Orchester blüht mit Brown und Beethoven regelrecht auf

Spielfreude, Esprit und Leidenschaft: Diese Attribute zeichneten das 6. Sinfoniekonzert der Neuen Philharmonie Westfalen im Musiktheater im Revier aus. Ein Abend voller Leichtigkeit, an der neben den ausgezeichnet aufspielenden Musikern vor allem die zwei Gäste großen Anteil hatten: der junge US-amerikanische Dirigent Brandon Keith Brown und Pianist Matthias Kirschnereit.

Solist zelebriert den Wohlklang

Ein Newcomer der eine, ein immer wieder gern gesehener Gast auf der Gelsenkirchener Bühne der andere. Kirschnereit, gebürtiger Dorstener, aufgewachsen in Namibia und längst ein international gefeierter Pianist, in der Stadt zuletzt zu Gast beim Schloss-Berge-Benefizkonzert, interpretierte diesmal weitgehend unbekannte, lyrische Konzertstücke von Robert Schumann.

„Introduktion und Allegro appassionata“, ein Konzertstück für Klavier und Orchester G-Dur op. 92, zelebrierte Kirschnereit brillant und virtuos, gab der zarten Poesie wohlklingenden Raum, entfaltete trotz aller verträumten Verklärtheit auch glasklare Melodiebögen. Nicht weniger sinnlich und charmant das Konzert-Allegro mit Introduktion für Klavier und Orchester d-Moll op. 134, ein Spätwerk Schumanns. Hier bekommt das Piano breiten solistischen Raum, den Kirschnereit mit brillanten Läufen und in harmonischem Dialog mit dem Orchester ausfüllt. Als Zugabe gab es am Dienstag noch eine kleine ungarische Melodie von Franz Schubert, am Montag ein Stück von Schumann.

Unter der jugendlich frischen, agilen Leitung von Brandon Keith Brown blühte das Orchester vor allem mit Ludwig van Beethovens 8. Sinfonie regelrecht auf. Brown, der zum ersten Mal am Pult der Philharmonie stand, gilt als neuer Stern am Dirigentenhimmel. Als Preisträger des Sir-Georg-Solti-Dirigierwettbewerbs 2012 gastierte er bei den Salzburger Festspielen ebenso wie in New York, arbeitete mit Lorin Maazel in Virginia, leitet zurzeit das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin.

Browns Beethoven klang sensationell flott, fröhlich und lebensbejahend, spürte aber auch den leisen Brüchen verhalten und subtil nach. Die kleine Sinfonie Es-Dur Nr. 2 von Carl Philipp Emanuel Bach, dessen 300. Geburtstag die Musikwelt in diesem Jahr gedenkt, machte den federleichten Einstieg ins Programm. Wer das verpasst hat: Das Konzert erklingt am Sonntag, 16. Februar, um 19.30 Uhr noch einmal im Ruhrfestspielhaus Recklinghausen.

EURE FAVORITEN