Sonne, Schalke, Straßenparty - Rosenmontag in Gelsenkirchen

Jörn Stender
Bei schönstem Wetter fand der 41. Rosenmontagszug in Gelsenkirchen-Erle statt. Foto: Olaf Fuhrmann
Bei schönstem Wetter fand der 41. Rosenmontagszug in Gelsenkirchen-Erle statt. Foto: Olaf Fuhrmann
Foto: WAZ FotoPool
80.000 Menschen wurden zum Rosenmontag in Gelsenkirchen-Erle erwartet - und Zehntausende säumten denn auch bei Traumwetter den Weg des Zugs. Die Schalker und der Fußball lieferten die Steilvorlage für Motivwagen.

Gelsenkirchen. „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“ – Prinzessin Alexandra I. Schweinsberg muss Zeit überbrücken. Die Auftritts-CD für ihr Party-Duett mit Prinz Maik I. Heinze ist verschwunden. Ehe es zum Sound aus der Konserve ans Schunkeln geht, muss Fußball-Folklore die Zwangs-Pause akustisch füllen. Das Narrenvolk spielt mit, schmettert den Schlachtruf. Wie gut, dass S 04 den Bayern die Lederhosen ausgezogen hat. Das macht auch am Rosenmontag noch nachträglich Spaß in Erle.

Überhaupt die Schalker und der Fußball: Sie liefern die Steilvorlage für Motivwagen: Der KC Astoria feiert den Finaleinzug mit dem 1:0- Sieg in München, die KG Grün Weiß Resse hat die Arena im Mini-Format auf dem Hänger, Königsblau findet sich fast überall – und als Wurfgut sind Bälle besonders gefragt. Eben passend zum Zug-Motto: „Die 11 steht fest als Superzahl auf Schalke und im Karneval“.

Das Prinzenpaar hat seinen Cinderella-Traum von der ganz großen Kulisse wahr gemacht. Vom Piccolo-Wagen – einer Kürbiskutsche mit vorgespanntem weißen Schwan – geht es nicht in den Himmel, sondern die Cranger Straße hoch. Maik I dirigiert die Jecken am Straßenrand. Die kommen zäh in Schwung, stimmen aber schließlich mit ein. So soll es sein.

80.000 Menschen erwartet

Gut 80.000 Menschen wurden Rosenmontag in Erle erwartet. Gezählt hat sie keiner – und auch nicht die Bauarbeiter und kessen Cowboys, lustigen Kühe und heißen Häschen, dicke Bienen und noch dickere Brummer, einige versprengte Gruftis, scharfe Katzen (bevorzugt im Super-Mini) und goldige Prinzessinnen. Kostüm ist in (wenn auch in der Minderzahl), die kräftige Märzsonne fördert die Tendenz zum luftigen Outfit und kurbelt offenbar den Durst mächtig an. Am Kiosk an der Darler Heide decken sich die Jecken ein, die Tankstellen verkaufen mal keinen Sprit, aber alles mögliche für höhere Drehzahlen. „Billig tanken“ bekommt da als Werbespruch eine ganz neue Bedeutung.

Die sieben Zwerge sind gut drauf. Und auch die zehn Erler Kröten sind früh in Schwung. Giftgrün, aber gar nicht gallig. „Wir sind alles Erler Mädchen und Jungs“. Fremd feiern kommt da nicht in Frage. „Wir haben unseren Stammplatz hier“, sagt Marion. Und das alle Jahre wieder. Als Schmetterlinge und Hexen, selbst als Bonbons haben sich David, Anita, Astrid, Tanja, Bernie & Co. schon hier eingereiht. Wer die Kostüme bestimmt? „Die Frauen natürlich“, sagt „Kröte Andreas“.

Kamelle, Stofftiere, Strüssjer

Kurz nach 14 Uhr sind sie bereits in Position vor der Tribüne an der Cranger Straße. Noch anderthalb Stunden , bis die Zugspitze mit obligatorischer Dampflok und der 41 an der Front (für gleichviele Umzüge) passieren, bis der Moderator Zugleiter Werner Preißler („so früh warst Du noch nie da“) begrüßen wird. Fünf tiefschwarz gekleidete Bankräuberinnen nutzen die Wartezeit für ein kleines Tänzchen und Flirteinlagen. Beute haben sie bislang reichlich gemacht – zumindest bei den extra kopierten Euroscheinen, die aus ihren Geldbeuteln quellen. Darauf, dass endlich Kamelle, Stofftiere, Tüten und Tulpen regnen, warten Jil und Luca, Emeli, Nika und Jan – zwischen 5 und 8 Jahre alt. Als Sonne, Pirat oder Hexe sind sie unterwegs. Mit ihren drei Mamas stehen sie am Zugweg. „Wir wohnen hier, das Wetter ist schön, die Kinder wollten unbedingt zum Zug“, sagt eine Mutter. Mehr braucht es nicht. Für den Rest sorgen einmal mehr die Karnevalisten.Related content