Schatten auf der Lunge

Dr. Uwe Keske (Chefarzt der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin am Marienhospital Gelsenkirchen) referierte am Mittwoch  beim WAZ-Medizinforum zum Thema "Schatten auf der Lunge".
Dr. Uwe Keske (Chefarzt der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin am Marienhospital Gelsenkirchen) referierte am Mittwoch beim WAZ-Medizinforum zum Thema "Schatten auf der Lunge".
Foto: WAZ FotoPool

Gelsenkirchen.. „Rauchen kann tödlich sein.“ Das steht auf Zigarettenschachteln. Und eigentlich weiß das auch jeder. Die Zahl der Erkrankungen nimmt weiter zu. Und die Gefahr ist groß. Meistens nämlich fällt ein Bronchialkarzinom erst dann auf, wenn es schon zu spät ist, erklärten die Ärzte beim WAZ-Medizinforum am Mittwoch im Augustinushaus.

Die meisten „Schatten auf der Lunge“ werden zufällig erkannt, etwa bei einer Röntgenaufnahme des Brustkorbes. Doch so ein Schatten ist noch nicht aussagekräftig. „Das kann verschiedene Ursachen haben“, sagte Dr. Uwe Keske, Chefarzt der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin im Marienhospital. „Möglich sind eine Lungenentzündung oder ein Restbefund nach einer Entzündung, aber auch Tuberkulose, Steinstaublunge und eben ein Bronchialkarzinom oder eine Lungenmetastase.“ Ein wenig könne das Aussehen des so genannten Rundherdes ein Indiz sein, ob es ein gutartiges oder bösartiges Geschwulst sei. Um weitere Untersuchungen aber kommen Arzt und Patient nicht umhin.

Aufschluss kann nur eine Gewebeprobe bringen, die heute oft mittels einer CT-gesteuerten Punktion entnommen werden kann. „Das ist für den Patienten wenig belastend, dauert zwanzig Minuten und kann unter Lokalanästhesie durchgeführt werden“, so Keske.

Eine Untersuchung mittels Gewebeprobe dauert nur 20 Minuten

Andere Diagnoseformen fallen in den Bereich eines Internisten wie Dr. Markus Wittenberg, Chefarzt am Sankt Marien-Hospital. Der Mediziner schilderte mögliche Symptome. „Husten und Heiserkeit über einen längeren Zeitraum können eines sein, auch anhaltendes Fieber, fortschreitende Luftnot, Brust- oder Schulterschmerz, ein ungewollter Gewichtsverlust und auch ein Leistungsknick.“

Bei einem begründeten Verdacht stehen dem Internisten mehrere Untersuchungsformen zur Verfügung. Eine davon ist die Sonographie, die sich anbietet, wenn der Rundherd am Rande der Lunge angesiedelt ist. Eine weitere ist die Bronchoskopie. Die Argon-Plasma-Koagulation schließt bereits therapeutische Ansätze mit ein.

Für eine OP müssen verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein

Hier wird das Edelgas Argon durch einen Arbeitskanal in die Atemwege gebracht und durch Strom leitfähig gemacht. Der entstehende Lichtbogen sucht das Tumorgewebe, das in seiner Struktur anders ist als gesundes. „So kann man größere Tumore, die den Bronchus verschließen, wegbrennen.“

Oft aber ist eine Operation angebracht. Wobei letztlich nur gut ein Drittel der Patienten operiert werden können. Denn nicht immer stimmen die Voraussetzungen, erklärte der Thoraxchirurg Dr. Thomas Bergmann (Marienhospital). „Die technische Operabilität muss da sein, also es muss sicher sein, dass der Tumor entfernt werden kann, und die funktionelle Operabilität muss gegeben sein. Der Patient muss fit genug sein.“

Mehrere Operationsverfahren sind möglich

Steht eine Operation an, können mehrere Verfahren gewählt werden. Dazu gehören Schlüsselloch-OP, Brustkorböffnung zwischen zwei Rippen und die Operation an der Lunge und den Bronchien sowie an Nachbarorganen. „Entscheidend ist für uns die komplette Entfernung des Tumors bei gleichzeitiger Erhaltung von Lungengewebe. Denn Lungengewebe bedeutet Lebensqualität“, so Bergmann.

Wenn keine Operation möglich ist, stehen wieder internistische Verfahren an, die Dr. Jürgen Schirp, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Gastroenterologie am Marienhospital vorstellte. Er bezog sich vor allem auf die Behandlung des weitaus häufigeren nicht-kleinzelligen Tumors. Hier ist die Strahlentherapie möglich, die das Erbgut von Tumorzellen so schädigt, dass sie absterben. Da die Strahlen gut gebündelt werden können, kann die Behandlung gezielter eingesetzt werden und hat weniger Nebenwirkungen.

Heilungschancen bestehen nur bei einer Operation

Eine weitere Behandlung, auch in Kombination mit der Strahlentherapie, ist die Chemotherapie, bei der teilungsfähige Tumorzellen zerstört werden. „Und das unter größtmöglicher Schonung der gesunden Körperzellen“, so Schirp. Die Chemo könne vor und nach einer OP eingesetzt werden. „Vorher nutzt man sie, um einen Tumor zu verkleinern. Nachher verbessert sie das Langzeitüberleben.“

Heilungschancen, das stellten alle Ärzte fest, bestehen beim Bronchialkarzinom nur bei einer Operation. Dennoch zeigten sie optimistisch. „Die Medikamente, die langsam auf den Markt kommen, geben Anlass zur Hoffnung“, so Schirp.

Für Lungenkrebs gibt es keine Vorsorgeuntersuchung

Eine Vorsorgeuntersuchung für Lungenkrebs gibt es nicht. Auch, weil es dafür kein geeignetes Untersuchungsverfahren gibt. Tun kann jeder dennoch etwas, das unterstrichen die Ärzte. Und der Schlüssel zum Erfolg ist einfach: Man darf nicht rauchen.

85 Prozent der Fälle von Lungenkrebs wurden durch Zigarettenkonsum verursacht. Wer dreißig Jahre lang eine Schachtel am Tag raucht, der gehört klar zur Risikogruppe. Besonders tragisch dabei ist, dass der Lungenkrebs eine unglaublich hohe Sterberate verursacht. Rund zwei Drittel der Patienten können gar nicht operiert werden. So sterben rund 40.000 Menschen jährlich an Lungenkrebs.

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