Radikalkur für Bauabschnitt zwischen HSH und Musiktheater

Stilmix vor der Ele-Verwaltung: Die Ebertstraße in Gelsenkirchen soll im Bereich zwischen Vattmannstraße und Florastraße komplett umgebaut werden. Dabei wird auch der Haltepunkt Musiktheater zurückgebaut, der benachbarte Platz mit den hstorischen Laternen neu gestaltet.
Stilmix vor der Ele-Verwaltung: Die Ebertstraße in Gelsenkirchen soll im Bereich zwischen Vattmannstraße und Florastraße komplett umgebaut werden. Dabei wird auch der Haltepunkt Musiktheater zurückgebaut, der benachbarte Platz mit den hstorischen Laternen neu gestaltet.
Foto: Foto: Martin Möller / Funke Fot
  • Zwischen Hans-Sachs-Haus und Musiktheater im Revier beginnt im März 2017 der Unbau
  • Der Bereich soll offener werden, die Sichtachse wird betont, Einbauten werden entfernt
  • Für die Neugestaltung sollen auch 57 von 74 Bäumen in dem Bereich gefällt werden

Gelsenkirchen. Am Heinrich-König-Platz ist der Stadtumbau in den letzten Zügen. der Neumarkt ist runderneuert, vor dem Hans-Sachs-Haus (HSH) schaut die City längst so aus, wie sie sich die Stadtplaner vorstellen. Und es geht weiter an der Ebertstraße. In der Bezirksvertretung Mitte wird Mittwoch (15 Uhr, Ratssaal) der Entwurfs- und Baubeschluss abgestimmt. Zeit für eine kleine Bestandsaufnahme längs der Ebert-straße, dem nächsten Tummelplatz für den Stadtumbau von Hans-Sachs-Haus bis Musiktheater:

Wehrhafte Berberitze macht sich am Fritz-Rahkob-Platz vereint mit Efeu und Ackerwinde breit. Das gern so benannte Begleitgrün ist durchaus symbolträchtig für die Gesamtsituation zwischen Bildungszentrum und Vattmannstraße: Stachelig, verwachsen, verschlungen, unübersichtlich. Von Aufenthaltsqualität jedenfalls weit entfernt. Nicht viel besser steht es um die benachbarte Brunnen-Wasserfläche, die Sandkiste, die Sitzmöbel.

Transparenz und Ordnung

Seitenwechsel zur Ebertstraße, zur Haltestelle Musiktheater. 1980er-Jahre Charme ist dort längst verblichen. Den Leopold-Neuwald-Platz im Anschluss an die Parkplatz-Fläche bildet im Kern ein Ziegelstein-Atrium, vier alte Gaslaternen erinnern zumindest an den Wandel der Straßenbeleuchtung, aber stehen eher verloren als Kontrast zu den Traversen und Glasdächern der Haltestelle. Der Stadtbahntunnel schiebt sich davor Richtung Heinrich-König-Platz. Kein leichtes Umfeld für Stadtgestalter. Transparenz und Ordnung wollen sie in den Bereich bringen, die Sichtverbindungen optimieren, ein Fontänenfeld schaffen. Wie eine Welle soll sich das Grün künftig als Rasenband Richtung Musiktheater ausbreiten, störende Einbauten werden entfernt, die Stadtbahn-Haltestelle wird einer weitgehenden Erneuerung unterzogen. Der Ist-Zustand, stellt Janine Feldmann fest, „war in den 1970er Jahren chic ohne Ende. Das sind Bauentscheidungen der damaligen Zeit. Man muss jetzt das Beste aus der Situation im öffentlichen Raum machen“, so die Abteilungsleiterin Stadterneuerung.

Die politischen Gremien müssen zunächst den Baubeschluss fällen. „Dann können wir die Vergabe angehen. Die Ausführungsplanung ist weit gediehen. Unser Ziel ist, im nächsten März die Baustelle einzurichten“, sagt Feldmann, die mit rund zwei Jahren Bauzeit rechnet. Die förderfähigen Kosten für den Bauabschnitt gibt die Verwaltung mit rund 4,8 Millionen Euro an. Städtebauförderungsmittel sind bereits in Höhe von 3,8 Millionen Euro bewilligt worden

35 Neupflanzungen vor Ort vorgesehen

Den buchstäblich gröbsten Einschnitt bei der Umgestaltung soll es bei den sogenannten Bestandsbäumen geben: 74 stehen im Plangebiet, von denen 61 unter die Baumschutzsatzung fallen. Im Zuge der Umgestaltung der Eberstraße sollen 57 Bäume gefällt werden, davon 46, für die die Baumschutzsatzung gilt. Insgesamt sind vor Ort 35 Neupflanzungen vorgesehen. Andernorts in der Innenstadt sollen die wegfallenden Bäume kompensiert werden – beispielsweise mit elf Neupflanzungen am Margarethe-Zingler-Platz.

Projektionsfläche für Ideen und Pläne

Bei 20 bis 25 Veranstaltungen pro Jahr hat die Verwaltung in der Blue Box seit 2009 über den Stadtumbau rundum informiert. Der Pavillon, damals zeitgemäß mit einer transparenten Front aufgehübscht, diente geradezu – mit Modellen und Videoproduktionen – als Projektionsfläche für die City-Zukunft. Der Info-Punkt war täglich geöffnet, in der Regel war Fachpersonal vor Ort.

In den letzten Jahren diente die Blue Box auch zahlreichen Gruppen als Treffpunkt, wenn es um das Leben und die Entwicklung der Innenstadt ging: Nachbarschaftsstifter oder der Heimatverein Gelsenkirchen trafen sich hier, Gesprächsrunden tagten. Und stets ging es um die Veränderungen rundum.

Das (gemietete) Gerüst, dass die transparente Hülle der Blue Box trug, ist entfernt. Hinter der hellen Schale hat sich mit den Jahren Wildwuchs breit gemacht. Wilder Wein und Efeu ranken am Pavillon empor. Das Gebäude hat noch nicht ganz ausgedient. Mindestens bis März 2017, kündigt Janine Feldmann, die Bauleitplanerin für den Süden der Stadt an, wird es noch als Besprechungsbüro genutzt. Im Frühsommer werde es dann nötig sein, das Gebäude abzureißen. Dann weicht es dem Stadtumbau.

 
 

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