„Ruhrgebiet in Blue“ im goldenen Container 001

Allle blau: Jonny Vekemans Fotos von Industriegebäuden des Ruhrgebiets, die er alle mit einer Lochkamera aufgenommen hat.
Allle blau: Jonny Vekemans Fotos von Industriegebäuden des Ruhrgebiets, die er alle mit einer Lochkamera aufgenommen hat.
Foto: Funke Foto Services
Jonny Vekemans hat seinen Gold-Container als mobile Galerie vor dem Wissenschaftspark positioniert. Mit der Loch-Kamera schafft er Revierbilder.

Gelsenkirchen.. Manchmal braucht es, bis sich die Kultur so richtig positioniert und – wie gewünscht – querstellt. Ein goldener Container steht seit Montag vor dem Wissenschaftspark. Vorbeikommen, Reingucken und Mitmachen sind hier erwünscht. Der belgische Fotokünstler Jonny Vekemans hat hier vom 19. bis 31. August seinen großen Auftritt: Im Container entwickelt er Revier-Impressionen, eingefangen mit der Loch-Kamera, belichtet als Cyanographie, dieser fotografischen Technik des vorletzten Jahrhunderts.

Kostenloser Kameraverleih

Das „Ruhrgebiet in Blue“ entsteht so als Kunst-Mitmachprojekt. Menschen sind eingeladen, sich zu beteiligen. Von 11 bis 19 Uhr können sie im Aktionszeitraum täglich am Container vorbeikommen und selbst mit einer simplen Variante der Camera Obscura Bilder vom Wissenschaftspark und dem Ruhrgebiet aufnehmen. Vekemans wird sie vor Ort entwickeln und den Akteuren zuschicken. Der Eintritt ist frei, der Camera-Verleih kostenlos, eine Anmeldung von Einzelpersonen nicht erforderlich. Die Aktion ist Teil des Programms des Wissenschaftsparks zum 20-jährigen Bestehen und passt bestens ins Bild – hat sich doch hier ein Ort zeitgenössischer Fotografie etabliert.

Doch Montag hieß es zunächst einmal liften, rücken, Daumen drücken. Ehe der goldene Container auf ein paar Holzplanken sicher abgestellt werden konnte, kam er einem Baum und der Wipa-Fassade bedrohlich in die Quere, waren Fingerspitzengefühl am Kransteuerstand und Muskelkraft außen vor gefragt. Auf einem belgischen Tieflader wurde der riesige Kunst-Behälter vorgefahren und am Autokran-Haken am Arbeitsgericht eingeschwenkt.

Dokumentation des Bergbau-Erbes

In Belgien, in Österreich und im Erzgebirge oder auch in Polen hat der Container mit der Nummer 001 schon gestanden, vornehmlich in ehemaligen Montanregionen. Vekemans ist unterwegs, um das Bergbau-Erbe zu dokumentieren. Mit den Menschen vor Ort wächst seine besondere Sammlung von Industriekultur, produziert wird das internationale Projekt von Paul Boutsen von „Coalface“.

„Es geht darum, das kulturelle Erbe experimentell zu erfahren und zusammen zu bringen“, sagt Wipa-Geschäftsführer Dr. Heinz-Peter Schmitz-Borchert, der Montag mit „bild-Sprach“-Projektleiter Peter Liedtke das Spektakel vor dem Haus und den Container-Umzug beobachtete. Doch dann öffneten sich nach einigem Hin und Her die Türen für den besonderen Blick aufs Revier, auf Nordstern und Zollverein, auf den Oberhausener Gasometer. Und natürlich auf den Wissenschaftspark. Allesamt in Blau auf weiß, aufgenommen und entwickelt mit der Technik von vorgestern. Und dann digital vergrößert. Eine wahre Transformation...

Jedes Foto ein Originalkunstwerk

Zehn Jahre lang hat Jonny Vekemans bis in die 1980er Jahre als Bergmann auf einer Zeche im belgischen Winterslag gearbeitet. Sieben Gruben hat es damals in der Region Limburg gegeben. Der nötige Strukturwandel hat in der Heimat des 55-Jährigen ähnlich wie im Revier vor allem eines produziert – zahlreiche Arbeitslose.

Seit Jahren setzt sich Vekemans mit dem Thema künstlerisch auf besondere Art auseinander. „Wer mit der Lochbildkamera fotografiert“, sagt er, „bekommt ein anders Bewusstsein für die Umgebung, die Orte und die Industriekultur, in der er lebt oder arbeitet. Man beginnt, seine Umgebung genauer zu betrachten. Und man kann mit dieser Kamera ein Bild machen – und das ist ein Originalkunstwerk.“

Vekemans wird für Fotografie-Interessierte kostenlose Workshops anbieten, auch die Cyanographie als Edeldruckverfahren vorstellen. Termine: 21. August (17-20 Uhr), 23. August (10-13 Uhr), 25. August (18 -21 Uhr), 27. August (18-21 Uhr). Info:T. 0209 167 1012.

 
 

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