-Kluth); Spenden an: Raduga-Tschernobyl-Hilfe Gelsenkirchen e.V.; Volksbank Ruhr-Mitte, BLZ 422 600 01; Konto 100 166 200.

 
 

EURE FAVORITEN

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Beschreibung anzeigen