Recklinghausen

Psychologe erklärt: Darum fühlst du dich unwohl, wenn du an der Ampel neben der Polizei hältst

Polizei steht neben dir an der Ampel? Gehst du auch im Kopf durch, ob du alles richtig gemacht hast?
Polizei steht neben dir an der Ampel? Gehst du auch im Kopf durch, ob du alles richtig gemacht hast?
Foto: imago/Steinach
  • Vermutlich die meisten von uns fühlen sich unwohl, wenn im Straßenverkehr die Polizei in der Nähe ist
  • Dann wird überprüft ob man angeschnallt ist, das Licht eingeschaltet ist und wo das Handy eigentlich gerade liegt
  • Wir haben mit einem Psychologen gesprochen, der uns erklärt hat, wo diese Furcht herkommt

Recklinghausen. Fast jeder von uns kennt das. An der Ampel steht die Polizei neben dir und obwohl du vielleicht nichts Böses getan hast, hast du trotzdem ein total schlechtes Gewissen. Aber warum? Antwort auf diese Frage gibt Psychologe Sebastian Bartoschek.

Im Gespräch mit DER WESTEN sagt er: „Weil wir im Straßenverkehr alle regelmäßig Regeln überschreiten, ist man sich dessen eben gewahr. Ich kenne keinen in meinem Freundeskreis, der (in einem normalen Ausmaß) keine Regeln im Straßenverkehr überschreitet.“

-------------------------------------

• Mehr Themen:

Aus für das Luftschiff Theo? Das bedeutet der Verkauf des Flughafen Essen/Mülheim

Mann verwickelt zwei Frauen im Zug in ein Gespräch - Dann holt er den Penis raus

Deutschlandweites Shopping-Ranking: Mülheim fast auf dem letzten Platz - nur eine Revierstadt ist noch schlechter

-------------------------------------

Wenn Bartoschek im Straßenverkehr einen Polizeiwagen sieht, geht sein erster Blick beispielsweise auf den Tacho, wie er sagt. „Und dann gucke ich, wo mein Handy gerade liegt. Ich denke, bei anderen Menschen wird es nicht anders sein. Ich glaube, das ist völlig normal.“

Gesellschaft funktioniert durch Regeln

Hervorgerufen wird diese Furcht vor Bestrafung von dem Anblick des Autos, das mit Blaulicht, speziellen Farben und Mustern eindeutig als Polizeiwagen erkennbar ist. Dazu sagt Bartoschek: „Wir (als Gesellschaft) geben der Polizei ja deshalb die entsprechende Kleidung. Damit man sieht, das ist ein Polizist. Wir wollen ja, dass es diese Ordnungswirkung gibt. Kontrolle funktioniert durch Autoritäten und Gesellschaft funktioniert nur dann, wenn es Gesetze und Regeln gibt.“

Dafür hat er ein aktuelles Beispiel parat: „In dem Moment, in dem ich in Hamburg auf der Straße stehe und nicht fürchten muss, dass mir etwas passiert, warum sollte ich dann das Auto (abgesehen von moralischen Aspekten) nicht anzünden? Wenn man Furcht davor hat, dass einem etwas passiert, dann funktioniert der Rechtsstaat auch.“

Regelverstöße als Zeichen für Demokratie

Gleichzeitig seien Regelverstöße auch ein Zeichen für Demokratie, wie der Psychologe sagt. „Unser Leben funktioniert mit Regelbrüchen leichter. Und eine Gesellschaft, in der alle Regeln eingehalten werden, kann keine demokratische Gesellschaft sein.“ Damit meint Bartoschek politische Systeme, innerhalb derer die Bevölkerung so stark unterdrückt wird, dass schon kleinere Verstöße drakonisch bestraft werden. Etwa Stockhiebe als Strafe für gesprühte Graffiti.

„Eine Gesellschaft funktioniert so lange gut, wie sich die Regelverstöße in einem Ausmaß befinden, in dem die überwiegende Mehrheit grundsätzlich noch der Meinung ist, sich an die Regeln halten zu müssen.“

Es ist also absolut gesund und normal, dass du kontrollierst, ob du alles richtig gemacht hast, wenn du einen Polizeiwagen neben dir bemerkst. Schließlich sorgen die Polizisten schon auf diese Weise für Ordnung auf unseren Straßen.

 
 

EURE FAVORITEN