Respekt für Gauck, Kritik an Merkel

Gelsenkirchen.  Christian Wulff? „Das ist ein sehr guter Kandidat, der in breiten Teilen der Bevölkerung Zustimmung finden wird“, sagt CDU-Chef Guido Tann. Das sehen politische Gegner in Gelsenkirchen allerdings ganz anders.

So bedauert SPD-MdB Joachim Poß, dass „Frau Merkel nicht auf unsere Gesprächsangebote eingegangen ist“. Die Kanzlerin habe nicht die Kraft besessen, über den Tellerrand hinauszuschauen. Sie habe sich offenbar von rein parteipolitischen Dingen leiten lassen. Joachim Gauck habe eine konservative Seite und wäre auch für CDU und FDP ein tragbarer Kandidat gewesen, sagt der stellvertretende Bundestagsfraktionsvorsitzende.

Gelsenkirchens SPD-Chefin Heike Gebhard hatte allerdings eher andere Konsenskandidaten auf der Rechnung - „zum Beispiel Margot Käßmann“. Sie habe gehofft, dass Angela Merkel die Größe besessen und sich in der Findungsphase auch mit SPD und Grünen an einen Tisch gesetzt hätte. „Das parteipolitische Klein-Klein in einer solchen politischen Situation ist mehr als bedauerlich“, so die Landtagsabgeordnete. Robert Zion teilt diese Ansicht. Und: Der Grünen-Sprecher hätte wie Gebhard Gefallen an der Kandidatin Käßmann gefunden.

FDP-MdB Marco Buschmann kann die rot-grüne Schelte an der Kandidatenauswahl nicht nachvollziehen: SPD und Grünen seien nicht wirklich um einen Konsens bemüht gewesen. Sondern: Sie hätten den Köhler-Rücktritt zum Politikum hochstilisiert und für sich nutzen wollen. Er befürworte einen Präsidenten Wulff, so Buschmann. Auch deshalb, weil dieser für eine erfolgreiche schwarz-gelbe Zusammenarbeit stehe. Aber: Auch Joachim Gauck sei respektabel. Eine Kandidatur Ursula von der Leyens „wäre dagegen kein gutes Signal gewesen“, so Buschmanns unter Verweis auf die Netzsperren-Initiative der ehemaligen Familienministerin (Stichwort: „Zensursula“).

Für Guido Tann ist Christian Wulff die Wunschbesetzung fürs Präsidentenamt. Dass Union und FDP einen eigenen Vorschlag entwickelt haben, sei angesichts der Mehrheitsverhältnisse völlig normal. Ursula von der Leyen wäre ebenfalls eine gute Präsidentin geworden, glaubt der CDU-Vorsitzende. Aber: „Sie wird im Bundeskabinett gebraucht.“

 
 

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