Gelsenkirchen

Schalke-Fahrschule aus Gelsenkirchen rechnet mit OB ab – „Das ist eine Schande!“

Der Inhaber der Blauweissen Fahrschule in Gelsenkirchen-Schalke schlägt Alarm. (Archivbild der alten Geschäftsräume)
Der Inhaber der Blauweissen Fahrschule in Gelsenkirchen-Schalke schlägt Alarm. (Archivbild der alten Geschäftsräume)
Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen. Wenn Schalke spielt, dann blickt alles auf die Schalker Meile, der Traditionsmeile des Vereins. In der Nähe der altehrwürdigen Glückauf-Kampfbahn stimmen sich die königsblauen Fans in den Vereinslokalen auf die Schalker Spiele ein.

Hier auf der Kurt-Schumacher-Straße sitzt auch die „Blauweisse Fahrschule“. Wie lange Inhaber Steffen Schiegner (51) es im Stadtteil Schalke-Nord noch aushält? Dahinter steht ein großes Fragezeichen. Denn der 51-Jährige ist mächtig angefressen. Seine Wut richtet sich jetzt gegen seinen Vermieter, aber auch gegen den Gelsenkirchener Oberbürgermeister Frank Baranowski (SPD).

Schalke-Fahrschule ledert gegen Gelsenkirchen-OB: „Unzumutbar“

Dem OB aus Gelsenkirchen wirft der Fahrschulen-Betreiber vor, untätig dabei zuzusehen, wie der Stadtteil immer weiter verwahrlose.

„Wir als Firma im Stadtteil Schalke Nord möchten Sie bitten, etwas gegen die unzumutbaren Zustände in unserem Stadtteil zu unternehmen und einladen sich diese einmal vor Ort uns anzusehen“, heißt es in einem offenen Brief an Baranowski, den die Fahrschule am Dienstag bei Facebook gepostet hat:

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Fahrschule beschwert sich über verwahrlostes Schalke

Darin beschwert er sich über unhaltbare Zustände in seinem Stadtteil, der für Unternehmer wie ihn immer unattraktiver werde. „Laufkundschaft gibt es hier überhaupt nicht. Alle Ladenlokale machen dicht“, berichtet Schiegner im Gespräch mit DER WESTEN.

Sein Opa sei in Schalke groß geworden, genauso sein Vater. „Damals sah es hier noch anders aus. Jetzt ist einfach alles nur noch scheiße“, rechnet der 51-Jährige ab.

„Hier so ein bisschen die Straßenlaternen blau anzumalen, das reicht nicht. Da kann ich auch ein Schalke-Logo auf einen Sperrmüllhaufen kleben“, wird er deutlich.

„Bei uns leben nur arme Schweine im Haus“

Sein eigener Vermieter mache den Fahrschulen-Besitzer besonders wütend. Der Investor sitze im Ausland und sei komplett unerreichbar. Innerhalb von zwei Jahren habe der Verwalter vier Mal gewechselt.

Alle Mieter würden fleißig ihre Nebenkosten bezahlen, doch davon lande nichts bei den Versorgern. Die hätten Mahnungen an die Verwaltung und Mieter geschickt mit der Drohung, Gas und Wasser zu kappen. Ohne Ergebnis. Daraufhin seien die Gaszähler im kalten Januar dieses Jahres ausgebaut worden.

Die Fahrschule habe es sich leisten können, einen neuen Zähler einbauen zu lassen und einen eigenen Vertrag mit dem Versorger auszuhandeln. „Aber die anderen acht Mieter sind arme Schweine und können sich das nicht leisten“, berichtet er. Vor dem anstehenden Winter stehen sie noch immer ohne Heizung da. „Das ist doch ein Schande“, sagt Schiegner.

Fahrschule zahlt Wasser für Gemeinschaft

Immerhin habe das Unternehmen verhindern können, dass Gelsenwasser das Wasser abdreht. 1.000 Euro habe die Fahrschule nachgezahlt und würde Schiegners Angaben zufolge monatlich 260 Euro für die gesamte Mietgemeinschaft berappen.

In anderen Häusern des Stadtteils sei die Lage nicht anders. Der Investor halte neben dem Haus mit den Geschäftsräumen der Fahrschule beispielsweise auch das gelbe Haus auf der Schalker Meile.

Von Frank Baranowski erwartet der Fahrschulen-Besitzer nun ein offenes Ohr. Es sei immerhin sein zweiter offener Brief an den OB. Der Verwahrlosung wegen spekulierender Immobilien-Investoren müsse Einhalt geboten werden. Denn als glühender Schalke-Fan möchte er zu gern im Stadtteil bleiben. „Wenn sich hier aber nichts ändert, bin ich gezwungen, woanders hinzugehen“, so Schiegner.

Oberbürgermeister schreibt möglicherweise einen Brief zurück

Stadtsprecher Martin Schulmann geht daher davon aus, dass der OB Baranowski seinerseits mit einem Brief auf die verbitterte Nachricht von Schiegner reagieren wird.

Schulmann kennt die Probleme in Schalke zwischen der A42 und der Berliner Brücke. „Es ist eine schwierige Situation für die Menschen, die dort wohnen“, sagt er. Verkehrslärm, Feinstaubbelastung. 40.000 Fahrzeuge donnern jeden Tag über die Kurt-Schumacher-Straße.

Vermieter pflegen Wohnhäuser nicht

Tatsächlich gebe es dort viele Leerstände, sowohl bei gewerblichen Immobilien als auch bei Wohnungen. „Aber wenn die Hausbesitzer ihre Häuser nicht pflegen, kann die Stadt auch nichts dafür“, sagt Schulmann.

Kurzfristig kann Schiegner mit seinem Brief den Stadtteil nicht verbessern. „Man kann im großen überlegen, ob man da was verändern kann“, sagt der Stadtsprecher. Das ginge allerdings nicht von heute auf morgen. (vh)

 
 

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