Sonnenstrom für alle

Großanlagen (wie auf dem Dach des Bogestra-Depots an der Hauptstraße) gibt es in Gelsenkirchen schon jede Menge. Die Zahl der Bürgersolardächer soll nun auch wachsen.
Großanlagen (wie auf dem Dach des Bogestra-Depots an der Hauptstraße) gibt es in Gelsenkirchen schon jede Menge. Die Zahl der Bürgersolardächer soll nun auch wachsen.
Foto: WAZ
Die Initiative SolarbürGEr setzt auf die Macht der Masse und gemeinsame Solar-Investitionen auf öffentlichen Dächern. Den Zuschlag für die erste Anlage bekam sie für ein Schuldach in Buer.

Gelsenkirchen. Eigentlich hätten sich die „SolarbürGEr“ für den Aufschlag ein richtig repräsentatives öffentliches Gebäude gewünscht. Das Hans Sachs Haus oder das Musiktheater beispielsweise. Eben eine Immobilie mit großer Strahlkraft, die sie für die Solarstrom-Gewinnung und ein besonderes bürgerschaftliches Modell nutzen können. Doch das HSH ist sozusagen schon besetzt (durch ein Fotovoltaik-Projekt der ELE), und auf dem MiR fehlen die baulichen Voraussetzungen.

Premiere bis Ende 2011

So wird es zur Premiere ein anderes, durchaus attraktives Flachdach sein, das die Idee und eine geplante Anlage mit einer Leistung von 30 kWp trägt: die Initiative bekam Donnerstag den Zuschlag für das Eduard Spranger Berufskolleg in Buer. Jährlich 28.500 Kilowattstunden Ökostrom sollen künftig jährlich an der Goldbergstraße 60 erzeugt werden. Die Vertragsunterunterzeichnung zwischen Kommune und Initiative soll zügig über die Bühne gehen. Im Idealfall läuft die rund 200 m² große Anlage zum Jahreswechsel. Die Zeit drängt, auch weil die Einspeisevergütung ab 2012 um rund 15 % reduziert und damit auch die errechnete Rendite gekappt wird. „Doch auch danach“, sind sich die Initiativler einig, lohnt sich der Einstieg: für Solarstrom-Produzenten, für die Umwelt, für die Stadtgesellschaft. Für Gelsenkirchen ist es ein weiterer Baustein zur Solarstadt – neben den vielen Großanlagen, zum Solardachkataster, zu Solarsiedlungen.

Nutze die Möglichkeiten der Masse

„In unserer Stadt gibt es ein stattliche Anzahl von Solarinteressierten, die als Mieter über kein Dach verfügen. Zudem weisen private Dachflächen oft in die falsche Himmelsrichtung, sind verschattet oder schwierig zu bewirtschaftendes Gemeinschaftseigentum. Dagegen, so der Journalist Tom Jost, verfüge die Stadt über eine Vielzahl geeigneter Gebäude, die das Aufstellen größerer Anlagen erlaubten. Aber vielfach fehlten ihr die Mittel, dieses Potenzial zu erschließen.

Hier kommen die Initiativler ins Spiel. Mit den Pfarrern Thomas Schöps und Dieter Heisig, mit Gaby Meyer-Ullrich und Dr. Rolf Brandel gehört Jost zum „Kern“ der „SolarbürGEr“. Alle verbindet eine simple Grundidee: nutze die Möglichkeiten der Masse, ermögliche möglichst vielen, sich einzubringen, schaffe Beteiligungsmöglichkeiten. „Das ist eine echte Win-Win-Situation“, finden sie, von der Städte wie Dortmund oder Essen schon länger profitierten.

Keine komplizierten Steuerregeln für die Einzelnen

Der Zusammenschluss von Sonnenstrom-Interessierten zur Investitionsgemeinschaft (und wohl naheliegend einer Genossenschaft) macht Sinn, weil die Einzelnen nicht Tausende Euro aufbringen müssen, um in die Zukunft zu investieren, weil sie nicht mit komplizierten Steuerregeln zu kämpfen haben, weil sie mitentscheiden können und ihr Beitrag in der Regel angemessen verzinst wird.

Letztlich, sind sich die Theologen sicher, „leisten wir einen Beitrag zum Erhalt der Schöpfung. Und: „Wenn die Stadt die Energiewende wie geplant vollziehen will, ist sie außerordentlich gut beraten, die Bürger mitzunehmen.“
Für die Bereitstellung öffentlicher Dächer bringt die Initiative einen Bürgerantrag ein. Er wird am 29. November im Umweltausschuss beraten.

 
 

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