Ückendorfer Höhenflug für mutige Pfadfinder

Deborah Vogtmann
oto: Thomas Gödde
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Foto: WAZ FotoPool
Die Pfadfinderschaft St. Georg hatte sich für den Bezirkstag einiges einfallen lassen. Ganz Mutige konnten sich vom Turm der Heilig-Kreuz-Kirche abseilen

Gelsenkirchen. Nanu, warum baumelt ein Pfadfinder an der Kirchwand? Die Abseilaktion vom Dach der Heiligkreuz-Kirche in Ückendorf war Teil des Bezirkstages, den die Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) kürzlich veranstaltet hat.

Unter dem Motto „Pfadfinder – Gefällt mir“ haben rund 250 Kinder und Jugendliche an Workshopangeboten teilgenommen, um interessante Orte, Firmen und Verbände in ihrer Heimatstadt kennezulernen. Die verschiedenen Workshops fanden über alle Stadtteile verteilt statt, darunter waren auch Führungen bei der Polizei, bei der Freiwilligen Feuerwehr und bei Radio Emscher Lippe. „Es geht darum, etwas Spannendes zu erleben, seine eigenen Grenzen kennen zu lernen, um Selbstentwicklung, aber auch um gruppendynamische Prozesse“, erklärte Cornelia Franz, Bezirksvorsitzende der DPSG Gelsenkirchen.

Vom Wölfling bis zum Rover

Spannend war es auf jeden Fall beim Abseilen von dem etwa 50 Meter hohen Turm der Heiligkreuz-Kirche. „Wenn man von oben runterschaut, ist es schon komisch. Aber wenn man erst einmal in der Sicherung hängt, kann man die schöne Aussicht über die Stadt genießen“, sagte Annika Preuss (18), die seit knapp drei Jahren dem Pfadfinderstamm „Elisabeth von Thüringen“ aus Heßler angehört. „Ich bin durch Freunde auf die Pfadfinder gekommen.

Ich war schon immer gerne draußen und probiere gern verrückte Sachen aus“, erzählte die 18-Jährige. Ihre Freundin Lena Bialas (17) ist schon ein alter Hase und bereits seit ihrem fünften Lebensjahr bei den Pfadfindern. Damals gehörte sie zu den „Wölflingen“, den jüngsten Pfadfindern. Mittlerweile sind die beiden Mädchen zu den „Rovern“ aufgestiegen – das ist die Bezeichnung für die Altersgruppe zwischen 17 und 20.

Nach den Workshops trafen sich die Pfadfindergruppen aller Stämme im Wissenschaftspark zum gemeinsamen Essen und Spielen. Angesichts der sinkenden Mitgliederzahlen in den höheren Altersstufen der Pfadfinder räumte DPSG-Bezirksvorsitzende Cornelia Franz mit gängigen Klischees auf: „Wir sind nicht weltfremd. Natürlich macht das Pfadfindertum ein gewisses Traditionsbewusstsein aus, aber wir gehen mit der Zeit.“ Neben den traditionellen Pfingst- und Sommerlagern und den wöchentlichen Gruppenstunden werden daher auch immer wieder Aktionstage wie der Bezirkstag veranstaltet.

Religion und Natur als wichtige Bestandteile

Dabei kommt der religiöse Gedanke aber nicht zu kurz. So wurde zum Beispiel ein Tischgebet gesprochen und am späten Nachmittag Gottesdienst gefeiert. Und auch das traditionelle Versprechen legen die Pfadfinder sich selbst, ihrer Gruppe und gegenüber Gott ab.

Neben Religion spielt Natur für die Pfadfinder immer noch eine große Rolle. Dabei gehe es vor allem um das Bewusstsein für Nachhaltigkeit. „Außerdem ist mit Natur nicht nur Wald und Wiesen gemeint, sondern vielmehr die gesamte Umwelt. Es geht zum Beispiel darum, seinen eigenen Stadtteil besser kennenzulernen“, erklärte die Bezirksvorsitzende. „Es ist eben nicht so, dass wir erst beten und dann Pilze suchen“, fügte sie lachend hinzu.