Umstrittene Wohnhäuser für Zuwanderer in Gelsenkirchen

Irene Stock
Einige Häuser in Katernberger Straße dienen der Stadt Gelsenkirchen  als Unterkünfte für Flüchtlinge und Zuwanderer.
Einige Häuser in Katernberger Straße dienen der Stadt Gelsenkirchen als Unterkünfte für Flüchtlinge und Zuwanderer.
Foto: WAZ
CDU-Fraktionschef Werner Wöll kritisiert Wohnsituation in den städtischen Häusern an der Katernberger Straße, die viele zu den städtischen Schrottimmobilien zählen. Die Verwaltung hält das nicht für gerechtfertigt und verweist auf steigende Asylbewerber-Zahlen.

Gelsenkirchen. Ein heimeliges Wohnumfeld bietet die Katernberger Straße nicht. Die Straße ist eine Sackgasse – sie endet vor dem Zaun eines Geländes, auf dem früher Container für Asylbewerber standen. Erst vor wenigen Tagen hat Gelsendienste hier Müll und Altgeräte beseitigt, jetzt stapeln sich wieder alte Kühlschränke und Bildschirme vor dem Zaun.

Rechts stehen heruntergekommene Häuser, die schon lange leerstehen. Man könnte die Häuser gemeinhin als Schrottimmobilien bezeichnen. In Haus Nr. 36 sind Türen und Fenster zugemauert, auch die Häuser 38 und 40 bieten keinen schönen Anblick, sind aber bewohnt. Alles sieht vergammelt aus. Asylbewerber aus Nicht-EU-Ländern wohnen hier: Menschen aus Serbien, dem Kosovo, aus Mazedonien, den Föderalistischen Sowjetrepubliken, manchmal auch aus Syrien. Jetzt stehen die Häuser in der Kritik..

Stadt muss sich Spiegel vorhalten

Nicht wegen ihrer Bewohner, sondern wegen der Tatsache, dass die Stadt Gelsenkirchen, in deren Besitz die Häuser sind, hier Menschen Wohnraum gibt. „Das ist Sub-Standard“, sagt Werner Wöll, CDU-Fraktionschef und Vorsitzender der Ortsunion Feldmark. In seinem Wahlkreis liegt die Katernberger Straße. Er findet es „besonders bedauerlich“, dass die Stadt nicht nur Vermieter, sondern zugleich Aufsichtsbehörde ist.

„Was würde die Stadt tun, wenn sie solche Häuser von Privatbesitzern sähe“, fragt Wöll und gibt die Antwort: „Sie würde die Hausbesitzer mit einem Ordnungsgeld belegen.“ Er verweist auf das städtische Handlungskonzept „Zuwanderung im Rahmen der EU-Osterweiterung“, in dem die Stadt ausdrücklich kritisiert, dass die Wohnsituation in Gelsenkirchen für Zuwanderer zum Teil menschenunwürdig sei, weil Häuser in einem unzumutbaren Zustand seien. „Da muss sich die Stadt einen Spiegel vorhalten“, findet Wöll.

Besser als Container

Laut Stadtsprecher Martin Schulmann sind das zwei verschiedene Paar Schuh. „Die Asylbewerber bekommt die Stadt zugewiesen und ihre Zahl ist steigend (aktuell 353), die Bulgaren und Rumänen kommen freiwillig und können sich aussuchen, wo sie wohnen.“ Die Gemeinschaftsunterkünfte für Asylbewerber nennt Sozialdezernentin Karin Welge zumutbar. „Das ist kein Luxus, aber die Menschen, die dort wohnen, fühlen sich wohl.“ Es gebe warmes Wasser, Strom und Heizung, Hausbetreuer seien im Einsatz.

Schützenhilfe bekommt die Stadt aus dem Awo-Zentrum an der Katernberger Straße 35. Dort sind Vera Schmitz und Michael Kapteinat Ansprechpartner im Viertel „für alle Lebenslagen“, machen den rund 70 Kindern ein Betreuungsangebot. „Die Stadt kümmert sich sehr“, sagt Schmitz. Die Fluktuation in den Häusern sei groß, weil sich die Stadt bemühe, die Asylbewerber so schnell wie möglich in andere Wohnungen zu vermitteln.