Treppen-Stillstand an Gelsenkirchener Bahn-Station

Eine Rolltreppe an der Haltestelle Bergwerk Consolidation in Gelsenkirchen ist seit Mai außer Betrieb.
Eine Rolltreppe an der Haltestelle Bergwerk Consolidation in Gelsenkirchen ist seit Mai außer Betrieb.
Foto: FUNKE Foto Services
Eine Fahrtreppe an der U-Bahnhaltestelle Bergwerk Consolidation in Gelsenkirchen ist bereits seit Mai 2014 defekt. Die Reparatur dauert noch bis 2015.

Gelsenkirchen.. „Sehr geehrte Fahrgäste“, steht auf dem mit Klebeband befestigten Aushang an der U-Bahnhaltestelle Bergwerk Consolidation, „aufgrund eines technischen Defekts steht Ihnen diese Fahrtreppe bis Anfang 2015 nicht zur Verfügung.“ Und: Um an den Bahnsteig zu gelangen, wird „mobilitätseingeschränkten Fahrgästen“ empfohlen, die Fahrtreppen oder Aufzüge an den nächsten Stationen zu nutzen. In diesem Fall: Trinenkamp oder Bismarckstraße. „Wir bitten um Verständnis“, wirbt die Bogestra zudem noch. Doch gerade das geht den Kunden so langsam ab. Ihre Geduld ist erschöpft, denn die Rolltreppe steht seit Mai still.

„Die eine Fahrtreppe geht gar nicht, die andere wurde auf Wechselbetrieb geschaltet, läuft aber auch oft nicht, weil sie häufig außer Betrieb gesetzt wird“, ärgert sich ein WAZ-Leser. Er beobachtet immer wieder, „dass gerade alte Leute hier schwer vom Bahnsteig auf die Straßenebene kommen“. Bis „Februar, März“, schätzt Bogestra-Sprecher Christoph Kollmann, werde es noch dauern, bis sich die Situation entspannt.

137 Stufen und eine Förderhöhe von 9,44 Metern

Der Stadtbahntunnel wurde 1994 eröffnet. Aus dem Jahr stammt auch die Fahrtreppe. Alt ist sie, aber noch nicht so alt, dass sie zum Austausch anstand. „Fahrtreppen haben im Schnitt eine Lebensdauer von 25 Jahren. Dann werden sie von uns erneuert.“ Zwischen 2009 und 2014 hat die Bogestra in bislang 40 neue Fahrtreppen in Gelsenkirchen, Bochum und Herne rund 10 Mio. Euro investiert.

Doch die in Bismarck hatte eben sozusagen vor der Zeit einen kapitalen Schaden mit langwierigen Folgen. Fahrtreppen gibt es nicht von der Stange, jede ist eine Individualanfertigung. Die an der Haltestelle hat 137 Stufen und eine Förderhöhe von 9,44 Metern. Nachdem Mechaniker und Hersteller tatsächlich einen schwerwiegenden Mechanik-Defekt diagnostiziert hatten, ging es zunächst um die Finanzierung. Und die Frage, ob sich eine Reparatur noch lohnt. Die wurde positiv beschieden. 100 000 Euro wird die Instandsetzung kosten. Kollmann: „Die Ersatzteile sind bestellt worden. Sie müssen extra angefertigt werden. Das dauert Wochen.“

Eine Fahrtreppe kostet 300.000 Euro

Die andere Fahrtreppe am Bahnhof wurde in Zweirichtungsmodus versetzt, „doch das schützt uns leider nicht vor Vandalismus“, sagt Kollmann. In der Tat: Allein in der letzten Woche gab es „drei Fälle, in denen Kollegen raus mussten, um die Anlage zu entstören“. Manchmal sind es auch die Tücken der Wiederanlaufsensorik, die Probleme bereiten. „Wenn die Treppe steht, aber in der Phase der selbstständigen Überprüfung ist und sie dann jemand betritt, läuft sie nicht wieder an.“ Kollmann empfiehlt, in solch einer „Phase besser die Steintreppe zu benutzen“. Kunden bleibt wohl nichts anderes übrig.

31 Rolltreppen und acht Aufzuganlagen betreibt der Verkehrsdienstleister Bogestra in Gelsenkirchen. 2014 wurden vier Fahrtreppen am Musiktheater im Revier und zwei am U-Bahnhof Heinrich-König-Platz erneuert. Eine durchschnittliche Fahrtreppe, rechnet die Bogestra, koste etwa 300.000 Euro. Das System fährt auf Verschleiß. Die Bogestra hält angesichts dessen Infrastrukturmittel von Bund und Land für geboten.

 
 

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