Total Recall – Klappe, die erste

Frank Bürgin holte das internationale Festival „Total Recall“ nach Gelsenkirchen und referierte in der Kaue über den Film „Exit Through The Gift Shop“ Foto: Sebastian Konopka / WAZ FotoPool
Frank Bürgin holte das internationale Festival „Total Recall“ nach Gelsenkirchen und referierte in der Kaue über den Film „Exit Through The Gift Shop“ Foto: Sebastian Konopka / WAZ FotoPool
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Star Wars, Dirty Dancing, Pulp Fiction? Fehlanzeige. Beim Total Recall am Samstag in der Kaue war genau das eingetreten, was Bernd Terstegge im Vorfeld angekündigt hatte. Der Leiter des Internationalen Festivals des nacherzählten Films hatte eine bunte, absolut unkonventionelle Mischung quer durch sämtliche Sparten, Epochen und Kulturkreise der bewegten Bilder vorhergesagt.

Das Publikum hatte unter anderem einen epochalen Oscar-Abstauber, einen russischen Klassiker, einen experimentellen Kurzfilm, eine schwarzhumorige Serie und zwei Dokumentationen zu bewerten. Zehn Minuten hatte jeder Teilnehmer auf der Bühne Zeit, um seinen Lieblingsfilm ohne Verwendung von Hilfsmitteln nachzuerzählen.

Als Sieger ging nicht etwa jemand hervor, der einen Film nacherzählte, den alle im Publikum kennen und der dazu noch möglichst lustig ist und beim Nacherzählen vermutlich viele Lacher erwirtschaftet. Der erste Preis, die Silberne Linde, ging an Ulrich Brockerhoff-Ferda, der die BBC-Dokumentation „Man On Wire“ nicht nur mitreißend leidenschaftlich nacherzählte, sondern das dermaßen flüssig und anschaulich tat, dass er ohne ein einziges „Äh“ auskam.

Erst in der Pause nach dem ersten Block der Veranstaltung hatte der Mann jenseits der 50 sich gemeinsam mit vier anderen zusätzlich in die Teilnehmerliste eingetragen. Insgesamt elf Filmfreunde stellten sich am Samstagabend hinter das Rednerpult in der Kaue. „Je länger der Film läuft, um so mehr wünscht man sich, dass er das schafft“, brachte Ulrich Brockerhoff-Ferda seine Begeisterung für die Dokumentation über einen Franzosen, der nach akribischer Vorbereitung auf einem Drahtseil zwischen den beiden Türmen des World Trade Centers balanciert, auf den Punkt.

Frank Bürgin, der Total Recall für das fünftägige Festival Freie Kultur erstmals nach Gelsenkirchen geholt hatte, machte den Anfang. Der Gelsenkirchener Filmemacher („Heimatabend“) erinnerte sich vor dem etwa 100-köpfigen Publikum an die Nacht, in der ihn die Dokumentation „Exit Through The Gift Shop“ des bis heute unbekannten Street-Art-Künstlers Banksy an den Fernseher fesselte.

Die zehnjährige Enya Kumpernas erinnerte sich detailliert und anfangs noch ganz aufgeregt an den Animationsfilm „Oben“. Jan Koch nutzte das Total Recall, um ganz lässig für die in Deutschland recht unbekannte Serie „Breaking Bad“ eine Lanze zu brechen.

Auf den zweiten Platz wählte das Publikum per Punkteentscheid Viktoria Lazareva, die den Sowjet-Klassiker „Die kaukasische Gefangene“ mit einer Portion Ironie auftischte. Der dritte Platz ging an den Gelsenkirchener Illustrator Jesse Krauß (auch er hatte sich erst in der Pause gemeldet), der anschaulich seine fast liebevolle Begeisterung für den Kurzfilm „Copyshop“ rüberbrachte. Und... Schnitt.

 

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