Solo für einen Obdachlosen, der auch die Coolsten berührt

Markus Kiefer lässt auf der Bühne häufig seine Mimik sprechen. Sie steht Worten in nichts nach.
Markus Kiefer lässt auf der Bühne häufig seine Mimik sprechen. Sie steht Worten in nichts nach.
Foto: FUNKE Foto Services
„Markus Kiefer spielt im Singspiel von Norbert Labatzki einen Obdachlosen, der sein Leben Revue passieren lässt. Nach der Premiere konnte das Team im Applaus baden.

Gelsenkirchen.. Ein Obdachloser liegt zu Beginn am Boden. Markus Kiefer spielt ihn, und schon die Nuancen seines Schnarchens und Räusperns sind große Schauspielkunst auf kleiner Bühne. Das Publikum in der voll besetzten Flora belohnte Kiefer und seine Mitstreiter bei der Premiere von „Alles dreht sich oder Wo ist Elvis“ mit rasendem Beifall und Bravorufen.

Das Stück geht unter die Haut. Als Elvis erwacht, deckt er seinen eiskalten Kumpel Josh zu – den das Publikum nicht sieht. Ist Josh etwa tot, erfroren? Antworten gibt es nicht. Alle, mit denen der Mann namens Elvis spricht, sind unsichtbar.

Erfunden hat ihn Norbert Labatzki und er hat bei der letzten Straßenfeuer-Spendengala im Hans Sachs Haus mit einigen Kostproben damit wohl so viel Interesse geweckt, dass die Premiere am Samstag im Kulturraum Flora ausverkauft war.

Trauer um die verlorenen Liebsten

„Alles dreht sich oder Wo ist Elvis?“ ist ein Singspiel. Poetisch, berührend und kompromisslos hart. Elvis erzählt und singt aus seinem Leben; er kümmert sich um (imaginäre?) Freunde und vor allem betrauert er seine verlorene Liebe und ihr gemeinsames Kind. Und dass die Pommesfee verschwunden ist, der Engel in dem Perlonkittel und mit dem Pickel auf der Nase. Sie war gut zu ihm, hat ihn sogar angelächelt. Jetzt ist die Bude dicht.

Der mit dem Tod flirtet

Elvis macht sich über die Hektik und Ignoranz der „Normalen“ lustig, er ist pfiffig und wortgewandt, er tanzt und strauchelt. Elvis sammelt in Windeseile Flaschen ein, weil er das Pfandgeld dringend braucht, denn: „Da muss man morgens schnell sein, sonst kommen die Profis mit den langen Stangen. Und Ihr glaubt, wir haben keinen Stress?“

Markus Kiefer verkörperte 90 Minuten (die Pause tat allen gut) lang diesen Clochard. Er ist der Träumer und Gescheiterte, er ist der Lebenshungrige und der Mann, der mit dem Tod flirtet. Es war beeindruckend, mit welcher Klasse Markus Kiefer ganz alleine – nur mit den Musikern als Begleitung – präzise und pointiert, konzentriert und mit vollem Körpereinsatz, seine Arbeit leistet. Nahezu alle Stühle waren in der Flora besetzt. Am Ende badeten Markus Kiefer, Norbert Labatzki (Drehbuch und Musik), Musiker Peter Jung und Regisseurin Tatjana Sarazhynska im Applaus

Wer’s verpasst hat: Es gibt zwei weitere Aufführungen , nämlich am Freitag, 8. Mai, und Samstag, 9. Mai, 20 Uhr, jeweils um 20 Uhr im Kulturraum Flora, Florastraße.

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