Ramschware Hund – teuer bezahlte Tierliebe

Diesen Augen kann wohl keiner widerstehen. Doch die „Spontankäufe“ landen in großem Maße im Tierheim.
Diesen Augen kann wohl keiner widerstehen. Doch die „Spontankäufe“ landen in großem Maße im Tierheim.
Foto: picture alliance / dpa
  • Mitleid erregen – das ist die perfide Masche der Hundeschmuggler
  • Meist aus osteuropäischen Massenzuchtbetrieben gelangen die Welpen nach Deutschland
  • Um den illegalen Handel mit Welpen einzudämmen, sind die Behörden auf Hinweise angewiesen

Gelsenkirchen. Ein treuer Blick aus den kleinen Kullerlaugen, ein hilfloser Eindruck, der durch das tapsige Verhalten noch verstärkt wird – und schon ist es um die meisten Menschen geschehen. Beim Anblick von Hundewelpen wird bei vielen Menschen der Verstand ausgeschaltet, es geht einfach ans Herz. Und genau das ist die perfide Masche der Hundeschmuggler. Meist aus osteuropäischen Massenzuchtbetrieben gelangen die Welpen nach Deutschland. Auch in Gelsenkirchen versuchen die Schmuggler ihre „Wühltischware: Hund“ an den Mann zu bringen. Dass Käufer von Hundewelpen sich in vielen Fällen jedoch strafbar machen, wissen manche Käufer nicht.

Erst vor kurzem konnte die Stadt durch einen anonymen Hinweis aus der Bevölkerung, Staffordshire (Staff) Terrier Welpen beschlagnahmen. „Es gibt schon lange gewisse Rassen, die weder gezüchtet, noch nach Deutschland eingeführt werden dürfen“, sagt Dirk Heinze vom Gelsenkirchener Ordnungsamt. „Das sind Rassen, die im Landeshundegesetz NRW als gefährliche Hunde eingestuft werden.“

Dazu gehören unter anderem Rassen wie Pitbull Terrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier und Bullterrier und deren Kreuzungen untereinander. „Die sichergestellten Staff-Welpen kamen wohl aus Serbien“, so Heinze. „Wahrscheinlich durch gefälschte Papiere, wie in den meisten Fällen.“ Besonders auf Internetplattformen würden die Hunde „verscherbelt“, wie Billigwahre. Und nichts anderes sind sie auch. „Ein reinrassiger Staffordshire Bullterrier für 190 Euro, da sollten die Alarmglocken schon klingen“, so Heinze.

Spontankäufe im Ausland

Auch ein anderer Aspekt, jetzt gerade zur Urlaubszeit, liegt Heinze ebenso am Herzen. Spontankäufe von Welpen im Ausland, oder aber der Straßenhund, der gerettet werden muss – so ehrvoll die Intentionen der Urlauber gemeint sind – auch hier gibt es Gesetzte. Bürokratische Regeln die zum Alptraum werden können. Zum einen dürfen Hunde nicht unter der 16. Lebenswoche nach Deutschland eingeführt werden, auch der blaue Heimtierausweis mit dem Vermerk aller nötigen Impfungen ist Pflicht. Denn im Gegensatz zu Deutschland, gibt es viele europäische Länder, in denen die Tollwut noch nicht gänzlich verbannt ist. Hinzu kommt, dass die Betreiber und Händler der Massenzuchtanlagen die Welpen schon nach kurzer Zeit von der Mutter trennen und damit eine wichtige Bindung zu früh kappen – viele dieser Hunde sind später verhaltensgestört.

Um den illegalen Handel mit Welpen einzudämmen, sind die Behörden auf Hinweise angewiesen. „Natürlich stehen im Internet viele Welpen zum Verkauf“, sagt Heinze. „Die Verkäufer dingfest zu machen, ist jedoch sehr schwierig.“ Getürkte E-Mail-Adressen, falsche Namen – da müsse schon Kommissar Zufall ein Einsehen haben. In den vergangenen Jahren wurden die Tierschutzgesetze zwar verschärft, um den Hundeschmuggel zu unterbinden, Angebot und Nachfrage sind jedoch geblieben. Offiziell müssen Transporte bei den Veterinärämtern in Ursprungs- und Empfängerland gemeldet werden. Wer auf Nummer Sicher gehen möchte oder einen Verdacht auf illegale Tätigkeiten hat, möchte sich bitte bi der Stadt, unter 0209-169 3113 melden.

 
 

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