Sylvia Löhrmann - „es ist noch längst nichts gewonnen“

Jessica Hellmann
Sylvia Löhrmann, Spitzenkandidatin der Grünen, beim Besuch in Gelsenkirchen.
Sylvia Löhrmann, Spitzenkandidatin der Grünen, beim Besuch in Gelsenkirchen.
Foto: Michael Korte
Der Wahlkampfauftakt der Gelsenkirchener Grünen erinnerte fast ein wenig an eine kleine Familienfeier. Mitglieder und Gäste saßen Sonntagnachmittag in lockerer Runde am Kaffeetisch, um bei einem Stück Kuchen über die bevorstehende Landtagswahl zu plaudern. Zu Besuch kam auch Spitzenkandidatin Sylvia Löhrmann.

Gelsenkirchen. Spitzenkandidatin Sylvia Löhrmann berichtete in der Geschäftsstelle der Grünen an der Wildenbruchstraße über Wahlziele und Programm der Grünen berichtete. „Es soll eine Veranstaltung der anderen Art sein“, sagte die Direktkandidatin der Gelsenkirchener Bündnisgrünen, Barbara Oehmichen.

Ein Wahlkampf der Superlative

Dabei drehte sich allerdings nicht alles ausschließlich um das eigene Wahlprogramm. In der anschließenden Diskussion wurden die Piraten zum zentralen Thema. „Es ist ein Wahlkampf der Superlative“, ist sich auch Löhrmann sicher. „Die kurze Zeit sorgt für eine noch stärkere Verdichtung der Termine.“ Nach Gelsenkirchen komme sie immer wieder gerne. Auch in der 20-monatigen Amtszeit als nordrhein-westfälische Schulministerin war sie des Öfteren zu Gast.

„Die Minderheitsregierung war ein guter Schritt“, fasst sie zusammen. „Wir haben viel auf den Weg gebracht.“ Das sei erfolgreich und sichtbar gewesen. Im Wahlkampf 2012 setzen die Grünen nun auf die drei großen K: Kinder, Klima und Kommunen. Das seien Themen, die gerade hier im Ruhrgebiet eine wichtige Rolle spielen.

Piraten als neue Konkurrenten

Auch wenn die Umfragen zurzeit auf eine stabile Mehrheit für Rot-Grün hinweisen, tritt Löhrmann auf die Euphoriebremse: „Es ist noch längst nichts gewonnen.“ Mit der SPD habe man gut regieren können. „Vielleicht liegt das daran, dass es zwei Frauen gemacht haben.“ Prompt gibt es Applaus von den Zuhörern.

Abgesehen von einigen Spitzen gegen Norbert Röttgen („Der soll ja Spitzenkandidat sein, auch wenn man ihn hier nicht oft sieht“) und die FDP, die „von zukunftsfähigen Themen nichts versteht“, wird mit Kritik an der Opposition gespart. Dafür scheinen die Piraten den Grünen ein Dorn im Auge zu sein.

Kein anderes Thema wurde am Sonntag so ausführlich diskutiert. „Mit den Piraten gibt es einen neuen Konkurrenten. Viele finden sie gut, warum auch immer“, sagt Löhrmann. Dabei sei die Wirklichkeit längst viel weiter als deren Visionen.

Piratenpartei ganz nüchtern betrachten

In der anschließenden Diskussion gab es viel Lob für die Schulministerin und vornehmlich Fragen zu schulpolitischen Themen. Für Diskussionsstoff sorgte aber weiter die Piratenpartei. Die Freibeuter würden Themen aufgreifen, die die Grünen schon lange selbst besetzt haben. Als „Plagiatspartei“ könne man sie bezeichnen, die „auf guttenbergsche Art“ ihr Wahlprogramm zusammenstellten.

„Wir müssen nicht nur deutlich machen, dass das, was sie fordern, alte Hüte sind, sondern zudem zeigen, wo wir uns unterscheiden“, sagt ein Gast am Ende. Löhrmann versichert zwar, dass „wir das Thema Piratenpartei ganz nüchtern betrachten“, doch das Umfragehoch der neuen Partei sorgt offensichtlich dafür, dass sich der Ton verschärft.