Stadt Gelsenkirchen lockert Nachtruhe zur Fußball-WM nicht

Tobias Mühlenschulte
Das gibt’s nur einmal, das kommt nie wieder: Public Viewing in der Glückaufkampfbahn zur WM 2006.
Das gibt’s nur einmal, das kommt nie wieder: Public Viewing in der Glückaufkampfbahn zur WM 2006.
Foto: Martin Möller
Im Hans-Sachs-Haus soll es zur Fußball-Weltmeisterschaft ein kostenpflichtiges Public Viewing für knapp 400 Zuschauer geben. Obwohl vom Bund freigestellt, will die Stadt Gelsenkirchen aber nicht bei der gesetzlichen Nachtruhe einlenken. Bei privatem Rudelgucken wolle man aber nicht so streng sein.

Gelsenkirchen. In Gelsenkirchen wird es während der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 ein Public Viewing geben. Und zwar wetterunabhängig und an prominenter Adresse: Bis zu 400 Gäste sollen im Foyer des Hans-Sachs-Hauses auf Bierbänken Platz finden, erklärt Stadtsprecher Martin Schulmann auf Anfrage. Auf der großen Leinwand werden ausschließlich die deutschen Spiele gezeigt, ergänzt durch ein Unterhaltungsprogramm.

Bei der gesetzlichen Nachtruhe lenkt die Stadt nicht wie vom Bund freigestellt ein. Man wolle das aber mit Augenmaß handhaben, so Schulmann.

Auflagen und Kosten schrecken ab

Vorbei sind die Zeiten, als Fußball-Fans in die Glückaufkampfbahn strömten (WM 2006). Vorbei die Zeiten, als Menschen in Schwarz-Rot-Gold-Outfit sich auf der Freibadwiese im Sport-Paradies einfanden (EM 2008). Der Boom Public Viewing ist vorbei. „Es lohnt sich nicht, keiner will das riskieren“, sagt Martin Schulmann. Hier und da habe es von privater Hand allerdings Überlegungen gegeben, ein „Rudelgucken“ zu veranstalten.

Die Ausrichtung des Public Viewing zur EM 2008 im Sport-Paradies sei für den Ausrichter Emschertainment „ein finanzielles Desaster“ gewesen. Auch die strenger gewordenen Auflagen bezüglich der Sicherheit wolle sich niemand mehr antun. Zudem verlangt die Fifa für die Erteilung von Lizenzen für Public Viewing Gebühren. Für kommerzielle Veranstaltungen werden für bis zu 1000 zu erwartende Zuschauer 2000 US-Dollar erhoben.

Eine Bundesverordnung sieht zur WM 2014 eine Lockerung der Nachtruhe vor. Ob und in welchem Rahmen die Nachtruhe aufgeweicht wird, liegt in der Hand der Kommunen. In Gelsenkirchen wird es keine Ausnahmeregelung geben, man wolle eventuelle Verstöße aber mit Augenmaß behandeln: „Wir sind ja eine Fußballstadt.“ Nicht zuletzt deshalb geht Martin Schulmann auch davon aus, dass „sich keiner ernsthaft beschweren“ wird. Sollte eine Zusammenkunft im Biergarten oder im heimischen Wohnzimmer aber in eine wilde Party ausarten, „wird das ganz normale Konsequenzen haben“.