Traditionell, aber alles andere als altbacken

Im Rahmen der Konzertreihe Klezmerwelten gastierte am Samstag Deborah Strauss im Saal der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen.
Im Rahmen der Konzertreihe Klezmerwelten gastierte am Samstag Deborah Strauss im Saal der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen.
Foto: WAZ FotoPool
Volles Haus und einen Riesenapplaus bescherte das Strauss/Warschauer Duo der neuen Synagoge. Das Konzert war einer der Höhepunkte der Klezmerwelten, mit deren Erfolg die jüdische Gemeinde schon jetzt überaus zufrieden ist.

Gelsenkirchen. Die neue Synagoge in der Innenstadt war bis auf den letzten Platz gefüllt. „Mit so viel Resonanz haben wir nicht gerechnet“, sagt Judith Neuwald-Tasbach von der jüdischen Gemeinde. Doch das Konzert mit dem „Strauss/Warschauer Duo“ war klar einer der Höhepunkte des mit dem Kulturbüro gemeinsam organisierten Festivals.

Die Amerikaner Deborah Strauss (Violine, Akkordeon und Gesang) und Jeff Warschauer (Gitarre, Mandoline und Gesang) sammeln seit den 1980er Jahren jüdische und hebräische Lieder. Ihr Konzertprogramm „Once I had a fiddle“ basiert auf chassidischer, jiddischer und liturgischer Musik, erweitert mit Eigenkompositionen. Traditionell, aber keinesfalls altbacken.

Diese Mischung gefällt dem Publikum. Eine dreiviertel Stunde vor Konzertbeginn stehen die ersten Besucher schon vor der Tür zur Synagoge, sichern sich beim Einlass die besten Plätze in der ersten Reihe. Am Ende können sich die Künstler vor Zugaben-Rufe nicht retten.

15 Monate intensive Planung hat Hans-Joachim Siebel vom Kulturbüro der Stadt für die Klezmerwelten hinter sich. In diesen Monaten arbeitete er intensiv mit der jüdischen Gemeinde und Andreas Schmitges zusammen. „Andreas Schmidtges ist ein absoluter Kenner der Klezmer-Szene. Ohne ihn hätten wir dieses hochkarätige Programm nicht aufstellen können“, erzählt Siebel. Die Kosten für die Klezmerwelten bewegen sich im sechsstelligen Bereich, inklusive Anmietung von Veranstaltungsräumen und Künstlergagen. Ohne Sponsoring wäre die Veranstaltungsreihe unmöglich gewesen. Das Programm ist vielfältig. Dazu gehört auch Shabbat (jüdisch: Schabes), der eine 24-stündige Ruhephase eingeleitet. Die Gemeinde lud dazu jeden Interessenten ein. „Alles war ganz zwanglos. Die Besucher wollten aktiv die jüdische Kultur kennenlernen“, berichtet Judith Neuwald-Tasbach. Auch das sind die Klezmerwelten: entdecken, was hinter der Musik steckt.

Zugang zur jüdischen Kultur

Besonders stolz sind die Organisatoren auf ihren Klezmer-Workshop mit 25 Kindern und Jugendlichen verschiedenster Nationalitäten und Religionen. Einen Bericht über das Konzert dazu finden Sie morgen in ihrer WAZ.

Am 31. Oktober enden die Klezmerwelten. Bis dahin gibt es noch zahlreiche Veranstaltungen. Für die jüdische Gemeinde waren die Klezmerwelten bereits jetzt ein Erfolg. „Das Publikum findet mit dem Zugang zur den Veranstaltung auch Interesse an der jüdischen Kultur. Sie schauen sich in der Synagoge um und finden Gesprächspartner, die sie auf der Straße vielleicht nie getroffen hätten“, so Judith Neuwald-Tasbach. Klar, dass man sich über eine baldige Neuauflage der Klezmerwelten freuen würde..

 
 

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