Gelsenkirchen

Tödlicher Rocker-Konflikt in Gelsenkirchen: Warum musste „Reiki“ sterben?

Im Oktober 2018 wurde Rocker "Reiki" hier in Gelsenirchen getötet.
Im Oktober 2018 wurde Rocker "Reiki" hier in Gelsenirchen getötet.
Foto: Justin Brosch/privat Montage: DER WESTEN

Gelsenkirchen. Sie sollen „Reiki“ zu viert in Gelsenkirchen aufgelauert und abgestochen haben. Anschließend sollen sie ihm die Rocker-Kutte mit Fransen ausgezogen und sie mitgenommen haben. Die ultimative Demütigung in der Rocker-Szene.

Gelsenkirchen: Tödlicher Rocker-Streit vor Gericht

Johannes R., Vizepräsident des Hattinger Chapters der Freeway Rider's, hatte ein Treffen im Vereinsheim in Gelsenkirchen besucht und war zu Fuß auf dem Rückweg. In der Wembkenstraße sollen die Angeklagten ihn abgepasst haben. Es soll laut Anklage zum Streitgespräch gekommen sein.

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Dann sollen die Angeklagten mehrfach auf „Reiki“, so der Spitzname des Rockers, eingestochen haben. Sie trafen ihn im Oberschenkel und Rücken, verletzten seine Lunge. Der Rocker verlor viel Blut. Trotz Reanimation durch Rettungskräfte starb der Rocker noch am Tatort. Anschließend sollen die Angeklagten die Rocker-Kutte des ehemaligen Kampfsportlers mitgenommen haben und im Audi A1 davon gerast sein.

Vier Angeklagte vor Gericht

Am Mittwoch stehen Nick L. (25) aus Dortmund, Firat A. (27) aus Bochum, Ulas U. (24) aus Essen und Burhan G. (25) aus Herne vor Gericht. Den Bandidos-Rocker wird gemeinschaftlicher Totschlag vorgeworfen. Sollte die Tat im komplizierten Prozess nachgewiesen werden, könnten die Angeklagten auch wegen Mordes verurteilt werden.

Burkhard Benecken, der einen der Angeklagten vertritt, sagte vor dem Prozess: „Konkrete Tatbeiträge konnte die Staatsanwaltschaft bisher nicht ermitteln. Es wird viel spekuliert, viel vermutet.“ Sein Mandant Ulas U. und die weiteren Angeklagten äußerten sich zu Prozessbeginn nicht zu den Vorwürfen.

„Feige abgestochen. Tot, aber nicht vergessen“, posierten die Freeway Rider's kürzlich ein Jahr nach dem Todestag für ein Foto. Auch im Gerichtssaal wurde es voll. Doch Ihre Kutten mussten die Rocker diesmal zu Hause lassen.

Ermittler sehen neue Dynamik in Rockerszene in NRW

Der tödliche Konflikt zwischen Freeway Rider's und Bandidos fügt sich eine deutlich zunehmende Dynamik in der Rockerszene in NRW, wie das Landeskriminalamt im jährlichen Lagebild „Organisierte Kriminalität“ feststellte.

Freeway Rider's im Großraum Hagen

Während Hells Angels und Bandidos sich im Großraum Köln in aller Öffentlichkeit bekämpften und um die Vormacht streiten, haben die Freeway Rider's ihre Vormachtstellung im Großraum Hagen laut Bericht gegenüber den Bandidos behaupten können. Gewaltsame Auseinandersetzungen inklusive.

In Dortmund gingen griffen Bandidos den Clanchef des dortigen Miri-Clans an. Im Mai 2019 verurteilte das Landgericht Dortmund die beiden Angreifer wegen schwerer Körperverletzung zu Freiheitsstrafen von vier Jahren beziehungsweise drei Jahren und neun Monaten. Im Sommer 2019 folgte die vermeintliche Rache. Bei einem Angriff auf den Verurteilten wurde der Bandido-Friseur schwer verletzt. (ms)

 
 

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