Robbie Williams berauscht 50.000 Fans in der Arena in Gelsenkirchen

Robbie Williams verzaubert 50.000 Fans bei seinem Konzert in der Arena in Gelsenkirchen.
Robbie Williams verzaubert 50.000 Fans bei seinem Konzert in der Arena in Gelsenkirchen.
Foto: Sebastian Konopka
Einer der größten Entertainer der Musik-Welt ist zurück auf Deutschlands Bühnen: Robbie Williams zelebrierte seinen Tournee-Auftakt in Gelsenkirchen mit einem perfekt durchkomponierten Konzert und frechen Sprüchen. Ein Fan wird den Abend gewiss nie vergessen.

Gelsenkirchen. Mia aus Berlin wird diesen Abend so schnell nicht vergessen. Es wird von nun an immer der Abend sein, an dem ihr Idol Robbie Williams die 20-Jährige auf die Bühne der Schalker Arena geholt hat, um mit ihr im Arm zu singen, mit ihr zu tanzen und fortgesetzt zu schäkern.

Dass der Star des Abends ganz nebenbei erzählt, er picke sich immer die Dame mit den größten Brüsten aus dem Publikum vor der Bühne heraus, nimmt sie in ihrem Glücksrausch wahrscheinlich gar nicht richtig wahr.

Wir aber nehmen sehr wohl wahr, dass Robbie Williams selbst mit 39 Lenzen immer noch der alte zotige Nachbarsjunge geblieben ist, als den man ihn kennt. Auch wenn man ihn über sechs Jahre nicht als Solokünstler auf einer Bühne hat erleben können.

Robbie Williams zelebriert seinen Auftritt in Gelsenkirchen

Jetzt aber ist er wieder da und hält Hof vor seinen etwa 50.000 Untertanen, die sich in Gelsenkirchen am Mittwochabend zum Auftakt der „Take the Crown“-Tournee versammelt haben. Sie erleben einen Robbie Williams, der natürlich nicht einfach nur auftreten will, sondern der seinen ganz besonderen Auftritt zelebriert.

Unter dem Dach der Arena-Kuppel steht er auf dem Kopf einer der vielen Robbie-Masken im Bühnenbild und rauscht an einem Seil hernieder in Richtung auf ein Publikum, das sich längst schon im Rausch befindet.

Man spürt es, dass dieser Brite mit seiner langen Kette von Erfolgen tatsächlich lieber ein Entertainer wäre als ein Pop-Star, wie sein stetiger Eröffnungssong „Let Me Entertain You“ jedes Mal ankündigt. Deshalb auch läuft „Candy Man“ vor seinem Auftritt vom Band, einst das Erkennungslied von Sammy Davis jr., deshalb baut er mit „Minnie the Moocher“ eine Hommage an den legendären Vaudeville-Sänger und Bandleader Cab Colloway ein. Und deshalb trägt Williams inzwischen einen funkelnden Kurzmantel und jongliert cool mit einem Gehstock. All die Ingredienzien sind vorhanden, allein die Lautstärke der Musik, die Robbie nur durch stärkste Inanspruchnahme seiner Stimmbänder überbieten kann, zertrampelt jede Intimität.

Womit wir auch bei dem Kapitel Fäkalsprache wären, die Williams so heiß und innig liebt. Schon seine Vorstellung („I’m Robbie fucking Williams“) kündet davon. Später wird er das Publikum noch mit der Größe seiner Genitalien erfreuen und Umschreibungen für den Stuhlgang in seine Songs einbauen.

Wenn er nicht gerade mal wieder im Unterleib umherkriecht, dann schmiert er dem Publikum mit zahllosen Bekenntnissen seiner Liebe zu Deutschland Honig ums Maul. Seinen Höhepunkt findet diese Form von Anbiederung mit einer neuen Zeile in seinem Hit „I Come Undone“: „Germany, i will always be your son“ (Deutschland, ich werde immer dein Sohn sein).

Konzert von Robbie ist musikalisch wunderbar durchkomponiert

Von solchen Einlagen zweifelhaften Geschmacks und der wummernden Akustik mal abgesehen, ist der Abend musikalisch wunderbar durchkomponiert. Das ist mehr als nur das Absingen einer Songfolge, das ist schon eher eine Inszenierung. Viele Stücke werden dabei miteinander verwoben: Aus „I Come Undone“ hört man bereits die Basslinie von Lou Reeds „Walk On the Wild Side“ heraus, die dann einer Erinnerung an alte „Take That“-Zeiten Platz macht.

Drei akustisch mit Gitarre vorgetragene Titel fließen unmerklich ineinander, bis zum großen Finale sich „Candy“, „Hot Fudge“, „Rudebox“ und „Rock DJ“ zu einer fulminanten Robbie-Williams-Show zusammenfügen. Denn nach all den Papierschlangen, Luftballons und Feuerbällen, die bereits abgefeuert wurden, hat dieser Kerl sein Pulver noch lange nicht verschossen.

Selbst die drei Zugaben sind genau austariert. Es fängt mit „Feel“ an, steigert sich zu „She’s The One“ und endet, weitgehend „a capella“, mit dem gemeinsamen Absingen von „Angels“. Da hat Robbie Williams sein Publikum da, wo er es haben will: Emotional völlig trunken sind sie nun das Produkt einer gigantischen Ego-Show.

Keinen Gedanken verschwenden sie daran, dass dieser Brite in bescheidenerem Rahmen und ohne ständig den Rude Boy raushängen zu lassen, vermutlich wirklich ein guter Entertainer wäre. Aber welcher Künstler will sich schon kleiner setzen, wenn er solche Menschenmassen bewegen kann.

Auf seiner Tournee gibt Robbie Williams unter anderem noch Konzerte in Amsterdam (13. Juli), Hannover (27. Juli), Brüssel (3. August), München (7. August), Stuttgart (11. August).