Sturmwirbel bringt frischen Wind ins Wiener Kaffee

Jörn Stender
Die Kochprofis von RTL II kümmern sich um das Wiener Kaffee von Daniela Kablinovic (35) und Michael Marinkovic (38, l) in Schalke. Am Dienstag, bereitet Marinkovic (v.l.) mit den Kochprofis Andi Schweiger, Ole Plogstedt und Frank Oehler das Abschlussessen vor. Foto: Martin Möller
Die Kochprofis von RTL II kümmern sich um das Wiener Kaffee von Daniela Kablinovic (35) und Michael Marinkovic (38, l) in Schalke. Am Dienstag, bereitet Marinkovic (v.l.) mit den Kochprofis Andi Schweiger, Ole Plogstedt und Frank Oehler das Abschlussessen vor. Foto: Martin Möller
Foto: WAZ FotoPool

Gelsenkirchen. Tage des Sturms. Ein Hurrikan wirbelte durchs Wiener Kaffee in Schalke. Mittendrin: die RTL-II-Köche Frank „Fo“ Oehler, Andreas Schweiger und Ole Plogstedt. Die Kochprofis haben für den TV-Einsatz Küche, Karte, Service und Optik an drei Tagen umgekrempelt.

Sie machen Wind, sie machen Dampf, sie kalauern und krempeln lahme Läden um, sie kappen alte Zöpfe, entstauben Speisekarten, frischen die Küche auf. In der bereits 14. Staffel und für Folge „Nr. 183 oder sogar schon 185“, so genau weiß das an diesem Tag keiner, leisten sie ihren Einsatz am Herd und für die TV-Quote. Ihr jüngster Problemfall: Das Lokal von Daniela Kablinovic und Michael Marinkovic an der Schalker Straße 157.

Sonntag fiel – mit zwölf Frau und Mann hoch – das TV-Produktionsteam ein. Dienstagabend war die Premiere. Wiener Backhendel und Tafelspitz mit Apfel-Meerrettichcreme, Wurzelsud und Landbrot oder Wiener Saftgulasch wurden aufgetischt. Und „Kuchen, Kuchen, Kuchen“. Mit Gerichten unter 10 Euro und den Zutaten für die gute Kaffeetafel soll das Lokal künftig im Umfeld punkten. „Alles super gelaufen“, freut sich am Morgen danach Küchenchef Marinkovic. „Viele haben zugesagt, dass sie wiederkommen möchten."

Kreatives Chaos in der Küche

Zeitsprung zurück, auf Dienstag 15 Uhr. „Ich weiß nicht, wie wir fertig werden sollen“, sagt Daniela Kablinovic einigermaßen entgeistert mitten im hochtourigen Treiben. Hier wird die Schaufensterscheibe grundgereinigt und von Produktionsleiter Gorden Wüst neu beklebt, dort die Theke auf Vordermann gebracht. Tische und Stühle sind gestapelt, kreuz und quer stehen Utensilien, Kamera-Equipment und Farbtöpfe. Freunde und Familie packen mit an. Noch wird gepinselt, werden Fotos gerahmt, Leuchter vor die frisch gestrichene rote Wand mit der Tagesangebote-Tafel gehängt.

Wenigstens einen Hauch Wiener Kaffeehausflair soll die Bistroecke bekommen. Der Boden bedarf noch einer soliden Grundreinigung, in der Küche herrschen die Profis und das (organisierte) Chaos. Noch dreieinhalb Stunden. Dann sollen die 25 angemeldeten Gäste kommen, dann sollen Kablinovic und Marinkovic zeigen was Küche und Service leisten können, wohin in Zukunft die Reise gehen soll.

Günstige Mieten zogen die Gastronomen nach Schalke

Vor vier Jahren hat das Paar sein Wiener Kaffee eröffnet. Der 38-Jährige ist gelernter Koch und Kellner, sie hat eine kaufmännische Ausbildung. Beide waren in Wien gastronomisch tätig. Der Schritt in die neue Selbstständigkeit führte sie eher zufällig nach Schalke. „Eigentlich wollten wir ja in Düsseldorf oder Köln unser Wiener Kaffee aufmachen, aber da waren die Mieten viel zu hoch“, sagt die 35-Jährige. Der Kostenvergleich sprach schließlich für Gelsenkirchen.

Ein echtes Wiener Kaffeehaus hatten die beiden im Sinn, ein unentschiedener Gemischtwarenladen ist entstanden – mit übernommener Eistheke, Kuchen, Mittagstisch und Abendbetrieb, mit zu großer Karte und wohl auch Defiziten in der Organisation. Und die wurden im Schnelldurchgang angegangen. In die Küche brachten die Kochprofis fehlendes Gerät ein (Schweiger: „Michael hatte acht Gerichte und nur eine Gasflamme“), das Raucher-Zeichen am Eingang verschwand, der Patron selbst bekam Qualm-Verbot für die Gasträume, zäher Nikotinbelag wurde bekämpft, das Interieur entrümpelt, das Angebot konzentriert.

Noch kein Sendetermin

Der Abschied von alten Farben, von Engeln und ihren Kunstblumen fiel Kablinovic schwer. Doch nun ist sie begeistert. „Es hat sich auf alle Fälle einiges bewegt.“ Und das war überfällig. „Vor zwei Monaten habe ich gesagt, es muss was passieren. Sonst sind wir im Eimer.“ Die Bewerbung beim Sender folgte. Vor zwei Wochen gab es den ersten Kontakt – und dann zog der Wirbelsturm an.

Mittwoch war noch Aufräumen angesagt. Am Donnerstag, dem Tag 1 nach dem TV-Großeinsatz, öffnet das Wiener Kaffee wieder wie gewohnt um 11.30 Uhr (sonntags ab 15 Uhr). Wann die RTL-II-Folge ausgestrahlt wird, steht noch nicht fest.