Reitverein ETuS Gelsenkirchen kämpft im Außeneinsatz für neue Halle

Melanie Meyer
Mit einer Benefizveranstaltung versuchte der Reitverein ETuS Gelsenkirchen Gelder für den Neubau einer Reithalle zu sammeln. Im Winter war die alte Halle auf der Anlage an der Dessauerstraße unter der Schneelast zusammengebrochen.  Foto: Martin Möller
Mit einer Benefizveranstaltung versuchte der Reitverein ETuS Gelsenkirchen Gelder für den Neubau einer Reithalle zu sammeln. Im Winter war die alte Halle auf der Anlage an der Dessauerstraße unter der Schneelast zusammengebrochen. Foto: Martin Möller
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Seit dem Einsturz seiner Reithalle kämpft der Reitverein ETuS Gelsenkirchen um die Existenz. Jetzt lud er zu einer großen Benefizveranstaltung an der Dessauerstraße ein. Die Einnahmen reichen zwar noch lange nicht, aber aufgeben kommt nicht in Frage.

Gelsenkirchen. „Wir möchten Sie noch einmal daraufhin weisen, dass alle unsere heutigen Einnahmen in den Bau einer neuen Halle fließen.“ Diese Worte waren am Sonntag auf dem Reitplatz von ETuS Gelsenkirchen allgegenwärtig. Immer wieder tönte die Durchsage über den Platz und verlieh dem fröhlichen Tag der offenen Tür eine ernste Note. Der Verein, dessen Existenz seit dem Zusammenbruch seiner Reithalle im letzten Winter bedroht ist, hatte einen abwechslungsreichen Tag organisiert, bei dem die Freude am Reitsport kurzweilig zurückstecken musste.

Zwar lockten Flohmarkt, Glücksrad, Ponyreiten und kreative Spielchen mit und ohne Pferd unglaublich viele Besucher auf den Platz an der Dessauerstraße – doch die Stimmung blieb getrübt. „Das ist von meiner Tochter, das von meiner Enkelin und das ist von mir“, sagte Klaus Koch (75) und legte Betreiberin Monika Patryas drei Scheine auf den Tisch – eine Spende.

Flohmarkt, Glücksrad und kreative Spiele

Diese Spenden, und seien sie noch so klein, sind ungemein wichtig für den Verein – auch wenn es an großen Sponsoren noch fehlt. „Wir rühren in Ückendorf selbst natürlich die Werbetrommel, hoffen Hilfe von ansässigen Unternehmen zu finden. Doch wir brauchen jemanden, der den Anstoß gibt, der uns als erster mit einer größeren Summe unterstützt“, sagte Patryas. Doch die „normalen“ Bewohner haben verstanden, was es bedeutet, wenn der Reitverein sich nicht länger halten kann. Er ist der einzige im Gelsenkirchener Süden und bietet Reitunterricht für kleines Geld. „Die Rückmeldungen, die wir bekommen, sind eindeutig“, sagte Patryas, „alle unterstützen uns, nur die Stadt ist noch nicht wirklich auf unserer Seite.“

Das Problem: der Verein kann eine neue Halle, die rund 100 000 Euro kosten würde, nicht finanzieren. Doch weder die Politik noch die Wirtschaft habe sich bisher als größerer Förderer hervorgetan. Also muss der Verein alleine ran. Mobilisiert seine Kräfte bis es nicht mehr geht. Die Stütze der ehrenamtlichen Arbeit: die Jugend. „Hier sind jeden Tag circa 20 Mädels, die arbeiten und mithelfen. Das alles in ihrer Freizeit, neben der Berufstätigkeit“, so Patryas. Auch ihr ist die Anspannung anzumerken. Immerhin geht es bei dem Rettungsversuch des Vereins für sie auch um eine persönliche Angelegenheit. „Hier haben Leute teilweise ihr ganzes Leben verbracht, das ist auch ein Stück Lebenswerk“, sagte Patryas, deren Familie seit vielen Jahren den Reitplatz betreibt.

Showeinlagen von Pferden und Reitern

Kommenden Donnerstag steht ein nächster wichtiger Termin an. „Da lege ich Gelsensport unseren Finanzplan vor“, so Patryas. Nach Eigenkapital wird da gefragt. „Wir haben kein Bargeld. Wir sind ein gemeinnütziger Verein. Unser Kapital sind die Vierbeiner, die hier rumlaufen“, sagte Patryas. Eine Spur Sarkasmus ist da zu hören. Kaum zu verübeln. Aber aufgeben? „Auf keinen Fall.“ Positiv ist in diesen Tagen, dass der Tag der offenen Tür gut besucht ist, gut ankommt. Das Publikum zeigt sich begeistert von den Showeinlagen der jungen Reiterinnen und ihrer Kreativität. Wann sieht man schon mal ein Ferrari-Pferd oder Braut und Bräutigam mit „Just married“ am Pferdepo.

„Heute war es uns wichtig, dass die Menschen sehen, welche Arbeit hier geleistet wird, und dass es sich lohnt dies zu unterstützen“, sagte Patryas. Vielleicht waren der Elan und der auffällige Wille zum Weitermachen auch der Grund, warum so viele Besucher die Mühen mit dem Kauf von vielen Bratwürstchen, Waffeln und selbstdesignten Hufeisen honorierten. Für den Verein ein Segen, wie der anschließende Kassensturz zeigte: 5 185, 72 Euro wurden eingenommen.