Schräge Töne beim Auftakt des Akkordeon-Festivals Gelsenkirchen

Ralf Kaupenjohann, Norbert Zajac  und Markus Emanuel Zaja (v.l.) gestalteten den Auftakt zum Akkordeon-Festival.
Ralf Kaupenjohann, Norbert Zajac und Markus Emanuel Zaja (v.l.) gestalteten den Auftakt zum Akkordeon-Festival.
Foto: FUNKE Foto Services
Das Duo "kẑrme" und Norbert Zajac näherten sich in der Buerschen Werkstatt dem Thema Migration

Gelsenkirchen.. In sieben Moritaten sollten die Geschichten verschiedener Mitglieder der Familie Zajac behandelt werden. Deren Nachfahre Norbert Zajac übernahm den stimmlichen Part - wohlweislich stand im Programmheft nicht „Gesang“. Co-Veranstalter Ralf Kaupenjohann am Akkordeon und Markus Emanuel Zaja an der Klarinette bewiesen sich erneut als subtile Erzeuger teils improvisierter Soundscapes.

Es sollte um Migration gehen, um die Schicksale von sieben Menschen, die zwischen 1895 und 1926 in Orten wie Lukow, Warta oder Herne zur Welt gekommen waren und – das lässt die Geschichte erahnen – Opfer des Holocaust wurden. Ob sie den Völkermord überlebten oder nicht – das zu erfahren hätte erhellend sein können. Nein, eigentlich war das die wirklich spannende Frage dieses vorgegebenen Themas.

Ein durchaus spannender Abend

Doch was Norbert Zajac bot, muss als in sich geschlossene künstlerische Leistung ganz eigener Prägung bewertet werden. In einer bewusst unverständlich gehaltenen Kunstsprache, die – ähnlich der von Anthony Burgess in seinem Roman „Clockwork Orange“ – slawische wie jiddische und mit unter englische Elemente enthielt, grunzte der kahlköpfige Weißbartträger die Moritaten ins Mikrophon. Er schlürfte, gurgelte und schmatzte wie einst Don van Fliet zu Hochzeiten von Captain Beefheart.

Musikalisch hatte sich wohl der Großteil der rund 30 zumeist älteren Gäste auf einen munteren Klezmer-Abend vorbereitet. Anteile dieser Spielart jüdischer Musikkultur bot das Trio durchaus, mehr aber auch nicht. Musste es auch nicht, denn es spielte seinen ureigenen Stil – avantgardistisch, extravagant, schräg. Für jede Moritat zündete Zaja ein Teelicht an, für den Epilog eine Kerze. Zu dem Zeitpunkt, 20.40 Uhr, waren viele Besucher bereits gegangen. Trotzdem – ein durchaus spannender Abend.

 

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