Partner aus der Schatzkiste

160 bis 170 Besucher kommen zu den Singlepartys in die Kaue. Manche haben hier schon Verlobung gefeiert. Foto: Schatzkiste
160 bis 170 Besucher kommen zu den Singlepartys in die Kaue. Manche haben hier schon Verlobung gefeiert. Foto: Schatzkiste
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„Was ist nur mit den Frauen los?“ Auf die Frage hat Holger Leitsch, Dipl. Sozialpädagoge und Herzensberater bei der Schatzkiste Gelsenkirchen, zumindest eine Antwort: Sie sind zurückhaltender in punkto aktive Beziehungs-Suche.

Seit 2008 ist die Partnervermittlung für Menschen mit Behinderungen vor Ort aktiv. Das Interesse an der Partnersuche ist groß, wie auch die Besucherzahlen der zweimal im Jahr stattfindenden Singlepartys belegen: „Dann kommen jeweils 160, 170 Personen plus Begleiter. Wir kriegen den Laden immer gut voll“, sagt Leitsch.

Bei der direkten Partnersuche sind jedoch „die männlichen Interessenten deutlich aktiver, was die Vermittlungsarbeit natürlich nicht ganz einfach macht, da es einen deutlichen Männerüberhang gibt“, meint der 50-Jährige. Ein Phänomen, das übrigens auch die „Schatzkisten“ in anderen Städten haben. Auch dort wird weibliche Zurückhaltung registriert.

Die Schatzkiste ist ein Angebot der Ambulanten Hilfen des Ev. Johanneswerks in Gelsenkirchen und bietet Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit sich kennenzulernen – egal, ob es um die große Liebe oder nur um freundschaftliche Kontakte für die gemeinsame Freizeit geht. Die Kontaktaufnahme „wird durch geschulte Mitarbeiter begleitet und geschieht individuell und diskret.“ Die Idee stammt aus Hamburg. Leitsch: „Wir waren davon so angetan., dass wir sie auch hier umgesetzt haben.“

Die Schatzkiste ist längst ein bundesweit agierender eingetragener Verein und „aus dem Bedarf heraus entstanden, dass viele Menschen mit Behinderungen sich Beziehungen und Außenkontakte wünschen“, erklärt Leitsch. Auch das Thema Sexualität scheint bei Menschen mit geistiger Behinderung enttabuisiert. „Da hat eine Entwicklung stattgefunden, da wurden Barrieren aufgebrochen“, glaubt der Sozialpädagoge.

Auch wenn sich die Mädels in der Vermittlung eher rar machen: „Bei den Single-Partys haben wir eigenartigerweise ein gutes Mischungsverhältnis. Da wird viel getanzt, die Leute haben Spaß“, findet Leitsch. Und auch die Vermittlungstätigkeit war bislang durchaus fruchtbar. „Wir haben schon einige Paare zusammengebracht. Und auf den Singlepartys haben wir schon Verlobungen erlebt.“ Die nächste Party ist übrigens wieder im September.

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