Stalking – Richterin schickt Angeklagten zum Psychiater

Dieser Sarg in der Wohnung des Angeklagten machte die Polizei stutzig.
Dieser Sarg in der Wohnung des Angeklagten machte die Polizei stutzig.
  • Üble Stalking-Attacke mit Hundekot und Tierkadavern gegen 72-Jährige
  • Angeklagter Nachbar schweigt bislang zu den Vorwürfen der Anklage
  • Richterin lässt Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie prüfen

Essen/Gelsenkirchen.. Für den 62 Jahre alten Angeklagten, der seine zehn Jahre ältere Nachbarin übel gestalkt haben soll, wird es jetzt ernst. Die Essener Amtsrichterin Theresa Trösken unterbrach den Prozess und lässt den Gelsenkirchener psychiatrisch untersuchen. Es geht um seine Schuldfähigkeit und um die Frage, ob er wegen seiner Gefährlichkeit in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen werden soll.

„Meiner Mandantin geht es einfach nur darum, dass es aufhört“, sagte ihr Anwalt Arndt Kempgens nach dem Ende des zweiten Prozesstages. Übel ist der 72-Jährigen in den letzten Jahren mitgespielt worden. Lästig waren die Visitenkarten mit ihrem Namen, die ein Unbekannter an fremden Autos angebracht hatte. Darauf gab sie – fälschlich – zu, den anderen Wagen beschädigt zu haben. Schlimmer wurde es, als der Unbekannte Briefe mit sexuellen Anspielungen verschickte oder bei ihr Geschenkpäckchen mit einem Vibrator oder pornografischen Aufnahmen ankamen. Ganz übel schließlich die Ekel-Pakete mit Tierkadavern, Hundekot oder abgeschnittenen Fischköpfen.

Ein Sarg geschmückt mit einem Foto des verstorbenen Ehemannes

Auf den zehn Jahre jüngeren Nachbarn der 72-Jährigen kam die Polizei, als es aus dessen Wohnung stank und andere Nachbarn die Beamten informierten. Sie öffneten die Tür im Maritim-Wohnturm und blickten auf eine von der Decke baumelnde Puppe. Darunter ein Sarg, geschmückt mit einem Kreuz und einem großen Foto des verstorbenen Ehemannes der 72-Jährigen.

Den Verdacht belegten Dokumente, die bei der Hausdurchsuchung auf dem Computer des Angeklagten gefunden wurden. Zum Teil finden sich die Briefe wieder, die zu den Beweisen im Stalking-Prozess zählen.

Angeklagter schweigt weiterhin zu den Vorwürfen der Anklage

Ob der Angeklagte der Täter ist? Er schweigt weiterhin zu den Vorwürfen der Anklage. Blättert in der Akte, als die Richterin die Stalking-Briefe vorliest. Ein wenig pedantisch wirkt er. Eine Zeugin, die mit ihm liiert war, erzählt, dass er über seine früheren Freundinnen eine Excel-Tabelle geführt habe, in der er zum Beispiel Namen und Alter von deren Kindern notiert habe. Nachbarn sind der Angeklagte und die 72-Jährige immer noch. Anwalt Kempgens erzählt, dass gerichtlich festgelegt werden musste, wer wann die Sauna im Maritim-Tower besuchen darf.

 
 

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